Minutenprotokoll

Grenzwerte für radioaktive Strahlung erneut überschritten

Rund um das beschädigte Atomkraftwerk Fukushima 1 wird eine erhöhte Stahlung gemessen. Ein Nachbeben erschüttert Tokio.

3.21 Uhr: Die japanischen Streitkräfte geben Tsunami-Alarm für die Nordostküste. Die Bevölkerung wird aufgefordert, sich an höher gelegene Orte zu begeben. Von dem beschädigten Reaktor im Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi steigt unterdessen grauer Rauch auf.

3.04 Uhr: An der Küste Japans sind nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo etwa 1000 Leichen entdeckt worden. Die Toten seien bei der Halbinsel Ojika in der Präfektur Miyagi im Nordosten Japans gefunden worden. Bisher haben die Behörden mit Stand vom Sonntagabend deutscher Zeit 1597 Opfer identifiziert

2.11 Uhr: Ein Nachbeben der Stärke 6,2 erschüttert die japanische Hauptstadt Tokio. Das berichtet der Sender NHK. Über Schäden in Tokio und bei den schon angeschlagenen Atomkraftwerken in Fukushima ist zunächst nichts bekannt.

1.42 Uhr: Die Situation in dem japanischen Katastrophen-Atomkraftwerk Fukushima bleibt nach den Worten von Ministerpräsident Naoto Kan besorgniserregend. Man tue alles, um Schäden zu verhindern.

1.26 Uhr: Nach dem Erdbeben in Japan wird die Versorgungssituation in einigen Regionen immer ernster: Zettel mit der Aufschrift „ausverkauft“ hängen an vielen Tankstellen in der Präfektur Ibaraki, die südlich von Fukushima und der Erdbebenregion liegt. An den wenigen noch offenen Tankstellen bilden sich lange Schlangen.

0.43 Uhr: Der japanische Stromversorger Tepco verschiebt die geplante Drosselung seiner Energieversorgung. Ursprünglich habe der Konzern vorgehabt, mit der beispiellosen Rationierungsaktion für das Gebiet rund um die Millionenstadt Tokio am Montagmorgen (Ortszeit) zu beginnen. Nun solle die Stromversorgung erst einige Stunden später am Vormittag oder Mittag heruntergefahren werden. Die Verschiebung sei möglich geworden, weil sich ein geringerer Verbrauch abzeichne, berichtet Kyodo weiter.

0.27 Uhr: Die Botschaften mehrerer europäischer Staaten in Japan legen ihren Bürgern wegen drohender Nachbeben und eines möglichen GAU im beschädigten Kernkraftwerk Fukushima die Ausreise nahe. Die Deutschen im Krisengebiet und im Großraum Tokio/Yokohama werden aufgefordert zu prüfen, „ob ihre Anwesenheit in Japan derzeit erforderlich ist, und, wenn dies nicht der Fall sein sollte, ihre Ausreise aus dem Land in Erwägung zu ziehen“.

23.53 Uhr: Die erlaubten Grenzwerte für radioaktive Strahlung sind nach Angaben der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo am frühen Montagmorgen (Ortszeit) im beschädigten Kernkraftwerk Fukushima erneut überschritten worden. Schon am Sonntag waren in dem japanischen Atomkraftwerk Spitzenwerte von mehr als 1200 Mikrosievert statt den erlaubten 500 Mikrosievert gemessen worden.

23.42 Uhr: Vor der japanischen Küste ist der US-Flugzeugträger USS Ronald Reagan eingetroffen. Das Weiße Haus teilt mit, ein weiterer Flugzeugträger sei auf dem Weg. Die USA haben außerdem ein Team von Nuklearexperten und 144 US-Rettungskräfte mit Suchhunden in die Krisenregion entsandt.

22.47 Uhr: Laut Experten ist im Atomkraftwerk Onagawa, für das der nukleare Notfall ausgerufen worden war, keine Radioaktivität ausgetreten. Die in der Gegend gemessene erhöhte Radioaktivität könnte laut japanischer Behörden vom havarierten Atomkraftwerk Fukushima stammen. Inzwischen seien die Werte rund um das Werk Onagawa wieder auf normalem Niveau.

21.22 Uhr: Die Behörden in Japan bestätigen mehr als 1800 Tote. Mehr als 1400 Menschen werden noch vermisst, etwa 1900 sind verletzt. Die Behörden rechnen allerdings allein in der Region um die Stadt Miyagi mit mehr als 10.000 Toten.

21.21 Uhr: Die japanische Regierung hat die Zahl der Soldaten für den Rettungseinsatz von 50.000 auf 100.000 verdoppelt, auch viele ausländische Helfer haben die Arbeit aufgenommen. Viele Landstriche sind jedoch noch immer unzugänglich.

20.46 Uhr: Nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo mussten in den japanischen Katastrophenregionen bisher etwa 530.000 Menschen ihre Wohnungen und Häuser verlassen. Etwa 450.000 seien durch das Beben und den Tsunami obdachlos geworden.

19:15 Uhr: Die Zahl der Opfer steigt und steigt. Die Behörden identifizierten bis zum frühen Montagmorgen (Ortszeit) 1597 Opfer, 1481 gelten nach Angaben der nationalen Polizeiagentur offiziell noch als vermisst. Nicht in diese Zahlen eingeschlossen sind 200 bis 300 Opfer, die an der Küste der Präfektur Miyagi gefunden wurden.

18.17 Uhr: Auch die Kalifornier bekommen die Folgen das japanischen Erdbebens zu spüren: Der vom Beben ausgelöste Tsunami kostet die Amerikaner mindestens 50 Millionen Dollar (rund 36 Millionen Euro). Dabei handele es sich aber lediglich um eine Prognose, sagte Geologie-Professorin Lori Dengler von der kalifornischen Humboldt State University der „Los Angeles Times“. „Das wird noch steigen“, sagte sie.

17.11 Uhr: Die japanische Nachrichtenagentur Kyodo meldet, dass in einem dritten Atomkraftwerk das Kühlsystem ausgefallen ist. Betroffen sei die Atomanlage Tokai, die an der Ostküste südlich von Fukushima liegt.

17.03 Uhr: Reaktor 2 des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi wird mit funktionierendem Notsystem gekühlt, während in die Reaktoren 1 und 3 Meerwasser eingeleitet wird. Das teilt die japanische Atomaufsichtsbehörde mit. Bei den gleichfalls von Ausfällen des Kühlsystems betroffenen Reaktoren 1, 2 und 4 des Kernkraftwerks Fukushima Daini seien die Vorbereitungen zum Ablassen von Dampf abgeschlossen. In den Reaktoren war der Druck angestiegen, durch das Ablassen des radioaktiv verseuchten Wasserdampfes kann ein Schaden am Reaktordruckbehälter vermieden werden.

16:25 Uhr: Das hoch verschuldete Japan will den Wiederaufbau nach dem verheerenden Erdbeben im Nordosten des Landes ohne Steuererhöhungen stemmen. Das sagt Premierminister Naoto Kan.

16.22 Uhr: Nach dem schweren Erdbeben in Japan ist ein Vulkan im Süden des Landes wieder aktiv. Der 1421 Meter hohe Shinmoedake stoße Gestein, Asche und Gas aus, meldet der japanische Wetterdienst. Zuvor war der Vulkan mehrere Wochen nicht aktiv gewesen. Der Shinmoedake liegt auf der Insel Kyushu rund 1500 Kilometer vom Epizentrum des Erdbebens entfernt.

16.05 Uhr: Wegen des Ausfalls zahlreicher Kraftwerke kündigt der Energieversorger Tepco ab Montag Stromabschaltungen im Osten Japans an. Tepco habe von der Regierung die Erlaubnis erhalten, ganze Regionen einschließlich des Großraums um die Hauptstadt Tokio vom Stromnetz zu nehmen, teilt das Unternehmen mit. Geplant sei, in fünf Zonen des Versorgungsgebiets von Tepco die Stromversorgung nacheinander jeweils für drei Stunden abzuschalten. Die Blackouts sollen dabei tagsüber in der Zeit zwischen zehn Uhr vormittags und 18.00 Uhr erfolgen. Weitere Unterbrechungen seien bis mindestens bis Ende April nötig.

15.55 Uhr: Außenminister Guido Westerwelle tritt vor die Presse und spricht über die Deutschen in Japan. Noch sei unklar, ob auch Deutsche bei dem schweren Erdbeben zu Schaden gekommen seien. Es gebe derzeit noch keinen Kontakt zu etwa der Hälfte der rund 100 Deutschen aus der betroffenen Region.

14.55 Uhr Die Nachrichtenagentur AFP meldet, japanische Behörden hätten den nuklearen Notstand in einem weiteren Atomkraftwerk ausgerufen. Für das Kraftwerk Onagawa sei wegen überhöhter Werte von Radioaktivität die niedrigste Notstandsstufe erklärt worden, habe die Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) mitgeteilt. Der betroffene Meiler hatte unmittelbar nach dem Beben gebrannt, das Feuer im Turbinenhaus konnte gelöscht werden.

14.22 Uhr: Ein Sprecher des Kraftwerkeherstellers Areva NP GmbH sagt, zehn deutsche Mitarbeiter eines Kernkraftwerksherstellers seien während des Erdbebens auf dem Gelände des Atomkraftwerks Fukushima in Japan gewesen. „Wir hatten Kontakt mit den Mitarbeitern. Sie sind alle wohlauf und gesund."

14.10 Uhr: Das Wetter scheint auch zu Beginn der neuen Woche auf der Seite Japans zu stehen: Wie der Deutsche Wetterdienst mitteilte, zieht der Wind weiterhin aufs offene Meer hinaus und treibt die radioaktiv verseuchte Luft weg von den Menschen. „Es gibt allerdings ein Problem in Form von aufziehenden Tiefdruckgebieten“, warnt Meteorologe Christoph Hartmann. „Dadurch könne der Wind vorübergehend drehen, auch in Richtung Tokio.“