Mordprozess in Paris

Kalinkas Mutter schloss Dieter K.s Schuld immer aus

Jahrelang war die Mutter der ermordeten Kalinka mit deren mutmaßlichem Mörder Dieter K. verheiratet. Nun brach sie erstmals ihr Schweigen.

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Im Prozess um den mordverdächtigen deutschen Arzt Dieter K. in Paris hat erstmals die französische Mutter der 1982 getöteten Kalinka Bamberski ausgesagt. Sie wolle nun die Wahrheit über den Tod ihrer Tochter wissen, sagte die Zeugin.

Lange Zeit habe sie ihrem deutschen Ex-Mann geglaubt, der sich am Vortag für unschuldig erklärt hatte. Sie war sieben Jahre lang mit dem Angeklagten verheiratet. Wörtlich betonte Danielle Gonnin: "Ich bin nicht gegangen, weil ich Zweifel am Tod meiner Tochter hatte. 28 Jahre lang habe ich es nie für möglich gehalten, dass er an ihrem Tod schuld sein könnte.“

Doch seit dem März 2010 seien ihr Zweifel gekommen. Als Nebenklägerin beim laufenden Prozess habe sie Zugang zu den Akten gehabt. „Mit allem was ich jetzt gelesen haben, auch mit dem medizinischen Berichten – das hat mich durcheinandergebracht.“ Nun wolle sie endlich die Wahrheit wissen. „Wenn er schuldig ist, muss er dafür zahlen“, betonte Danielle Gonnin. Sie habe ihren Ex-Mann seit langen Jahren erstmals wiedergesehen und ihn in seinem geschwächten Zustand kaum wieder erkannt.

Der auf Geheiß des leiblichen Vaters Kalinkas nach Frankreich verschleppte frühere deutsche Arzt steht seit dem 29. März vor einem Schwurgericht. Er steht im Verdacht, im Jahr 1982 seine Stieftochter vergewaltigt und mit einer Spritze getötet zu haben.

Die damals 14-Jährige starb im Haus ihres Stiefvaters in Lindau am Bodensee. Ihr leiblicher Vater, der Franzose André Bamberski, setzte sich jahrelang vergeblich dafür ein, Dieter K. zur Rechenschaft zu ziehen. Vor zwei Jahren ließ er ihn gewaltsam entführen und nach Frankreich bringen.

Zum Prozessauftakt hatte K.s Anwalt argumentiert, dass niemand zweimal für die gleiche Straftat zur Rechenschaft gezogen werden kann. Ein französisches Gericht hatte Dieter K. bereits 1995 wegen der Tötung seiner Stieftochter in Abwesenheit zu 15 Jahren Haft verurteilt worden.

Ein Berufungsgericht hob das Urteil wegen Verfahrensfehler später aber wieder auf. Die deutsche Justiz hatte ein Verfahren im Fall Kalinka eingestellt, bevor es auch nur zur Anklage kam. Bamberski wirft der deutschen Justiz vor, den Fall nicht ernst genommen zu haben. Der Prozess soll nach vorläufiger Planung bis 8. April dauern.