Cool statt spießig

Warum der spießige Blazer nun zu allem getragen wird

Das neue Must-have des Sommers ist alles andere als langweilig. Bunt, verziert und in unterschiedlichen Materialien. Der Blazer gehört in jeden Kleiderschrank.

Er ist Alptraum der Lässigkeit. Er ist etepetete, er ist spießig, er ist todernst. Dennoch wurde der Frauen-Blazer in dieser Saison von den Trendexperten zur Klamotte erkoren, die man unbedingt tragen muss. Er muss nur richtig kombiniert werden.

Der Blazer zur Jeans geht schon lange, auch zum Rock wird er getragen. Schaut man in die aktuellen Kataloge, passt der Blazer aber auch zur lässigen Baggyhose oder zu Shorts. Er passt anscheinend zu allem. Deshalb sagt der Modeberater Andreas Rose aus Frankfurt: „Der Blazer gehört im Sommer 2011 in jeden gut sortierten Kleiderschrank.“

Das kommt nicht von ungefähr. Denn Blazer eigenen sich für jede Frau – auch wenn man keine Modelmaße hat. „Der lang und weit geschnittene Boyfriend Blazer kaschiert kleine Problemzonen an Hüfte und Po, der figurbetonte mit breiten Schultern formt die Silhouette in V-Form und kaschiert damit eine breitere Körpermitte“, sagt Rose. Die Gefahr, dass man darin im Job wie auch in der Freizeit zu spießig aussehe, sieht der Experte nicht: Das sei sicher „nicht zu schick, sondern gepflegt lässig“.

Blazer gibt es für jeden Anlass, jeden Geschmack und jede Figur. Das kann der puristische Blazer mit Schulterbetonung sein, die kurze Jacke im Chanelstil, die weiche Jersey-Sweat-Blazer-Variante mit Krempelärmeln oder der Zweireiher im Marine-Look.

Besonders angesagt ist der „Urban Chic“, bei dem der Blazer zur Chino getragen wird. Hierzu passt das Modell mit auffälligen Schultern und Details aus der Militäroptik. „Diese Uniform-Jacken, meist doppelreihig geknöpft, sind üppiger geworden und sehr dekoriert“, erläutert Silke Gerloff, Stilberaterin aus Offenbach. Lässig wirkt der Blazer, wenn die Ärmel hochgekrempelt werden. Boyfriend-Blazer sind überlang und reichen teils weit über die Hüften.

Sie haben außerdem eine lässige Weite und größtenteils nur einen Kopf. Wie ihr Name schon sagt, könnten sie daher aus dem Kleiderschrank des Freundes stammen. „Die trägt man offen oder eben mit einem extrem schmalen Gürtel“, sagt Gerloff. Dieser Gürtel hält das weite Jackett zusammen und formt eine Taille. Gut sehen weite, lange Boyfriend-Blazer zu Shorts oder zur schmalen Hose aus, etwa bei Boss Orange zu sehen.

„Wichtig sind immer die Kontraste“, sagt Maria Hans, Personal Shopperin aus Hamburg. So sollte generell einlässiger und weiter Blazer zu kurvenbetonenden, engen Hosen getragen werden. Wähle man eine sportlichere Hose, darf es ein schlichterer, enger Blazer sein. „Eine Jacke im Marine-Style lässt sich beispielsweise gut mit der Cargomode kombinieren“, sagt Hans. Erhalten aus früheren Kollektionen bleiben im Sommer auch kurze Blazer, die sich mit schmalen Hosen, mit Röcken oder Hot-Pants kombinieren lassen. Tweed-Jacken mit leichter A-Form schmeicheln besonders der Figur.

Nicht nur bei den Schnitten, sondern auch beim Material haben Frauen derzeit eine große Auswahl in den Kleidergeschäften. Der lang verschriene Jeans-Blazer ist etwa wieder zu haben. Er ist entweder klassisch geschnitten mit breitem Revers oder sehr breit im Stil der 80er. Er darf laut den Modeexperten heller oder dunkler sein, auf Teile mit Waschungen sollte man aber verzichten. Der Jeansblazer passt zu vielen Klamotten – also zu Shorts genauso wie zu den trendigen, superweiten Schlaghosen und Chinos sowie zu leichten Sommerröcken, wie etwa Sisley zeigt.

Gerloff rät zu leichterem, edlerem Stoff, wenn ein feiner Anlass ansteht. Quasi uneingeschränkt kombinieren lassen sich laut dem Deutschen Mode-Institut in Köln etwa die Jacken aus Jersey oder Baumwolle. Hierunter passten auch gut kleine Westen oder Kostüme. Die Blazer gibt es in fast allen Farben, etwa auch in einem auffälligen, hellen Grün von Dismero oder einem leuchtenden Blau von Hugo. Pünktlich zum Sommer sind auch die Farben Weiß oder Beige, wie in der aktuellen Kollektion von Cinque zu sehen, wieder zu haben. Laut Gerloff sind auch weiterhin die klassischen Blazerfarben wie Natur, Schwarz oder ein helles Khaki gefragt.

Viele der neuenModelle haben auch auffällige Details, etwa Raffungen und Wölbungen an Schultern. Als besonders weiblich wird etwa die hütchenhaften Pagoden-Form des Schulterzuschnitts wahrgenommen. Dieser liegt in vielen Falten und steht nach oben ab. Wer bislang Blazer verpönte, kann sich auch zunächst nur ein einziges Teil zulegen. Das ist der Tipp von Modeberater Andreas Rose. Denn manche schlichten Teile passen zu unterschiedlichen Klamotten und für unterschiedliche Anlässe.

So ließe sich ein schwarzer Lederblazer mit offener Front im Büro zu Hose oder Stiftrock tragen und in der Freizeit zu Jeans, Chino oder Minirock. Comma zeigt etwa eine Kombination von Röhrenhose und weitem, langem Shirt zum engen Blazer. „Lässig wirkt er im Mix mit Jeans-Shorts und weitem Top, modern feminin zur weißen Popelinebluse und sogar elegant zum Cocktailkleid“, erläutert Rose. Ein wahrer Allrounder also.