Attentat in Istanbul

Polizei fasst Verdächtigen nach Schüssen auf Sänger

Nach dem Mordanschlag auf den türkischen Star Ibrahim Tatlises ist ein Verdächtiger festgenommen worden. Dieser soll schon zweimal versucht haben, den Sänger zu töten.

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Wenige Tage nach dem Mordanschlag auf den auch bei Türken in Deutschland populären Sänger Ibrahim Tatlises hat die Polizei in Istanbul den Hauptverdächtigen gefasst. Abdullah U. sei gemeinsam mit rund 20 weiteren Personen bei Polizei-Razzien an mehr als 30 verschiedenen Orten festgenommen worden, meldeten türkische Zeitungen. Das Tatmotiv könnte demnach ein lange zurückliegender Streit sein. Der Anwalt von Abdullah U. wies die Vorwürfe allerdings zurück.

Tatlises hatte bei dem Anschlag einen Kopfdurchschuss erlitten und liegt im Krankenhaus; nach Angaben seiner Ärzte hat sich sein Zustand stabilisiert. Er soll inzwischen sogar wieder gesprochen haben: „Es geht mir gut“, sagte er laut Presseberichten. Die Polizei fand den Berichten zufolge bei der Lebensgefährtin von U. die Tatwaffe, ein Schnellfeuergewehr der Marke Kalaschnikow. Auch das Fluchtfahrzeug sei gefunden worden.

Offenbar eine Rachetat

U. war nach Presseberichten in den 1990er Jahren Mitarbeiter eines früheren Managers von Tatlises. Nachdem sich der Künstler von dem Manager getrennt hatte, wurde das Büro des Managers 1998 überfallen; dabei wurde U. verletzt. U. machte den Berichten zufolge Tatlises für die Gewalttat verantwortlich und schwor Rache. Er soll bereits zweimal versucht haben, Tatlises zu töten. U.s Anwalt Ekrem Demirel sagte dazu, es sei angesichts der Vorgeschichte zwar normal, dass die Polizei seinen Mandanten verdächtige. U. habe ihm vor seiner Festnahme aber versichert, er habe nichts mit dem Anschlag zu tun.

In einigen türkischen Zeitungen wurde über eine Verwicklung der verbotenen Rebellengruppe Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) in den Anschlag auf den kurdisch-türkischen Sänger spekuliert. Die PKK habe versucht, Schutzgeld von Tatlises zu erpressen. Die PKK selbst verurteilte die Gewalttat zwar, doch soll sich eine PKK-Splittergruppe, die Freiheitsfalken Kurdistans (TAK), zu dem Anschlag bekannt haben. Die Glaubwürdigkeit der TAK-Erklärungen ist jedoch sehr umstritten.