Ausgabe 2010

So absurd sind die neuen Guinness-Rekorde

Sie stürzten sich Wasserfälle hinab, ließen sich die Ohrhaare 18 Zentimeter lang wachsen, tätowierten sich das Zahnfleisch oder übten sich im Tauziehen mit Flugzeugen. So ziemlich alles haben sich Menschen auch in diesem Jahr angetan, um ins neue Guinness Buch zu kommen.

Foto: picture-alliance/ dpa / dpa

Es ist schon erstaunlich, was sich Menschen alles einfallen lassen, um in das "Guinness Buch der Rekorde" zu kommen. Dessen neue Ausgabe ist jetzt erschienen. Und irgendwie lohnt sich der Aufwand auch, schließlich ist es die meistverkaufte urheberrechtlich geschützte Publikation der Welt.

Kenner des Wälzers wissen, wo sofort nachgeschlagen werden muss. Neu als größter Mann der Welt etwa ist der 26-jährige Sultan Kösen aufgenommen worden. Der an einer Hormonstörung leidende Türke misst 2,47 Meter. Mit einer Basketballkarriere bei Galatasaray Istanbul wurde es trotzdem nichts, denn er stellte sich als zu unbeholfen heraus.

Getrost überspringen können Guinness-Fans dagegen Kapitel wie „Der Weltraum“ und „Planet Erde“. Denn dass sich der größte hydrothermale Explosionskrater der Welt im Yellowstone Nationalpark findet, wird zwar unter „Neue Rekorde“ gelistet. Der Krater ist allerdings schon mindestens 14.000 Jahre alt.

Bedeutend frischer sind dagegen die Bestleistungen in der Länderübersicht. In den USA fuhr Tommy Passemante den mit 98 km/h schnellsten Rasenmäher der Welt. Der Texaner Jackie Bibby hielt elf giftige Klapperschlangen zehn Sekunden am Schwanz im Mund – und verbesserte seine eigene Bestleistung damit um eine Schlange.

Die Familie Ramos Gomez aus Mexiko ist die haarigste Sippe (die Männer sind zu etwa 98 Prozent ihres Körpers behaart, Frauen etwas weniger). Valentin Pasquier aus Nantes küsste in einer Minute 94 Menschen. Noch etwas attraktiver war aber offenbar Solène Oudet: Sie wurde bei selber Gelegenheit in einer Minute von 108 Mitbürgern geküsst.

Eine 11,55 Meter lange Salami kochten die Einwohner im italienischen Viguzzolo. Kazem Arialwad betreibt mit seinem „Red Polar Bear“ den nördlichsten Döner-Imbiss der Welt auf Spitzbergen. Der Engländer Freddie Yauner bastelte einen Toaster, der das Brot 2,6 Meter hoch auswirft. 1.320 unterschiedliche Zahnbürsten besitzt Grigori Fleicher aus Russland.

Das leistungsstärkste Hühnerkotkraftwerk der Welt steht in Moerdijk und verbraucht ein Drittel der jährlichen Kot-Produktion des niederländischen Geflügels. Der ungarische Stuntman Roland Halapi ließ sich mit brennendem Körper 472,8 Meter von einem Pferd ziehen. 18,58 Sekunden braucht der Japaner Kenichi Ito für die 100-Meter-Strecke – auf allen vieren.

Deutsche verließen sich im abgelaufenen Rekordjahr lieber auf ihre Kernkompetenzen Effizienz und Bodenständigkeit. Landwirt Günther Wahl, der unter dem Kampfnamen „Günne“ auch bei „Bauer sucht Frau“ auftrat, hält den Rekord im Turbo-Melken.

Seiner Kuh zapfte er in zwei Minuten zwei Liter Milch aus dem Euter – immerhin fast ein Glas mehr als der bisherige Rekordhalter. Die Oktoberfest-Kellnerin Anita Schwarz trug 19 gefüllte Maßkrüge über die 40-Meter-Strecke und verschüttete dabei weniger als ein Zehntel des Bieres. Und die Volkswagen-Kantine in Wolfsburg briet die mit 150 Kilo größte Portion Currywurst.

Mit einigen der Rekorde sind aber auch durchaus tragische Geschichten verbunden. Yao Defeng aus China ist vermutlich mit 2,36 Metern die größte Frau der Welt, konnte aber wegen einer Sturzverletzung nicht von den Rekordrichtern gemessen werden.

Lee Redmond aus Salt Lake City brachen ihre überlangen Fingernägel bei einem Autounfall ab. Die Prachtexemplare hatten vorher zusammen 8,65 Meter gemessen. Und wegen eisiger Kälte fiel die größte Hundehochzeit der Welt im US-Bundesstaat Illinois ins Wasser.

Den Rekord für den am längsten gehaltenen Rekord hält übrigens ein gewisser Symeon Stylites. Der Säulenheilige aus dem syrischen Aleppo verbrachte im 5. Jahrhundert 39 Jahre auf einem Pfeiler. Dass sich irgendjemand an diesem Rekord versucht, ist aber auch nur noch eine Frage der Zeit.

"Guinness World Records 2010 – das Buch des Jahrzehnts“, Bibliographisches Institut AG, 19,90 Euro

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