Atomkraftwerk Fukushima

Neue Explosionen schüren Angst vor Super-GAU

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Erneute Explosion an AKW in Japan

Am Unglücks-Kernkraftwerk Fukushima hat es eine erneute Explosion gegeben, elf Menschen wurden dabei verletzt. Radioaktive Belastung laut Regierung nicht gestiegen.

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Die Lage im japanischen Atomkraftwerk Fukushima spitzt sich zu: Zwei Tage nach der ersten erschütterte nun ein zweite Wasserstoffexplosion die Anlage und zerstörte das Gebäude um Reaktor 3. Forscher fürchten schlimmere Folgen als in Tschernobyl.

Die Ereignisse in Japan überschlagen sich. Auch im Reaktor 2 des beschädigten Atomkraftwerks Fukushima Eins sank das Kühlwasser zwischenzeitlich ab – nach Angaben der Betreiberfirma Tepco vom Montag wurde mit der Einleitung von Meerwasser eine Überhitzung zunächst verhindert. Nach einem heftigen Nachbeben und einer neuen Tsunami-Warnung war das Unglücks-Atomkraftwerk in Fukushima von einer zweiten Explosion – diesmal in Reaktor 3 - erschüttert worden.

Die neue Explosion in Fukushima zerstörte das Gebäude um den Reaktor 3. Der innerste Sicherheitsbehälter soll aber nicht beschädigt worden sein. Bei der Detonation wurden elf Menschen verletzt; sieben Mitarbeiter der Atomanlage und vier Angehörige der Streitkräfte verletzt worden. Ein Mitarbeiter des Kraftwerks sei schwer verletzt, aber bei Bewusstsein, sagte Regierungssprecher Yukio Edano. Die vier Angehörigen der Streitkräfte seien nur leicht verletzt und mittlerweile wieder zu ihrer Einheit zurückgekehrt.

Im Umfeld der Anlage wurde nach Edanos Angaben keine erhöhte Radioaktivität gemessen. Bei der Explosion handelte es sich um eine Wasserstoffexplosion, wie die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete. Eine solche Detonation hatte es bereits am Sonnabend im Reaktorblock 1 gegeben.

Berichte über radioaktive Wolke

Medien berichteten von einer möglichen Wolke aus radioaktiver Strahlung, die der in östliche Richtung wehende Wind hinaus auf den Pazifik trage. Dort brach der amerikanische Flugzeugträger seinen Hilfseinsatz ab, wie Kyodo meldete. Die „New York Times“ nannte die Gefahr durch eine Strahlenwolke als Grund und berief sich auf US-Regierungskreise. Mehrere Crewmitglieder hätten binnen einer Stunde eine Monatsdosis Strahlung abbekommen. Zudem seien am Sonntag von einem Hubschrauber etwa 100 Kilometer vom japanischen Atomkraftwerk Fukushima entfernt kleine Mengen radioaktiver Partikel gemessen worden. Diese Stoffe würden noch analysiert. Dem Bericht zufolge werden darunter Cäsium-137 und Jod-121 vermutet.

Insgesamt funktionieren nun in drei japanischen Atomkraftwerken die Kühlsysteme nicht. Am gefährlichsten ist die Lage im Atomkraftwerk Fukushima Eins. Dort sind in insgesamt drei Reaktorblöcken die Kühlsysteme ausgefallen. In den Reaktor Nummer 1 pumpen Experten bereits seit Samstagabend ein Gemisch aus Meerwasser und Borsäure. Damit soll eine Kernschmelze verhindert werden.

„Schlimmere Folgen als Tschernobyl“

Nach wie vor gibt es widersprüchliche Angaben über den Zustand der Reaktoren und ob Kernschmelzen eingesetzt haben. Noch sollen sich etwa 600 Menschen in der Evakuierungszone um Fukushima Eins befinden. Deutsche Beobachter sind allerdings mehr als beunruhigt. Die Reaktorunfälle könnten aus Sicht des Strahlenphysikers Herwig Paretzke vom Helmholtz-Zentrum München durchaus ein Ausmaß wie vor 25 Jahren in Tschernobyl annehmen. So sei der Unfall auf jeden Fall mit Harrisburg vergleichbar. „Technisch sind die Umstände sehr ähnlich. Die Situation hat das Potenzial einer Weiterentwicklung, die sogar noch schlimmer wäre als Tschernobyl, weil die Gegend in Japan viel dichter besiedelt ist und viele Industrieanlagen stärker betroffen sein könnten“, sagte Paretzke.

Auch der Sprecher der Geschäftsführung des Öko-Instituts, Michael Sailer, hält angesichts der Explosionen im japanischen Atomkraftwerk Fukushima eine Katastrophe wie in Tschernobyl für möglich. „Das ist technisch immer noch drin“, sagte im Deutschlandradio Kultur

Sorge um weitere Atomkraftwerke

Neben Fukushima gibt es auch Probleme mit der Kühlung im rund zwölf Kilometer entfernten Atomkraftwerk Fukushima Zwei. Dort arbeiten Experten an der Wiederherstellung der Kühlung von zwei Reaktoren. Bisher habe man bei keinem der vier Reaktoren Druck abgelassen, teilten die japanischen Behörden der Internationalen Atomenergieorganisation IAEA mit.

Zudem versagte im AKW Tokai am Sonntag (MEZ) eine Pumpe für das Kühlsystem. Die Anlage steht nur rund 120 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Tokio, sie hatte sich bei dem Beben am Freitag automatisch abgeschaltet. Derweil legten die Botschaften mehrerer EU-Staaten ihren Bürgern nahe, Japan zu verlassen. Die deutsche Vertretung forderte die Bundesbürger in dem Krisengebiet und im Großraum Tokio/Yokohama auf, zu prüfen, „ob ihre Anwesenheit in Japan derzeit erforderlich ist“ und andernfalls abzureisen.

( dpa/dapd/ap )