Schauspieler und Forscher

Prominente sterben bei Unfall in Hamburg

Der Schauspieler Dietmar Mues und der Sexual- und Drogenforscher Günter Amendt ("Sexfront") sind bei einem Unfall getötet worden. Sie starben, als ein anscheinend unter Drogen stehender Mann mit seinem Wagen in eine Menschengruppe gerast war.

Unter den Toten eines schweren Verkehrsunfalls in Hamburg sind der Sozialwissenschaftler Günter Amendt (71) und der Schauspieler Dietmar Mues (65) sowie dessen Ehefrau Sibylle (60). Sie standen in der Menschengruppe auf dem Fußweg, in die am Samstag das Auto eines 38-Jährigen, der vermutlich unter Drogeneinfluss stand, schleuderte. Das sagte am Sonntag der Hamburger Polizeisprecher Andreas Schöpflin.

Amendt wurde nach Polizeiangaben unter dem Auto eingeklemmt und starb noch an der Unfallstelle. Auch Mues konnte nicht mehr durch Reanimationsmaßnahmen an der Unfallstelle gerettet werden, seine Frau erlag später im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen. Der Unfallverursacher wurde verletzt, fünf weitere Fußgänger erlitten einen Schock, wie der Polizeisprecher berichtete. Ein viertes Opfer, die Bildhauerin Angela Kurrer (65), starb ebenfalls am Unfallort.

In dem Auto, mit dem der 38-Jährige Unfallfahrer auf der großen Kreuzung im Stadtteil Eppendorf zuvor zusammengeprallt war, saßen der Schauspieler Peter Striebeck und dessen Ehefrau Ulla – beide kamen leicht verletzt ins Krankenhaus. Der Unfallverursacher war bei Rot über eine Ampel gerast. Insgesamt vier Menschen starben, acht erlitten leichte Verletzungen.

Nach dem Unfall habe man bei dem 38-Jährigen Fahrer des Fiat einen Urintest durchgeführt und dabei den Haschisch-Wirkstoff THC festgestellt. Es bestehe der Verdacht, dass der Unfallverursacher berauscht gefahren sei. Die Polizei leitete Ermittlungen wegen Körperverletzung mit Todesfolge in vier Fällen und wegen des Verdachts des Fahrens unter dem Einfluss berauschender Mittel ein.

Drogen waren das Hauptthema des Sozialwissenschaftlers Günter Amendt. Er machte zunächst aber Schlagzeilen als eine Galionsfigur der 68er Bewegung und mit seinem Buch „Sexfront“, das wegen der offenen Behandlung des Themas in den 70er Jahren als skandalös galt.

In den 90er Jahren zog er sich aus der sexualwissenschaftlichen und sexualpolitischen Diskussion zurück. Schwerpunkt seiner Arbeit wurden Drogengebrauch und Drogenpolitik. Die Drogenthematik untersuchte er in den Büchern „Sucht Profit Sucht. Zur politischen Ökonomie des Drogenhandels“ sowie „Die Droge. Der Staat. Der Tod. Auf dem Weg in die Drogengesellschaft“ und „No Drugs. No Future. Drogen im Zeitalter der Globalisierung“.

In drei Büchern beschäftigte sich Amendt mit dem Phänomen des von ihm verehrten Musikers Bob Dylan. In dem Buch „Natürlich anders. Homosexuelle in der DDR“ (1989) wagte er sich an ein im damaligen sozialistischen Teil Deutschlands stark tabuisiertes Thema.

Der Schauspieler Dietmar Mues ist vielen Fernsehzuschauern aus zahlreichen Krimis bekannt, unter anderem aus „Tatort“, „Soko Köln“ und „Bella Block“ oder durch die Hauptrolle des BR-Spielfilms „Jeder Mensch braucht ein Geheimnis“. Der gebürtige Dresdner lebte seit 1973 in Hamburg und gehörte zwölf Jahre zum Ensemble des Schauspielhauses. Er arbeitete auch als Drehbuchautor und mit Jazz-Musikern zusammen. Mues und seine Frau hinterlassen drei Söhne.

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