Dreister Betrug

17-Jähriger muss für falsche GEZ-Mahnungen in Haft

Ein Jugendlicher wollte ohne viel Aufwand das große Geld machen. Doch der Trick mit hunderten gefälschten GEZ-Mahnschreiben flog auf. Nun soll der Cottbuser ins Gefängnis.

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Ein 17-jähriger wollte mit gefälschten GEZ-Mahnschreiben bundesweit zehntausende Euro Rundfunkgebühren erschwindeln. Doch die meisten Betroffenen wehrten sich, und der Fall landete bei der Justiz. Das Amtsgericht Cottbus verurteilte den Angeklagten zu dreieinhalb Jahren Jugendhaft. Es hielt ihn nach Angaben eines Sprechers schuldig wegen 223 Betrugsdelikten sowie Urkundenfälschung und Fahrens ohne Fahrerlaubnis.

Gegen den jungen Cottbuser, der wegen Fluchtgefahr seit vergangenem Mai in Untersuchungshaft sitzt, wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt. Dieser Prozes gilt wegen der hohen Kosten als einer der teuersten am Amtsgericht Cottbus.

Der Angeklagte hatte den Angaben des Gerichts zufolge versucht, von mehr als 200 Bürgern vor allem im schwäbischen Raum mit gefälschten Schreiben der Gebühreneinzugszentrale (GEZ) die Zahlung von etwa 80.000 Euro zu ergaunern. Bis der Fall aufflog, hatten nur drei Angeschriebene gezahlt, und zwar rund 350 Euro.

„Bei der Festlegung des Strafmaßes hat das Jugendschöffengericht vor allem die fehlende Reue des Angeklagten und seine enorme planerische Energie berücksichtigt“, sagte der Direktor des Amtsgerichts, Wolfgang Rupieper. Zudem habe es dem jungen Mann die extreme Zahl von 203 Betrugsversuchen in Rechnung gestellt.

Mit dem Schuldspruch blieb das Gericht deutlich unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die vier Jahre Jugendhaft gefordert hatte. Die Verteidigung plädierte auf eine Jugendstrafe von zwei Jahren zur Bewährung. Weil der 17-Jährige in dem dreimonatigen Prozess zu den Betrugsvorwürfen beharrlich schwieg, mussten etwa 230 Zeugen vor allem aus Süddeutschland nach Cottbus kommen und vor Gericht aussagen.

Ärgerlich waren demnach viele Betroffene, die auf die gefälschten Schreiben mit echt wirkendem GEZ-Briefkopf nicht hereingefallen waren. Auch sie mussten – wie es gesetzlich vorgeschrieben ist – extra den weiten Weg nach Cottbus antreten. Dort konnten sie vor Gericht nur aussagen, dass sie die falschen GEZ-Briefe bekommen hatten und wie sie reagierten, dann durften sie wieder nach Hause fahren. Viele von ihnen hatten Anzeige bei der Polizei erstattet, andere beschwerten sich direkt bei der GEZ-Zentrale in Köln.

Die Hin- und Rückreise dieser Zeugen war bis zu 1400 Kilometer lang. Dadurch entstanden laut Urteil für Hin- und Rückfahrt, Übernachtungen und die Erstattung von Verdienstausfall Kosten von mindestens 30.000 Euro. Das Gericht ordnete an, dass der Angeklagte diese Prozesskosten zu zahlen hat.