Castingshow

Die Seifenoper DSDS hat mit Musik nichts zu tun

Ist es noch DSDS oder schon GZSZ? Deutschlands beliebteste Castingshow verkommt zur Seifenoper. Das allerdings mit Bravour. Musik spielt nur eine Nebenrolle.

Fast hätte man denken können, man wäre auf der Southfork-Ranch gelandet. Oder auf dem Carrington-Anwesen. Im Splitscreen-Verfahren sah man zu Beginn der dritten Mottoshow von DSDS hintereinander die acht verbliebenen Akteure wie im Vorspann einer 80er-Jahre-Hochglanz-Soap. Die Woche war hart, das sagen sie alle. Der Zusammenbruch von Nina Richel habe sie sehr mitgenommen. Und: Es solle doch jetzt endlich wieder um das gehen, wofür sie da seien: um Musik!

Um Musik geht es aber schon lange nicht mehr. Zumindest nicht in erster Linie. Sie spielt eigentlich nur noch die durchgehende Nebenrolle in dieser perfekt inszenierten Seifenoper, in der das Ensemble in dieser Woche einen Rausschmiss, einen unerwarteten Abgang, einen Versehrten sowie eine Rückkehrerin zu verkraften hatte. Dramatischer können Soap-Drehbücher nicht geschrieben sein. Im Grunde kann RTL DSDS in GZSZ umbenennen.

Nicht nur die Streitigkeiten innerhalb der Kandidaten-Villa, sogar die Themen mitsamt der Songauswahl wirken mittlerweile an den Haaren herbeigezogen. „Frühlingsgefühle“ war eigentlich das Motto. Sonne, Flirt und Knospenblühen fallen dazu ein. Stattdessen sang Zazou Mall Rihannas „Umbrella“. Und Pietro Lombardi, der mit gebrochenem Bein auf die Bühne kam, „Down“ von Jay Sean. Was daran frühlingshaft ist, wusste offenbar nur Marco Schreyl, der immer wieder lautstark darauf hinwies, wahrscheinlich, damit er es sich selbst glaubte.

Vom einstigen Grundgedanken einer Talentshow ist nicht mehr viel übrig. Auf Typ gecastet sollen die Kandidaten die ihnen zugedachten Rollen erfüllen. Da gibt es Marco Angelini, den Sonnyboy. Intelligent, charmant, spitzbübisch, ein Sympathieträger – quasi der Bobby Ewing unter den Casting-Kandidaten. Allerdings leidet er genau wie der sanfte Bruder von J.R. unter seiner Profillosigkeit.

Interessanter ist da schon der Outlaw mit komplizierter Kindheit und einer sensiblen Künstlerseele unter der rauen Machofassade, so wie Dylan McKay aus „Beverly Hills 90210“. Allerdings will Ardian Bujupi bislang nicht verkörpern, was die Dramaturgie für ihn vorsieht. Seit er in der Top-15-Show auf offener Bühne mit dem Vorwurf konfrontiert wurde, ein aggressiver Chauvi zu sein, benimmt er sich handzahm. Eine solche Verweigerungshaltung wird abgestraft: Die Jury bemängelte gestern fehlendes Gefühl und mangelnden Star-Appeal. Bis zum Ende musste der 19-Jährige zittern, ob er weiterkommt.

Durchsetzen konnte er sich letztlich gegen das Staffel-Biest. Anna-Carina Woitschack hatten ihre durchschaubaren Zickereien zunächst die Sympathien der Mitkandidaten und dann auch die des Publikums gekostet. „Wenn man mit der flachen Hand in einen Eimer Scheiße haut, kriegt man Sommersprossen“, kommentierte Dieter Bohlen das Dauer-Drama. Das Ausscheiden von Woitschack ist ein weiterer Beleg dafür, dass es bei DSDS immer weniger um Musik als um soziale Bewertung geht. Denn mit Yvonne Catterfelds „Für Dich“ hatte die 18-Jährige stimmlich den Glanzpunkt des Abends gesetzt.

Geschickter wäre es für sie wohl gewesen, wenn sie nach den Querelen der vergangenen Wochen nicht plötzlich versucht hätte, die Wogen zu glätten. Ein zu Kreuze kriechendes Luder ist mehr Sammy-Jo als Alexis. Sarah Engels musste das vor zwei Wochen schon am eigenen Leib erfahren, als sie trotz formidabler Leistung direkt in der ersten Mottoshow rausgewählt wurde. Wegen der freiwilligen Aufgabe von Nina Richel war sie gestern wieder da. Auch das irgendwie ein Soap-Klassiker: Totgeglaubte leben länger. Fehlte nur noch die Dusche.