König von Schweden

Carl Gustaf – Ist Sex schlimmer als eine Elchjagd?

Der König von Schweden ist fremdgegangen. Vor Jahren. Jetzt regen sich plötzlich alle auf. Warum eigentlich? Es gibt Schlimmeres.

Wir nehmen mal an, Sie wissen Bescheid? Denn eigentlich gab es kein Entkommen vor dieser Nachricht in den vergangenen Tagen: Carl Gustaf von Schweden ist FREMDGEGANGEN. Mit einer im Land der Elche populären Sängerin. Und mit Huren. Das liegt lange zurück, wurde aber erst jetzt in einem „Enthüllungsbuch“ mit dem in diesem Zusammenhang interessanten Titel „Der widerwillige Monarch“ veröffentlicht.

Generell lesen die Schweden nicht gern Schlechtes über ihre Königsfamilie, doch das Buch ist schon ausverkauft. Und die Wellen schlagen höher, als man üblicherweise bei solchen unappetitlichen Geschichten erwarten würde, denn es geht nicht nur um Sex mit den falschen Frauen, sondern auch um den falschen Ort. Nämlich einem Etablissement, das der Mafia-Szene zugerechnet wird und einem zwielichtigen Typen gehört. Mille Markovic, genannt „Torpedo“ und offenbar rechte Hand eines kriminellen Pornokönigs. Herr Markovic wurde Mitte der 90er Jahre zu einer Haftstrafe verurteilt, weil er Schauspieler mit Videos erpresst hatte, die sie in seinem Club beim Sex und Kokainkonsum zeigte. Im Buch – das ursprünglich am Tag der Hochzeit von Kronprinzessin Victoria erscheinen sollte – tritt der Nachtclub-Betreiber als eine Art Kronzeuge gegen Carl Gustaf auf und dröhnte in der vergangenen Woche, er habe auch kompromittierendes Material gegen den König.

Genau jene Drohung ist der Punkt, der die Schweden tatsächlich umtreibt und von den Gegnern der Monarchie als scharfe Munition verwendet wird. Stand der „Club Power“ unter besonderem Schutz, weil der König Anfang der 80er Jahre dort ein paar bunte Herrenabende verbrachte? Dagegen spricht die Verurteilung von Markovic einige Zeit später.

Man könnte also das Schloss im Dorf lassen. Aber das Thema hat eben voyeuristischen Sexappeal. Und problematisch ist, dass der Erwerb von Sex in Schweden strafbar ist, selbst wenn er nur in kleinen Mengen zum privaten Konsum gedacht ist. Der König aber steht über dem Gesetz. Man kann ihn nicht verklagen und nicht entfernen. Die Schweden könnten sich generell von ihrer Staatsform verabschieden, was im Jubiläumsjahr „200 Jahre Bernadottes“, eher unwahrscheinlich scheint und ansonsten kann Carl Gustaf nur abdanken. Für Nachfolge ist mit seiner beliebten Tochter Victoria und ihrem gerade so geschätzten Gatten gesorgt.

Es gibt allerdings keine Anzeichen dafür, dass Carl Gustaf diesen Schritt machen wird. Denn zu seinen vornehmsten Aufgaben gehört es, die Monarchie zu beschützen. Diese Verantwortung nimmt er sehr ernst, hat Zeit seines Lebens alle Schwächen überspielt, um der Anforderung gerecht zu werden. Eine Schwäche ist auch die Männer-Clique, die Freunde schon aus Kindertagen, die es gern mal großspurig krachen lassen, ohne Rücksicht darauf, ob es vielleicht dem Einen in ihrem Kreis schaden könnte. Immer schon waren die Männer der Königin ein Dorn im Auge, weil sie ja stets das große Ganze im Blick hat, viel stärker auch ist als der Gatte, aber Carl Gustaf ist ein treuer Freund. Einer der immer Wort hält. Einer, auf den man sich verlassen kann. Auch die Königin.

Wie sähe die Sache denn aus, wenn wir die beteiligten Damen Mätressen nennen würden? Früher hießen so die Frauen, mit denen der Monarch außerehelichen Spaß hatte, was niemand wirklich schlimm fand und auch die Würde der Königin nicht berührte, es sei denn die Liebe zur Mätresse und damit sie selbst wurde zu mächtig, was dann auch schon mal zu Verdammung oder Mord der eigentlich Angetrauten führte. Aber von so etwas sind wir heute weit entfernt und Carl Gustaf sowieso. Dafür auf der anderen Seite immer dichter dran. Mit Fotos und heimlichen Überwachungskameras.

Also, der König ist fremdgegangen. Vor Jahren. Er hat es auch indirekt zugegeben. Und mit seiner Frau darüber gesprochen. Wie er vergangene Woche treuherzig am Rande einer Elchjagd einer Horde von Journalisten erzählte. Wer ihn dabei beraten hat, fragt man sich allerdings. Und wieso ist die Sache mit dem Sex eigentlich schlimmer als die Jagd auf Elche? Ist das nicht normalerweise das Aufreger-Thema? Im Naturstaat Schweden aber womöglich nicht. Dort ist es ein offizieller Royaltermin. Schöne Grüße an die Tradition.

Und da sind wir mitten im Problem. Carl XVI. Gustaf ist eine künstliche Figur. Natürlich aus Fleisch und Blut und das eben manchmal in Wallung, aber vor allem eben Hologramm. Eine Projektion von Wünschen und Träumen, in Farbe ans Schwedenfirmament geworfen, aber ein Bild ohne Grauschattierungen, bitte. Das ist die Aufgabe eines Königs heutzutage. Ein schönes Bild abgeben, Identifikation stiften.

Doch auch Monarchen wohnen im 21. Jahrhundert nicht mehr im Himmel. Die Bernadottes eh nicht. Sie ganz besonders haben eine großes Netzwerk über die Welt gespannt, mit dem sie benachteiligten Jugendlichen Hoffnungen geben. Silvia ist da vorbildlich, die Töchter sind längst in ihren Fußstapfen unterwegs.

Doch auch Carl Gustaf ist alles andere als weltfremd. Pfadfinder ist er seit Kindertagen, weil er als Junge, der früh den Vater verlor, sich in der Gemeinschaft wohlfühlte, zumal es darin nicht nur um Werte und Verlässlichkeit ging, sondern auch um Naturverbundenheit. Er ist Ehrenvorsitzender der internationalen Baden Powell Pfadfinder Organisation, hat in über 30 Jahren mehr als hundert Millionen Dollar für junge Menschen gesammelt, hat Förderprogramme in den ehemaligen GUS-Staaten gestartet, Aidsprogramme in Afrika, Straßenkinder-Projekte an den Brennpunkten in Südamerika und Asien. „Es ist unsere Verpflichtung, eine bessere Welt für die jungen Leute zu schaffen“, lautet sein konsequent gelebtes Mantra.

Er ist Legastheniker, kann Reden nicht ablesen, was manchmal eine gewisse Unbeholfenheit erklärt, doch er stellt sich der Situation und kann in freier Rede durchaus mitreißend sein. Überhaupt ist er charmant. Bei einem halb-privaten Essen in Paris kam es zu folgender Szene: Links und rechts von ihm saßen die Gastgeberin und eine andere Dame. Das Protokoll sieht vor, dass niemand aufstehen darf, solange der König sitzt. Doch irgendwann konnten die Frauen es nicht mehr aushalten, mussten ins Bad, standen tatsächlich auf. Eine peinliche Situation. Der König guckte links, guckte rechts, lächelte und sagte in die Runde: „Gentleman, die Damen sind fort. Es ist Zeit, einen Witz zu erzählen.“ Was er auch tat. Und die Situation mit großem Gelächter rettete.

Auch Königin Silvia ist cool genug, sie braucht unser Mitleid nicht. So schwach ist sie nicht. Die Eskapaden ihres Mannes nerven sie wahrscheinlich mehr, als dass sie sie verletzen. Vor nicht langer Zeit erhob sich der König bei einer Gala in Göteborg und erklärte berührend inbrünstig: „Wenn ich eines gelernt habe, dann, dass hinter einem starken Mann eine starke Frau stehen muss. Und das gilt auch für einen König.“

Wenn sich Prinzessin Madeleine entlobt, weil ihr Herzensmann schon vor dem Ja-Wort fremdelt, dann ist das verständlich. Und aus aktueller Sicht ist die Vorstellung komisch, das ihr Vater dazu geraten hat, wahrscheinlich so etwas gesagt hat wie: „Meine Kleine, beende es. Männer die fremdgehen, sind der Krone nicht würdig.“ Oh? Gutgemeint hat er es in jedem Fall. Denn die Schwedens sind tatsächlich warmherzige, persönliche Leute. Der Gefrierbrand, den man beim spanischen Hof vermuten darf, droht bei den Bernadottes nicht. Das Schloss in Stockholm hat auch endlos lange Gänge, Disziplin ist kein Fremdwort, aber es herrscht eine gewisse Heiterkeit, das nordische Licht ist klar, nicht kalt. Das Arbeitszimmer der Königin ist gemütlich, die Wände – auch die der Vorzimmer – sind sonnig gestrichen, auf dem Biedermeier-Sofa liegt ein Kissen mit der Stickschrift: „It is not easy beeing Queen“. Carl Gustaf hat auch so eines.