Prozess in Regensburg

Lebenslange Haft für Mord bei Autoverkauf gefordert

Mit 13 Schüssen soll ein Mann einen Münchner Manager erschossen haben. Der hoch verschuldete Mann wollte an das teure Autos des Opfers kommen.

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Im Münchner Prozess um den Mord an einem Autoverkäufer hat die Staatsanwaltschaft lebenslange Haft für den Angeklagten gefordert. Der 41-Jährige hat nach Überzeugung von Staatsanwältin Nicole Selzam am 14. Januar 2010 in seiner Garage das Opfer mit 13 Schüssen aus einer Kleinkaliberpistole getötet.

Eine „so erdrückende Beweislage“ habe sie in einem Indizienprozess „noch nie beobachtet“, sagte Selzam. Die Verteidigung beantragte Freispruch mangels ausreichender Tataufklärung.

Der Staatsanwältin zufolge hat der Angeklagte das Verbrechen an dem 36-jährigen Familienvater und Investmentmanager heimtückisch und aus Habgier verübt – er habe so an das teure Auto des Angeklagten kommen wollen. Angesichts der mehr als einjährigen Tatplanung und der Zahl der abgefeuerten Schüsse sei eine besondere Schwere der Schuld festzustellen, sagte Selzam. Sie charakterisierte den Angeklagten als extrem egozentrisch und gefühlskalt.

Der zuletzt als Objektmanager bei einem Bauunternehmen tätige Angeklagte war hoch verschuldet und konnte sich laut Staatsanwältin selbst durch Betrügereien kaum über Wasser halten. Schon 2008 habe er den Plan gefasst, sich ein hochwertiges Fahrzeug durch Erschießen des Besitzers anzueignen. Darüber hat er mit seiner damaligen Frau gesprochen, wie diese vor Gericht aussagte. Die Zeugin hatte vor der Bluttat an dem Manager die Polizei vergeblich auf die Schusswaffen im Besitz ihres Mannes hingewiesen.

Dieser lernte sein Zufallsopfer durch dessen Verkaufsangebot im Internet kennen und gewann das Vertrauen des 36-Jährigen. Am Morgen des Tattags lockte er den Manager in seine Garage und zwang ihn, sich selbst Handschellen anzulegen. Das Opfer habe „vergeblich gehofft, dass es der Angeklagte bei der Fesselung belassen würde“, sagte Selzam. Doch der Angeklagte erschoss den 36-Jährigen und legte ihn, in Leichensäcke verpackt, vor seiner Wohnung in seinen VW- Transporter.

Dort fand sich später auch die Aktentasche des Toten mit dem genetischen Fingerabdruck des Angeklagten. Dessen DNA und die des Erschossenen hafteten den Handschellen an, die der 41-Jährige in eine Mülltonne beim Haus geworfen hatte. Patronenhülsen wurden ebenso wie der Geldbeutel des Opfers in der Garage entdeckt. Der Angeklagte hatte zum Prozessauftakt lediglich gesagt: „Ich bin unschuldig“. Seither schwieg er.

Die Witwe des Getöteten hat dem 41-Jährigen als Nebenklägerin an jedem Verhandlungstag gegenüber gesessen. Für sie sei „bis heute unverständlich, was geschehen ist“, sagte ihre Anwältin Gabriele Schöch. Viele Fragen seien offen geblieben, die Nebenklägerin habe die Gewalttat bis heute nicht verarbeiten können.

Auf unbeantwortete Fragen und Widersprüche in der zeitlichen Abfolge am Tattag stützte die Verteidigung ihren Antrag auf Freispruch. So sei der Angeklagte gegen Mittag an seinem Arbeitsplatz gewesen und habe seinen Computer hochgefahren. Zur selben Zeit sei das angeblich von ihm mitgenommene Handy des Getöteten am Hauptbahnhof geortet worden.

Er sei jedenfalls nicht Alleintäter, folgerte Anwalt Christian Finke, die tödlichen Schüsse könnten in einem sogenannten „Mittäter-Exzess“ ohne Wissen und Wollen des Angeklagten gefallen sein. Der Angeklagte verzichtete auf ein Schlusswort.