Folterdrohung

Keine Strafen gegen Mitwisser im Fall Gäfgen

Der früheren Innenstaatsekretär Udo Corts (CDU) und Ex-LKA-Chef Norbert Nedela wussten angeblich von Folterdrohungen gegen den Kindsmörder Magnus Gäfgen.

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Achteinhalb Jahre nach den Folterdrohungen der Ermittler gegen den Kindesentführer Magnus Gäfgen werden die Mitwisser im hessischen Innenministerium keine Disziplinarstrafen bekommen. Diese seien nach dem Disziplinarrecht nicht mehr möglich, sagte Innenminister Boris Rhein (CDU) im Innenausschuss des Landtags inWiesbaden.

Die Oppositionsparteien Grüne und SPD verlangten hingegen weitere Schritte gegen den früheren Innenstaatsekretär Udo Corts (CDU) und den aus anderen Gründen zwangspensionierten Ex-LKA-Chef Norbert Nedela. Nedela war kürzlich vom füheren Frankfurter Vizepolizeipräsidenten Wolfgang Daschner als Mitwisser belastet worden.

Daschner hatte am 1. Oktober 2002 den Entführer Gäfgen mit Folter bedrohen lassen, damit er das Versteck der vielleicht noch lebenden Geisel Jakob von Metzler preisgebe. In dem Entführungsfall habe er sich ständig mit Nedela beraten und dieser haben die Drohungen gegen Gäfgen mit den Worten „Instrumente zeigen“ gebilligt.

Das illegale Vorgehen der Polizisten ist Grundlage des Prozesses vor dem Landgericht Frankfurt, in dem der Mörder Gäfgen derzeit vom Land Hessen Schmerzensgeld für angebliche psychische Folgen der Drohungen verlangt. Daschner hat in seiner Aussage direkte Kontakte zu Corts oder dem damaligen Innenminister und heutigen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) bestritten.

Nedela habe ihm später erzählt, dass Corts „in groben Zügen“ informiert worden sei. Bislang seien gegen Corts keine neuen Verdachtsmomente aufgetaucht, sagte Innenminister Rhein. Man müsse aber warten, bis die Aussageprotokolle Daschners aus dem Zivilprozess vorlägen. Derzeit rede man nur auf der unzureichenden Grundlage von Presseberichten.

Der elf Jahre alte Bankierssohn Jakob von Metzler war bereits unmittelbar nach der Entführung von Gäfgen ermordet worden. Nach den Gewaltdrohungen brach der zuvor leugnende Täter ein und führte die Ermittler zum Leichenversteck. Bouffier hat stets abgestritten, von der Drohung der Polizei gewusst zu haben. Er sei damals imUrlaub gewesen. Gäfgen verbüßt eine lebenslange Haftstrafe.