Prozess

Ausbrecherkönig Thomas Wolf schwer bewacht vor Gericht

Jahrelang versteckte er sich vor der Polizei, nun muss sich Thomas Wolf vor Gericht verantworten. Dem 58-Jährigen gelang schon mehrfach die Flucht.

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Der 58jährige ist wegen räuberischer Erpressung angeklagt. 2009 hatte er eine Bankiersfrau entführt.

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Mit juristischem Geplänkel und unter starken Sicherheitsvorkehrungen hat in Wiesbaden der Prozess gegen den Schwerverbrecher Thomas Wolf begonnen. Der 58-Jährige ist wegen Entführung und Bankraubs in mehreren Fällen angeklagt. Er soll unter anderem vor zwei Jahren in Wiesbaden die Ehefrau eines leitenden Bankangestellten entführt und rund 1,8 Millionen Euro erpresst haben.

Die heute 44-Jährige ist Nebenklägerin in dem Prozess vor dem Landgericht Wiesbaden. Wolf, dem bereits mehrfach die Flucht vor der Justiz gelungen ist, wird im Gerichtssaal streng bewacht.

Zum Auftakt am Dienstag kritisierte Wolfs Verteidiger Joachim Bremer die Sitzordnung im Saal und die scharfen Sicherheitsvorkehrungen. Wolf muss hinter seinem Anwalt sitzen, flankiert von Polizisten in Zivil und Justizbeamten.

Das mache eine direkte und ungestörte Kommunikation mit seinem Mandanten unmöglich, sagte Bremer. Der Vorsitzende Richter Jürgen Bonk folge „irgendwelchen Latrinenparolen“ aus dem Untersuchungsgefängnis, wonach Wolf eine Geiselnahme im Gericht angekündigt habe. Dies sei angesichts des schlechten Gesundheitszustandes seines an Borreliose leidenden Mandanten absurd, sagte Bremer.

Bonk lehnte den Antrag des Verteidigers, direkt neben Wolf sitzen zu wollen, zunächst ab. Es liege eine „aktenkundige Fluchtgefahr“ vor. Die Verteidigung stellte daraufhin einen Befangenheitsantrag, der Prozess wurde bis zum Mittag unterbrochen. Der mehrfach vorbestrafte Wolf kehrte zuletzt im Jahr 2000 nicht von einem Hafturlaub in Nordrhein-Westfalen zurück. Schon zuvor hatte er sich Haftstrafen entzogen.

Wolf leidet nach Angaben seines Verteidigers unter schweren Nebenwirkungen der Borreliose, die ein Zeckenstich ausgelöst hat. Er ist deshalb nur wenige Stunden täglich verhandlungsfähig. Der 58- Jährige folgte dem Verfahren mit meist geschlossenen Augen und machte einen erschöpften Eindruck. Ob noch am Dienstag die Anklageschrift verlesen werden konnte, war zunächst unklar.

Der Vertreter der Nebenklage, Marcus Traut, kritisierte den schleppenden Prozessbeginn am Rande der Verhandlung. Seine Mandantin, die am Tag der Entführung vor zwei Jahren knapp zwölf Stunden in der Hand Wolfs gewesen sei, habe lange auf den Beginn des Verfahrens gewartet. Für sie sei es wichtig, dass es nun beginne. Wolf sei verhandlungsfähig und bis heute „ein gefährlicher Mann“, sagte der Anwalt.