Sat.1-Film

Catterfeld als ungehorsame "Frau des Schläfers"

Der Terrorismus ist bei Sat.1 angekommen: Als "Die Frau des Schläfers" holt Yvonne Catterfeld die Angst vor dem Islam ins Wohnzimmer.

Die Sonne versinkt in aller Pracht, doch Zeit für einen sehnsuchtsvollen Blick zum glutrot schimmernden Horizont hat niemand. Regisseur Edzard Onneken treibt seine Akteure zu hektischer Eile an. Der Grund: Ein Sonnenuntergang in der marokkanischen Wüste dauert nur wenige Minuten, entscheidende Minuten für die Film-Crew. „Ich habe, glaube ich, noch nie eine Szene unter solchem Zeitdruck gedreht wie die“, sagt Schauspieler René Ifrah seufzend in Erinnerung an den Dreh.

Doch das war nicht die einzige Strapaze für ihn und seine Filmpartnerin Yvonne Catterfeld bei den Dreharbeiten zum Sat.1-Film „Die Frau des Schläfers“, der am Dienstag um 20.15 Uhr ausgestrahlt wird. Glühende Hitze und feinster Wüstenstaub, der Kehlen wie Nasen verstopfte, machten dem Team zu schaffen. Inmitten aller Wüsteneinsamkeit stand da zwar ein Riesenhotel, völlig leer, ohne andere Gäste – aber leider auch ohne jeden Komfort. Doch das passt zur Story, denn Catterfelds Protagonistin Karla verliert ebenfalls jeglichen Komfort, wird unversehens aus ihrem harmonischen Familienleben im heimeligen Hannover herausgerissen.

Hatte Catterfeld zuletzt im Film „Schatten der Gerechtigkeit“ als Polizisten Maria bereits gezeigt, dass sie nicht nur hübsch, zart und anmutig, sondern auch mal tough und cool sein kann, ist sie hier vor allem eins: gehetzt.

Ihre Call-Center-Mitarbeiterin Karla fällt aus allen Wolken, als plötzlich ihr liebevoller Ehemann samt dem gemeinsamen Sohn verschwunden ist und sie erfahren muss, dass ihr aus dem Libanon stammender Zaid ein sogenannter Schläfer ist – ein ausgebildeter Terrorist, der nach jahrelangem unauffälligem Leben inmitten der Gesellschaft für einen Anschlag aktiviert wird. Genau das scheint jetzt passiert zu sein. Karla will nur noch eines: ihren Sohn wiederhaben. Schon bricht sie zur Familie des Mannes in den Nahen Osten auf. Eine rasante wechselseitige Verfolgungsjagd beginnt.

Adolf-Grimme-Preisträger René Ifrah spielt den Mann. Nach seinem Part in Max Färberböcks „September“ und seiner Rolle in Miguel Alexandres „Grüße aus Kaschmir“ muss er nun bereits ein drittes Mal in die Terroristenszene eintauchen. Das war schon bei „September“ nicht leicht für den Sohn eines jüdischen Musikers: „Ich stehe ja von meiner Herkunft her mehr auf der anderen Seite, gehöre eher zu den möglichen Opfern als zu den Tätern“, sagt er. Und dass er auch jetzt wieder eine solche Rolle angeboten bekam, nahm er fast „als schlechten Scherz vom lieben Gott“.

Aber er musste auch diese „andere Seite“ verstehen lernen, beschäftigte sich mit dem Islam, besuchte in seiner Wahlheimat New York das erste Mal in seinem Leben eine Moschee. Sein hochpersönliches Fazit solcher Erfahrungen: „Man muss weg von voreingenommenen Meinungen und immer auch die andere Seite zu verstehen versuchen. Erst das schafft ein politisches Bewusstsein.“

Die schwierigsten Szenen waren dann auch nicht die großen Auftritte in der Wüste. Das war eher der Augenblick, wo nach der Rückkehr ins heimatliche Hannover der Terroranschlag nun doch noch stattfinden soll. Und dafür musste Ifrah in das Kostüm eines Weihnachtsmannes schlüpfen: „Unwillkürlich fragt man sich: Wirkt das nicht eher komisch als gefährlich?“

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