Japan

Fukushima strahlt ins Meer

In Fukushima tritt Radioaktivität aus - und gelangt ins Meer: Die Werte sind mehr als 3000-fach erhöht. Nun wird in Deutschland an einem Notplan für den Fall gearbeitet, dass die ersten verstrahlten Frachter ankommen.

Im Meer vor dem beschädigten Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi in Japan sind stark erhöhte Mengen des radioaktiven Jods 131 festgestellt worden. Sie lägen um das 3335-fache über den normalen Werten, teilte die Atomsicherheitsbehörde am Mittwoch mit. Das deute darauf hin, dass weiterhin kontaminiertes Wasser aus dem Atomkraftwerk ins Meer fließe. Aus welchem Teil des Kraftwerks das Wasser austritt, war aber zunächst nicht klar. Der hohe Jod-Wert sei „besorgniserregend“, stelle jedoch keine Gefahr für die Gesundheit dar, sagte Behördensprecher Hidehiko Nishiyama. „Wir werden den Grund ermitteln und unser Möglichstes tun, um einen weiteren Anstieg zu verhindern, sagte Nishiyama. Fischfang gebe es in der Region nicht, sagte er.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace rief nach eigenen Strahlungsmessungen im Umkreis von Fukushima-Daiichi zu einer Evakuierung der gesamten Region auf. Rund 30 Kilometer vom Meiler entfernt seinen Strahlungswerte von 100 Mikrosievert pro Stunde gemessen worden, sagte der belgische Atomexperte Jan van de Putte am Mittwoch in Tokio. Durch die Strahlenbelastung erreichten die Menschen in der Region die jährliche Höchstdosis von 1000 Mikrosievert innerhalb von zehn Stunden.

Die japanische Regierung erwägt einem Medienbericht zufolge, drei beschädigte Reaktoren des Atomkraftwerks Fukushima 1 mit Planen abdecken zu lassen, um die radioaktive Strahlung zu vermindern. Außerdem sei vorgesehen, einen Tanker einzusetzen, um radioaktiv verseuchtes Wasser abzusaugen, berichtete die Zeitung „Asahi Shimbun“ am Mittwoch unter Berufung auf Regierungskreise. Regierungssprecher Yukio Edano sagte dazu, die Regierung und Atomexperten dächten über „alle Lösungen“ nach, einschließlich derjenigen in der Presse erwähnten..

Arbeitern geht es nach Kontakt mit radioaktivem Wasser gut

Drei Arbeiter, die mit radioaktivem Wasser in Kontakt kamen, geht es offenbar gut. “Wir haben sie untersucht und keine Strahlung messen können„, sagte der Sprecher der Atomsicherheitsbehörde, Yoshiyuki Tada, am Mittwoch. Die Techniker hatten am Dienstag versucht, eine Pumpe außerhalb von Reaktor 3 anzuschließen. Dabei ergoss sich radioaktives Wasser auf die Arbeiter und durchnässte ihre angeblich wasserdichten Anzüge bis auf die Unterwäsche. In der vergangenen Woche waren zwei Arbeiter mit Verbrennungen in ein Krankenhaus gebracht worden, nachdem sie durch radioaktives Wasser gelaufen waren.

Tepco-Präsident ins Krankenhaus eingeliefert

Der Tepco-Präsident ist in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Masataka Shimizu habe zuvor über Bluthochdruck und Schwindelgefühl geklagt, sagte ein Sprecher. Shimizu war bereits seit einigen Tagen nicht mehr in der Öffentlichkeit erschienen. Deshalb wurde schon über seinen Gesundheitszustand spekuliert.

Die am schwersten beschädigten Reaktoren des Katastrophen-Kraftwerks sollen darüber hinaus endgültig stilllgelegt werden. „Wir haben keine andere Möglichkeit, als sie auszurangieren“, sagte der kommissarische Chef der Betreiberfirma, Tsunehisa Katsumata, am Mittwoch in Tokio. Die Reaktorblöcke 1 bis 4 seien durch das Erdbeben vom 11. März so stark beschädigt, dass sie unbrauchbar seien für die Stromerzeugung. Insgesamt stehen in Fukushima Eins sechs Meiler. Katsumata hatte erst kurz zuvor die Firmenleitung bei Tepco übernommen. Zu den Blöcken 5 und 6 sagte Katsumata nach einem Bericht des TV-Senders NHK, sie seien noch funktionsfähig. Ob sie später wieder Strom erzeugen könnten, solle geprüft werden. Die Entscheidung darüber hänge von Beratungen mit Experten, der Regierung und den Anwohnern ab. Experten hatten ohnehin erwartet, dass die Blöcke 1 bis 4 nicht mehr reparabel sein dürften. In ihren gab es mehrere Wasserstoffexplosionen. Es drohen nach wie vor Kernschmelzen. Sie wurden auch mit Meerwasser gekühlt, das die Funktionsfähigkeit der Reaktoren

Verstrahlte Frachter alarmieren Schifffahrtsbranche

Der Hamburger Hafen bereitet einen Notfallplan für möglicherweise atomar verstrahlte Frachter aus Asien vor. Darüber verhandle die Hafenbehörde derzeit mit Zoll und Innenbehörde, sagte ein Sprecher der „Financial Times Deutschland“. Vermutlich werde der Zoll künftig Schiffe prüfen, die direkt aus Japan kommen oder nahe an Japan vorbeigekommen sind. „Wir haben aber den Vorteil, dass die Schiffe in der Regel zuerst einen anderen europäischen Hafen anlaufen“, sagte der Sprecher.Erster Anlaufpunkt ist demnach meist Rotterdam in den Niederlanden. Die dortige Hafenbehörde verlangt laut „FTD“ von aus Asien einlaufenden Schiffen, ihre vorigen zehn Häfen aufzulisten, die sie angelaufen sind. Zudem müssten die Kapitäne schriftlich garantieren, dass ihre Frachter nicht strahlten. Danach prüfe eine Mannschaft des Hafens die Schiffe auf Radioaktivität.

Bislang ist nach Aussagen des Chefs der Schiffsprüfungsgesellschaft Germanischer Lloyd, Erik van der Noordaa, allerdings noch unklar, wie die Behörden mit strahlenden Schiffen umgehen sollten. „Das wird sehr kompliziert, es gibt noch keine Lösung“, sagte er der „FTD“. Er rechne aber damit, „dass europäische Häfen Schiffe aus Japan wegschicken“.Die Strahlung aus den Unglücksreaktoren des japanischen Kraftwerks Fukushima ist in den vergangenen Tagen vom Wind wiederholt in Richtung des offenen Meeres getragen worden. Zudem ist das Meerwasser nahe des Atomkraftwerks radioaktiv verseucht.