Isharegossip

Google und Co. zeigen Mobbing-Seite immer noch an

Isharegossip sollte bereits aus den Ergebnislisten der Suchmaschinen verschwunden sein. Doch das Verfahren verzögert sich wegen des technischen Aufwands.

Foto: google

Die Mobbing-Seite sollte eigentlich auf keiner deutschen Suchmaschinen mehr auffindbar sein. Doch Isharegossip wird, anders als vom Bundesfamilienministerium in dieser Zeitung angekündigt, immer noch in den Ergebnislisten von Google und Yahoo geführt. Lediglich mit Bing von Microsoft ist die Seite, auf der anonym gemobbt und gehetzt werden darf, inzwischen nicht mehr zu finden.

Die Vorgeschichte: Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien hat auf Antrag von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) die Internet-Plattform auf den Index gesetzt. Damit wurde die Seite in über 20 Jugendschutzfiltern eingespeist, die – sofern sie auf Computern installiert sind – automatisch blockieren.

Das hat umgehend funktioniert, aber bei den Suchmaschinen stockt die Sperrung. Das Familienministerium gibt sich zurückhaltend, eigentlich sei man keineswegs mit der Ankündigung der zügigen Sperrung vorgeprescht.

Das ändert freilich nichts an der Tatsache, dass vom Hause der Ressortchefin Kristina Schröder der gestrige Tag genannt worden war. Eine Sprecherin verwies lediglich auf die Suchmaschinenbetreiber, sie seien nun in der Pflicht. Man sei zuversichtlich, dass die Unternehmen die Notwendigkeit erkannt hätten und die Maßnahmen schnell umsetzten.

Die Bundesprüfstelle relativiert diese Aussage freilich. „Das ist eine freiwillige Maßnahme. Wir können das Verfahren leider nicht beeinflussen“, sagte Chefin Elke Monssen-Engberding. Überhaupt sei der technische Aufwand groß. Tatsächlich gibt es kein Gesetz; vielmehr hatten sich im Februar 2006 die bekanntesten deutschen Anbieter in einer freiwilligen Selbstverpflichtung bereit erklärt, von der Behörde indizierte Seiten nicht mehr anzuzeigen.

Die Unternehmen betonten damals, dass dies „einheitlich und zeitnah“ geschehe – offenbar ein dehnbarer Begriff. Noch in der vergangenen Woche hatte Monssen-Engberding der „Welt“ gesagt, dass die Anbieter in der Regel nur drei bis vier Tage benötigten, um den Neuzugang auf dem Index in ihr System einzuflechten.

Voraussetzung dafür, dass die Firmen aber überhaupt aktiv werden, ist in der Regel eine konkrete Meldung des Verein Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM), einem Zusammenschluss von Verbänden und Firmen der Online-Wirtschaft.

Yahoo ließ auf Anfrage mitteilen, dass normalerweise die zu blockierenden Seiten nur einmal im Monat von dort übermittelt werden. Im Falle Isharegossip sei dies jedoch noch nicht geschehen. Aber man werde jetzt selbst aktiv, so eine Sprecherin von Yahoo: „Wir haben veranlasst, dass die gesamte Domain geblockt wird. In ungefähr zwei Tagen dürfte die Seite nicht mehr in unseren Suchergebnissen zu finden sein.“ Bei Bing ist man da schon weiter. Allerdings verweist die Suchmaschine im Netz noch auf einen Blog der Mobbing-Seite. Dieser soll auch in Zukunft gelistet bleiben.

Pressesprecherin Miriam Kapsegger sagte dazu: „Diesen Eintrag werden wir erst entfernen, wenn wir die Aufforderung auch dazu erhalten.“ Der Branchenprimus Google hat die Information zur Indizierung auch schon Anfang dieser Woche erhalten. „Wir sind natürlich an einer schnellen Umsetzung interessiert“, sagte Stefan Keuchel, Pressesprecher von Google Deutschland.

Allerdings müssten die Daten erst in die Vereinigten Staaten übermittelt werden. Er spricht von ein „paar Tagen“, bis Isharegossip nicht mehr in der deutschen Ausgabe zu finden sein werde. Aber auch dort wird der Blog der Pöbel-Site nicht gesperrt. Überhaupt steht die Branche dem Sperren grundsätzlich skeptisch gegenüber. Deshalb werden die Unternehmen generell nur aktiv, wenn bestimmte Seiten durch die Behörden auf dem Index landen.

Unterdessen werden die Ermittlungen gegen die Betreiber der Mobbing-Siteausgeweitet. Wie Berlins Polizeipräsident Dieter Glietsch berichtete, sind allein bei der Polizei in der Hauptstadt bislang 139 Anzeigen wegen Beleidigung, Verleumdung und Störung des öffentlichen Friedens eingegangen. Obendrein gibt es zwölf Anzeigen wegen anderer Delikte im Zusammenhang mit Internetmobbing. Auch in Hessen liegen über 50 Anzeigen vor.

Berlins Polizeipräsident machte aber keine Hoffnungen, die Seite könne zügig abgeschaltet werden. „Es gibt technisch keine Möglichkeit, die Seite schnell vom Netz zu nehmen“, sagte Glietsch. Nicht einmal der Betreiber ist seinen Angaben zufolge bislang identifiziert. Nur soviel ist klar. Der Server, von dem gesendet wird, steht in Schweden. Die Behörden haben keine Handhabe, gegen ausländische Server vorzugehen. Wer also die Internet-Adresse kennt, kommt auch nach der Indizierung auf die Seite.

Das Bildungsministerium verweist auf eine weitere Problematik. Dort hält man die bloße Indizierung für „zu kurz gegriffen“, da es im Internet viele Plattformen gebe, die Raum für Cyber-Mobbing böten. Deshalb sei es wichtig, so eine Sprecherin von Annette Schavan (CDU), die Bevölkerung mehr über die Folgen von Cyber-Mobbing aufzuklären.