Tierverschleiß

ZDF will umstrittene Serie "Unser Charly" einstellen

Ende nach 15 Jahren: Wie Morgenpost Online erfuhr, plant das ZDF keine weitere "Unser Charly"-Staffel. Gegen die Serie waren schwere Vorwürfe erhoben geworden.

Foto: picture-alliance/ obs / picture-alliance/ obs/ZDF

Nach heftigen Protesten von Tierschützern will das Zweite nun endgültig die Familienserie „Unser Charly“ beenden. Das geht aus mehreren Schreiben des ZDF an den Bundesvorsitzenden der Grünen Cem Özdemir und die Parlamentarische Geschäftsführerin Undine Kurth hervor, die Morgenpost Online vorliegen.

Tierschützer hatten den Umgang mit den zahlreichen jungen Schimpansen, die für die Rolle des „Charly“ eingesetzt werden, seit Jahren kritisiert. Vor zwei Tagen schlossen sich Wissenschaftler und Juristen dem Protest an. Sie werfen dem ZDF vor, sich nicht darum zu kümmern, was mit den Tieren geschieht, wenn sie zu alt für die Rolle sind. Bisher wurden in der seit 15 Jahren laufenden Serie mindestens elf Jungaffen eingesetzt. Die kalifornische Firma „Working Wildlife“ des Tiertrainers Steve Martin bildet sie aus, führt und betreut sie während der Dreharbeiten. „Charly“ wird seit Beginn der Serie von Jungtieren verkörpert und altert nicht. Was hauptsächlich daran liegt, dass nur junge Schimpansen dressiert werden können. Ab der Pubertät werden die überaus kräftigen Primaten unberechenbar und aggressiv.

Kern der Kritik ist nicht die Behandlung der Tiere bei den Dreharbeiten, die von einem Tierarzt überwacht wird, sondern die Frage, was danach mit ihnen geschieht. Wo sie den Rest ihres bis zu 50 Jahre langen Lebens verbringen, ist unklar. Die Kritiker behaupten, sie werden in ein schlecht geführtes Tierasyl in Texas abgeschoben, dem das US-Landwirtschaftsministerium die Lizenz entzogen hat.

Die Firma Phoenix Film, die „Unser Charly“ produziert, erklärt, Tiertrainer Steve Martin habe auf dem Gelände seiner Firma einen „Naturpark“ eingerichtet, in dem die Menschenaffen, wie in einem guten Zoo leben.

Außerdem warf der Deutsche Tierschutzbund dem ZDF vor, dass der Sender seinen Bildungsauftrag mit „Unser Charly“ verfehle. „Wer Kindern vorgaukelt, Schimpansen seien zur Belustigung des Menschen da, handelt grob fahrlässig“, sagte Präsident des Tierschutzbundes, Wolfgang Apel.

Ruprecht Polenz, Mitglied des ZDF-Fernsehrates, schrieb den Grünen, die 16. Staffel der Serie, die derzeit in Stahnsdorf bei Berlin abgedreht wird, sei „auf jeden Fall die letzte Staffel.“ Programmdirektor Thomas Bellut versicherte, das ZDF werde keine weiteren Affen mehr für die Dreharbeiten ausbilden lassen. „Das ist eine Entscheidung“, sagt Undine Kurth, „über die man sich wirklich freuen kann. Sie war längst überfällig und entspricht unserem heutigen Verständnis von einem angemessenen Umgang mit Menschenaffen.“

ZDF-Sprecher Peter Bogenschütz wollte gegenüber Morgenpost Online, die Absetzung der Serie weder bestätigen noch dementieren, sagte jedoch: "Derzeit sind keine weiteren Staffeln geplant." Es gäbe keine Pläne, von Seiten des ZDF die Unterbringung der Schimpansen in Amerika zu kontrollieren. "Dafür ist der Besitzer zuständig."

Die 16. Staffel der Reihe wird im Herbst ausgestrahlt. In der Serie geht es darum, dass das Leben von Familie Martin ins Chaos stürzt, nachdem plötzlich der Schimpanse Charly bei ihnen einzieht. Der Affe war zuvor einer Tierschmugglerbande entkommen. Bei seiner Flucht verläuft er sich in die Praxis des Tierarztes Dr. Philipp Martin (Ralph Schicha).

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.