Schauspieler

Derrick-Darsteller Horst Tappert ist tot

Als Kriminaloberinspektor in der Serie "Derrick" wurde er weltberühmt. Wie die „Bunte" unter Berufung auf seine Frau berichtet, starb Horst Tappert am Samstag im Alter von 85 Jahren. Laut Ursula Tappert hatte sich der gesundheitliche Zustand ihres Mannes in den vergangenen Tagen „zusehends" verschlimmert.

„Bis vor kurzem ging es meinem Mann noch gut, er war voller Zuversicht. Doch in den letzten Tagen verschlimmerte sich sein Zustand zusehends. Näheres zu seinem Krankheitsverlauf möchte ich nicht sagen", erklärte Ursula Tappert. Tappert moche in den vergangenen Monaten das Haus nicht mehr verlassen. Er war an Diabetes erkrankt, zweimal täglich kam der ambulante Pflegedienst. "Es ist traurig, aber jetzt hat er seine Ruhe. Mein Mann hatte ein erfülltes Leben“, sagte seine Frau der "Bunten" . Am Samstag starb Tappert in einer Münchner Klinik.

Im Mai hatte er seinen 85. Geburtstag gefeiert, doch Interviews gab er deshalb nicht. Lediglich ein alter Bekannter bekam eine Audienz am Telefon. Es war Paul Sahner, Klatschreporter bei der „Bunten“. Besonders ergiebig war das Interview allerdings nicht. „Ich lebe sehr zurückgezogen", sagte Tappert. "Mag sein, dass ich mich seltsam anstelle, aber ich schätze die Ruhe mit meiner Frau. Kontakt mit alten Kollegen pflege ich auch nicht mehr, die meisten sind ohnehin schon tot. Ich will noch einige Zeit da sein.“

Tappert war bereits ein bekannter Schauspieler gewesen, als er 1974 die Rolle des Stephan Derrick übernahm. Vom 20. Oktober 1974 löste er über 20 Jahre lang als Münchner Oberinspektor mit seinem Kollegen Harry Klein (Fritz Wepper) insgesamt 281 Fälle. Dass die Krimiserie auch im Ausland ein großer Erfolg wurde und in mehr als 100 Ländern ausgestrahlt wurde, wird zu einem großen Teil der sympathisch-geradlinigen, väterlichen Ausstrahlung des Titelhelden zugeschrieben. Tappert erhielt 1988 das Bundesverdienstkreuz mit der Begründung, als „Derrick“-Darsteller habe er zum Ansehen der Bundesrepublik in der Welt beigetragen. Zum Leidwesen seiner internationalen Fans erklärte Tappert Ende 1997 nach dem Drehschluss zur 281. Folge seinen endgültigen Abschied aus dem TV-Polizeidienst. Zu seinem 85. Geburtstag hatte er der "Bunten" erzählt: „25 Jahre Derrick haben mich krimisatt gemacht.“

Vom Posträuber zum Inspektor

Tappert war über etliche Umwege zur Schauspielerei gekommen. Nach der Hauptschule und einer kaufmännischen Lehre für Im- und Export wurde er eingezogen und geriet am Ende des Zweiten Weltkrieges in Kriegsgefangenschaft. Beim Theater in Stendal, wo er sich nach Kriegsende als Buchhalter bewarb, war er zunächst als Aushilfsarbeiter tätig. Dort wurde er ohne Schauspielausbildung auf die Bühne geholt und debütierte in der Spielzeit 1945 als Dr. Striebel in Helwigs "Die Flitterwochen". Auf der Bühne überzeugte er derart, dass er als Theaterschauspieler Karriere machte.

Seine erste Fernsehrolle hatte er 1956 bekommen – damit gehörte er zu den TV-Darstellern der ersten Stunde. Erste Popularität errang er 1966 als englischer Chef-Posträuber in dem TV-Dreiteiler „Die Gentlemen bitten zur Kasse“. Später war er auch in zahlreichen Kinofilmen zu sehen wie "Die Trapp-Familie in Amerika" (1958), oder "Und Jimmy ging zum Regenbogen" (1970, nach einem Roman von Johannes Mario Simmel).

Tappert war seit 1957 in dritter Ehe mit seiner Kollegin Ursula Pistor verheiratet. Aus seinen ersten beiden Ehen hatte er drei Kinder, die Tochter Karin und die Söhne Ralph und Gary. Letzterer verstarb 2001 an plötzlichem Organversagen.

Das ZDF wird am heutigen Abend nach dem Spielfilm "Con Air" einen zehnminütigen Nachruf auf den beliebten TV-Kommissar senden. Am Samstag ist eine lange "Derrick-Nacht" geplannt.