DSDS

Hektisches D-Promi-Kegeln auf den Malediven

Die 15 Kandidaten für die erste Live-Show der achten Staffel von "DSDS" stehen fest. Anders als in den vergangenen Jahren gibt es aber noch keinen Favoriten.

Foto: RTL

Déjà-vu: Dieser Jüngling mit Aufschneider-Matte und Engelsgesicht versucht immer, so grimmig zu gucken wie ein Wirtschaftspate aus der Provinz – vielleicht, weil er in „Deutschlands bekanntester Jury“ sonst nichts zu melden hat? Aufgesetzt mitleidig hingegen blickt die Frau, die aussieht wie eine schwarz getönte Barbiepuppe und mehr plappert, als ihr mit ihrer Rolle als exotischer Blickfang eigentlich jemals zugedacht war.

Nicht zu vergessen der selbsternannte Pop-Titan, wie er da unmotiviert mit hochgekrempelten Hosen im Wasser steht, als hielte er den Indischen Ozean für ein besseres Kneipp-Kur-Becken. Die Zeitlupen-Bilder der DSDS-Juroren, wie sie am Strand Löcher in die Luft gucken, irgendetwas in den Sand malen oder wie ein Aphroditen-Triumvirat aus dem Wasser an Land waten, hat man in den vergangenen vier Ausgaben von „Deutschland sucht den Superstar“ gefühlte 30 Mal gesehen, immer untermalt von dramatischen Filmmusik-Schnipseln oder Marco Schreyls bedrohlich kullernder Stimme.

Auch diesmal stand die Jury vor ihrer „schwierigsten Aufgabe“, wie es dann jedes Mal bedeutungsschwanger heißt, als gelte es, den Euro zu retten. Für die Live-Shows, die ab Samstag wöchentlich stattfinden, mussten die Juroren Dieter Bohlen, Fernanda Brandao und Patrick Nuo aus 28 verbliebenen Kandidaten die besten 15 auswählen.

Am vergangenen Samstag, als die Show gegen „Wetten, dass..?“ lief und ihr deswegen die doppelte Sendezeit eingeräumt wurde, war das noch immer üppige Teilnehmerfeld um lediglich fünf Personen gekürzt worden. Jetzt fielen gleich 13 Beinahe-C-Promis dem Rotstift zum Opfer – und das gequetscht auf knapp eine Stunde.

Gequälte Comedymätzchen fanden dadurch dankenswerterweise keinen Platz, ein geschickt aufgebauter Spannungsbogen aber eben auch nicht. Alles wirkte gehetzt und unübersichtlich. Die Dramaturgie war auch schon mal besser bei „Deutschland beliebtester Castingshow“ – wie Schreyl ja nicht müde wird, aus dem Off zu betonen.

Die Wahl der Jury war erwartbar: Wieder sind es rührselig aufbereitete Schicksale, drollig radebrechende Möchtegern-Checker mit mühsam antrainierter Street-Credibility und ellenbogenbewehrte Zimtzicken, die den kommenden Wochen die Würze geben sollen. Für grundsympathische, aber auf die Dauer wohl etwas zu brave Aspiranten wie den schlaksigen Wuschelkopf Selam Araya oder die bayerisch kauderwelschende Knutschkugel Denise Lorenz war Schluss.

Gezeigt wurden die Rausschmisse bezeichnenderweise im Schnelldurchlauf, damit die über Wochen aufgebauten Sympathien für die beiden nicht noch mal zu sehr aufwallen konnten.

Bleibt nach dem Rausschmiss der Ausschussware eine eher farblose Truppe, die sich in den am Ende gezeigten Showposen noch etwas schwer tut. Ein eindeutiger Favorit, wie es ihn in den vergangenen Jahren mit Mark Medlock oder Thomas Godoj immer mal wieder gegeben hat, lässt sich diesmal nicht ausmachen. Genauso wenig wie eine wirklich herausragende Stimme.

Am ehesten das Zeug zum Publikumsliebling hat wohl der unsichere Hüftgold-Hüne Marvin Cybulski, der mit rausamtener Rocksoul-Röhre à la Joe Cocker punktet, allerdings keine bühnentaugliche Ausstrahlung entwickeln will.

Hoch im Kurs bei Bohlen stehen außerdem der charmante Shakira-Verschnitt Anna-Carina Woitschack und die für ihre zarten 17 unangenehm von sich eingenommene Awa Corrah – beide in erster Linie der Optik wegen. Weswegen sonst, lässt sich zumindest schwer erschließen.

Den gleißend weißen Strand der Malediven müssen die Kandidaten nun gegen den Faradayschen Show-Käfig des Kölner Coloneums eintauschen. Mit einer Jury, deren austauschbare zwei Drittel von Bohlen spätestens in der vierten Show als unfähige Staffage geschmäht wird. Und einem Moderator, der die verbalen Versatzstücke „weit war der Weg“, „zum Greifen nah“ und „der ganz große Traum“ pathetisch zwischen seine ermüdenden Kunstpausen drapiert.