Angst vor Flutwellen

Evakuierungen an der Westküste Südamerikas

Angesichts der Tsunami-Gefahr verlassen Tausende in Chile und Ecuador vorsorglich ihre Wohnorte am Pazifik. In Kalifornien wird ein Mann vermisst.

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In Chile wurden 4500 Bewohner der wegen ihrer Steinfiguren weltberühmten Osterinsel auf den Flughafen der Insel gebracht. Dort seien die Menschen in Sicherheit, „da das Gelände 47 Meter über dem Meeresspiegel liegt“, sagt der Minister für öffentliche Bauten, Hernán de Solminihac. Zunächst richtete die von dem Erdbeben der Stärke 8,9 ausgelöste Flutwelle auf ihrem fast 16.000 Kilometer weiten Weg Richtung Südamerika keine größeren Schäden an.

Es werde mit einer Flutwelle von maximal zwei Metern Höhe gerechnet, die die 3500 Kilometer westlich vom Festland liegende Osterinsel treffen werde, betonte de Solminihac. Auch in Ecuador mussten tausende Menschen aus küstennahen Regionen ihre Häuser verlassen und wurden weiter landeinwärts in Notunterkünfte gebracht.

Galapagos-Inseln: Riesenschildkröten müssen Strand verlassen

Auf den zu Ecuador gehörenden Galapagos-Inseln mit ihrer einzigartigen Pflanzen- und Tierwelt wurde ebenfalls Tsunami-Alarm ausgelöst. Menschen und viele der Tiere, darunter auch die Riesenschildkröten, wurden in höhere Regionen gebracht.

Alle touristischen Aktivitäten wurden eingestellt. Kleinere Schiffe durften nicht mehr auslaufen, größere wurden aufgefordert, sich Richtung hoher See von der Küste zu entfernen. In Kolumbien und Peru sahen die Behörden vorerst von Evakuierungen ab.

An der kalifornischen Küste waren die Tsunami-Wellen bereits am Freitag angekommen. Der nordkalifornische Ort Crescent City wurde von über zwei Meter hohen Wellen getroffen. „Über 30 Boote im Hafen wurden beschädigt, Anlegestellen sind zu Bruch gegangen“, sagte Joe Young von der örtlichen Katastrophenbehörde. Mehr als 4000 Einwohner seien in der Nacht vorsichtshalber in Sicherheit gebracht worden. Nach einem Beben 1964 waren in Crescent City elf Menschen in einer Flutwelle ums Leben gekommen.

Auch im Hafen von Santa Cruz, südlich von San Francisco, gingen zahlreiche Boote zu Bruch. Die Flutwellen drückten Jachten in die Holzstege, Boote wurden losgerissen und trieben führerlos im Hafenbecken.

Schaulustige werden von Flutwelle ergriffen

Tausende Schaulustige ignorierten Warnungen der Behörden und schauten sich das Naturspektakel entlang der Küste an. An einem Strand in Nordkalifornien wurden drei Männer von einer Welle ins Meer gerissen, berichtete der Radiosender KCBS. Zwei konnten sich an Land retten, einer wurde zunächst vermisst.

Für die gesamte Westküste der USA war schon in der Nacht eine Tsunami-Warnung herausgegeben worden. Einwohner in besonders gefährdeten Küstenabschnitten wurden aufgerufen, in höher gelegenen Regionen Schutz zu suchen. Einige Küstenstraßen, Strände und Häfen wurden vorsichtshalber gesperrt.

Zwei Meter hohe Flutwellen vor Maui

Der Tsunami hatte bereits zuvor die zu den USA gehörenden Hawaii-Inseln erreicht. So wurden nach Angaben des Senders CNN im Norden von Maui fast zwei Meter hohe Fluten gemessen. Nach ersten Berichten gab es dort aber keine größeren Schäden.

Auch Neuseeland wurde von einem Mini-Tsunami getroffen. Dort wurde ein um 15 bis 20 Zentimeter höherer Wasserstand gemessen. Der Zivilschutz teilte mit, das Wasser könne an einigen Orten um bis zu einen Meter steigen. Die Menschen sollten sich von den Stränden fernhalten. Evakuierungen waren jedoch nicht vorgesehen.