Protest gegen Sparkurs

Mehr als 200 Festnahmen nach Krawallen in London

Nach zunächst friedlichen Protesten gegen den Sparkurs der britischen Regierung ist es in London zu schweren Ausschreitungen gekommen. Dutzende wurden verletzt.

Foto: AP / AP/DAPD

Bei Protesten gegen die Sparpläne der britischen Regierung haben sich Randalierer in London am Wochenende heftige Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert. Hunderte vermummte Demonstranten bewarfen Polizisten mit Feuerwerkskörpern, Molotowcocktails und Farbgeschossen. Mindestens 214 Menschen wurden festgenommen, 84 wurden verletzt.

Nach Angaben der Gewerkschaften, die zu der Großkundgebung aufgerufen hatten, beteiligten sich am Samstag bis zu 300.000 Menschen an der Demonstration gegen neue Sparvorhaben der konservativen Regierung unter Premierminister David Cameron. Einige Medien sprachen von bis zu 500.000 Menschen. Es war der größte Protestmarsch in London gegen soziale Einschnitte seit mehr als zwei Jahrzehnten.

Großbritannien kämpft gegen die Folgen der Wirtschaftskrise und versucht, den Problemen mit einer Mischung aus höheren Steuern und Einsparungen zu Leibe zu rücken. Zu Jahresbeginn war die Mehrwertsteuer auf 20 Prozent erhöht und den Kommunen ein Sparprogramm auferlegt worden. Am Mittwoch hatte Schatzkanzler George Osborne den Sparkurs vorgestellt. Die Neuverschuldung soll von 146 Milliarden Pfund (166 Milliarden Euro) im laufenden Jahr auf nur noch 29 Milliarden Pfund im Jahr 2015 sinken.

Nachdem zunächst hunderttausende Menschen friedlich protestiert hatten, kam es in der Nacht zu Sonntag zu schweren Ausschreitungen. Mehrere hundert maskierte Randalierer zerstörten in der Innenstadt die Fenster von Banken und Geschäften und besetzten ein Luxus-Kaufhaus. Sie warfen Glasflaschen und Farbbeutel, schlugen Schaufenster ein, attackierten das Hotel Ritz mit Geschossen und beschmierten es mit Farbe. Etliche Demonstranten warfen Flaschen und mit Ammoniak gefüllte Glühbirnen auf Polizisten.

Aktivisten der Gruppe UK Uncut besetzten das Luxus-Kaufhaus Fortnum and Mason im Viertel Picadilly. Die Bewegung hatte bereits in den vergangenen Monaten mit Aktionen auf sich aufmerksam gemacht. Sie fordert von der Regierung, das Haushaltsdefizit durch die Bekämpfung von Steuerflucht zu reduzieren, anstatt die Staatsausgaben zu kürzen. Polizisten umstellten das Kaufhaus und beförderten die Besetzer nach draußen.

Die Polizei, die mit 4500 Beamten im Einsatz war, schätzte die Zahl der Randalierer auf etwa 500. Als die Randalierer am historischen Trafalgar Square Feuer legten, wurden sie schließlich von der Polizei gestoppt. „Es handelt sich leider um eine Gruppe von Kriminellen, die nichts mit dem Protestmarsch zu tun haben“, sagte der Scotland-Yard-Beamte Bob Broadhurst dem Sender Sky News. Nach Polizeiangaben wurden 53 Demonstranten und 31 Polizisten verletzt. Dutzende mussten zur Behandlung ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Die Organisatoren der Demonstration vom Gewerkschafts-Dachverband TUC distanzierten sich von der Gewalt. TUC-Chef Brendan Barber sagte, er bedaure die Gewalt zutiefst. „Dennoch sollten die Aktionen von ein paar hundert Leuten nicht den Blick auf die hunderttausenden Menschen versperren, die heute eine starke Botschaft an die Regierung gesendet haben“, sagte Barber. „Es war das Herz Großbritanniens, das sich ausgedrückt hat.“

Angesichts eines enormen Haushaltsdefizits hat der britische Premierminister David Cameron kürzlich ein Sparprogramm im Umfang von 80 Milliarden Pfund (91 Milliarden Euro) angekündigt. Im öffentlichen Sektor sollen rund 500.000 Stellen gestrichen, die Sozialleistungen um 18 Milliarden Pfund (20,5 Milliarden Euro) gekürzt und das Renteneintrittsalter bereits 2020 auf 66 Jahre angehoben werden. Der Dachverband der britischen Gewerkschaften erklärte, die Kürzungen gefährdeten den wirtschaftlichen Aufschwung. Er rief die Regierung auf, vielmehr Steuerschlupflöcher zu schließen und Banken mit zusätzlichen Abgaben zu belasten.

Unter den Demonstranten waren auch viele Familien mit Kindern. Begleitet von Musik und Tanz zogen die Demonstranten durch die Londoner City bevor es zu den Ausschreitungen kam. „Spaltet Großbritannien nicht“ und „Nein zu Kürzungen“ war auf Transparenten und Schildern zu lesen.