Fukushima

Deutsche Putzmeister-Pumpe soll Atomruine kühlen

Am Stuttgarter Flughafen wurde eine 62 Meter lange Riesen-Pumpe in eine Maschine nach Japan verladen. Das Gerät soll im Kampf gegen den Super-GAU helfen.

Eine weitere deutsche Riesen-Pumpe ist auf dem Weg zum havarierten Atomkraftwerk Fukushima. Das Gerät des Pumpenherstellers Putzmeister aus Baden-Württemberg soll bei der Kühlung der Atomruine in Japan helfen. Die 62 Meter lange Pumpe wurde am Donnerstagmorgen am Stuttgarter Flughafen in ein Frachtflugzeug vom Typ Antonow 124 verladen.

Sie soll in Tokio Mitarbeitern des AKW-Betreibers Tepco übergeben werden. Beschäftigte des Unternehmens aus Aichtal in Baden-Württemberg selbst unterstützen die Japaner zwar mit Service und Schulungsangeboten. Am Unglücksort werden sie aber nicht eingesetzt, wie Putzmeister-Geschäftsführer Markus Gehrt sagte.

Das Gerät ist bereits die zweite Putzmeister-Pumpe, die bei der Kühlung des schwerbeschädigten Atomkraftwerks helfen soll. Drei weitere Pumpen, die bis zu 80 Tonnen wiegen, sollen in den nächsten Tagen folgen. Die Geräte sollen zunächst Wasser auf die Meiler spritzen. Später werden sie eventuell für Beton-Arbeiten gebraucht. Dank der bis zu 70 Meter langen Arme kann Wasser von hoch oben in die beschädigten Reaktoren gepumpt werden.

Normalerweise werden die Pumpen möglichst auch an ihrem späteren Einsatzort produziert. Wegen des dringenden Bedarfs nach dem Atomunfall wurde nun erstmals ein solches Gerät per Flugzeug transportiert. Die sechsarmige Pumpe ist fest auf einen Lastwagen aufgebaut und wurde komplett verladen. Die Transportkosten von mehr als 500.000 Euro zahlt Tepco.

Die bis zu 1,5 Millionen Euro teuren Geräte werden normalerweise zum Pumpen von Beton verwendet. So wurde beim Bau des Hochhauses Burj Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten Beton über 450 Meter senkrecht nach oben befördert. Die Maschinen sind durch ihre flexiblen Arme jedoch auch für Feuerlöscheinsätze geeignet.

Die japanische Regierung erwägt verschiedene Notmaßnahmen, um die Radioaktivität einzudämmen. Dazu gehört auch die Idee, die Reaktoren mit Spezialgewebe abzudecken oder verseuchtes Wasser aus dem Kraftwerk in ein Tankschiff zu pumpen.

Keine Ausweitung der Evakuierungszone

Unermüdlich kämpfen Techniker gegen die atomare Katastrophe in Japan, doch die Strahlen-Lecks in Fukushima sind noch immer außer Kontrolle. Die Regierung plant jedoch vorerst keine Ausweitung der Evakuierungszone um das havarierte Atomkraftwerk. Es gebe im Moment keine sofortigen Pläne für einen solchen Schritt, sagte Regierungssprecher Yukio Edano am Donnerstag.

Er reagierte damit auf Empfehlungen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA). Man werde aber ausgehend von IAEA-Daten den Boden um das AKW intensiver auf Strahlen untersuchen. Regen zwang den Betreiber Tepco dazu, das Besprühen verstrahlter Trümmer mit Kunstharz zur Eindämmung von Radioaktivität auszusetzen. Derweil steigt die Radioaktivität: Im Meerwasser nahe des AKW seien Jod-Partikel mit einer 4385-fach höheren Konzentration als erlaubt gemessen worden, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo.

Wegen der hohen Strahlenwerte im 40 Kilometer von Fukushima entfernten Ort Iitate hatte die IAEA geraten, die 7000-Einwohner-Stadt zu räumen. „Eine erste Beurteilung deutet darauf hin, dass eine der IAEA-Kriterien für die Evakuierung überschritten wurde“, hatte IAEA-Experte Denis Flory in Wien gesagt. Greenpeace hatte nach eigenen Messungen dringend eine Ausweitung der Evakuierungszone rund um Fukushima von 20 auf 40 Kilometer verlangt.

Kaiser Akihito traf erstmals mit Überlebenden des Erdbebens und Tsunamis zusammen. Gemeinsam mit seiner Gemahlin Michiko nahm sich der Monarch eine Stunde Zeit, um etwa 290 Flüchtlingen in Tokio Trost zu spenden, wie japanische Medien am Donnerstag meldeten. Die Zahl der nach dem Erdbeben und dem Tsunami vom 11. März offiziell für tot erklärten Opfer stieg auf 11.362. Weitere 16.290 Menschen werden noch vermisst.