Berlin-Lichtenberg

Schläger soll mit U-Bahn-Überfall geprahlt haben

Die Ärzte haben den Maler aus Berlin, der von Jugendlichen zusammengeschlagen wurde, ins künstliche Koma versetzt. Die Polizei sucht unterdessen nach Zeugen.

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Nach dem brutalen Überfall auf einen 30-Jährigen auf dem U-Bahnhof Lichtenberg ist das Opfer ins künstliche Koma versetzt worden. Der Mann habe „schwere Kopfverletzungen“ erlitten, sagte ein Sprecher des Unfallkrankenhauses Marzahn. Sein Zustand sei „nach wie vor kritisch“.

Die Polizei hatte am Dienstag vier Jugendliche unter dringendem Tatverdacht festgenommen. Sie sollen den 30-jährigen Malergesellen am Freitagabend auf dem U-Bahnhof so lange getreten und geschlagen worden, bis er bewusstlos am Boden liegen blieb. Ein Kollege des Malers konnte den Schlägern entkommen. Die Polizei kam den Jugendlichen durch Bilder einer Überwachungskamera auf die Spur.

Die vier mutmaßlichen Täter im Alter von 14 bis 17 Jahren haben der Staatsanwaltschaft zufolge die Tat gestanden und Haftbefehl erhalten. Gegen die aus Einwandererfamilien stammenden Jugendlichen wird unter anderem wegen versuchten gemeinschaftlichen Raubmordes ermittelt.

Der 14-Jährige, der laut Zeitungsberichten aus Bosnien stammt und bereits polizeibekannt ist, wurde nach Polizeiangaben in einem Heim in Brandenburg untergebracht.

Zwei der 17-jährigen Schläger, ein gebürtiger Kenianer und ein Kosovare, sollen die Oberschule Am Rathaus in Lichtenberg besucht haben. Laut „Bild“-Zeitung soll sich der Kenianer vor seiner Freundin mit dem brutalem Überfall gebrüstet haben. „Er war total stolz darauf“, wird die 15-Jährige zitiert.

Zeugen gesucht

Der brutale Überfall hätte noch schlimmer enden können. Ein Autofahrer habe offenbar den zweiten Maler gerettet, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner. Die beiden 30 Jahre alten Handwerker waren nach den Ermittlungen auf dem Weg zum U-Bahnhof Lichtenberg, als sie ohne ersichtlichen Grund angegriffen wurden. Während der Berliner Handwerker zusammengeschlagen und getreten wurde, habe es sein Kollege aus Rostock in Mecklenburg-Vorpommern noch geschafft, sich zunächst zu verstecken.

Doch die Angreifer hätten ihn aufgespürt und zurück auf die Straße getrieben, wo sie auf ihn einschlugen. Dort habe ein vorbeikommendes Auto gehalten, der Fahrer sei ausgestiegen und habe eine klare Ansage gemacht. Die Schläger seien daraufhin geflüchtet. „Den Autofahrer suchen wir jetzt dringend als Zeugen“, sagte der Sprecher.

Zudem werden andere Augenzeugen des Überfalls gesucht. Unklar blieb, warum sich der Angegriffene aus Rostock zunächst nicht selbst bei der Polizei meldete.

Rechte Szene instrumentalisiert den Überfall

Unterdessen versucht die rechte Szene in Berlin, die Gewalttat für sich zu instrumentalisierten. Nach Angaben der Polizei hatten sich am Mittwochabend rund 30 Rechtsextremisten zu einer unangemeldeten Demonstration in Lichtenberg versammelt. Die schwarz gekleideten und überwiegend vermummten Demonstranten liefen mit Fackeln vom S-Bahnhof Lichtenberg los, der in unmittelbarer Nähe zum U-Bahnhof liegt, wo sich die Tat ereignete.

Der Zug löste sich auf, bevor die Polizei eintraf. Die Kriminalpolizei ermittelt wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz. Für Freitagabend kündigte die NPD eine Mahnwache am U-Bahnhof Lichtenberg an. Der Bereich um den Bahnhof Lichtenberg gilt als bevorzugter Wohnort von Neonazis in Berlin.