Missbrauchsprozess

Neun Jahre Haft für HIV-infizierten Sex-Touristen

Ein 65-Jähriger aus Celle muss für neun Jahre hinter Gitter. Der HIV-Infizierte hatte hunderte Kinder und Jugendliche in Thailand sexuell missbraucht.

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Ein HIV-infizierter Sex-Tourist ist im Landgericht Lüneburg zu neun Jahren Haft verurteilt worden. Der 66 Jahre alte Mann hatte in Thailand hundertfach minderjährige Mädchen missbraucht. Er hatte die Taten weitgehend eingeräumt. Die Staatsanwaltschaft hatte zusätzlich Sicherungsverwahrung beantragt, weil sie befürchtet, dass der Mann anhaltend gefährlich für die Allgemeinheit ist.

Dies sah das Gericht allerdings anders. In seinem Urteil verzichtete es darauf, den ehemaligen Volksmusiker aus Celle im Anschluss an die Haft in Sicherungsverwahrung zu nehmen. Dies sei die „schwerste Keule der Justiz“, sagte der Vorsitzende Richter Axel Knaack.

Entscheidend sei bei einer solchen „Haft bis zum Grabstein“, ob die Öffentlichkeit nach der langen regulären Haft für immer vor dem Verurteilten geschützt werden müsse. Dies verneinte das Gericht, denn es beurteilte den Mann eher als Gelegenheitstäter denn als Triebtäter: „Wir haben es hier mit einem Hedonisten zu tun, der die Gelegenheit genutzt hat“, sagte der Richter.

Das umfassende Geständnis des Angeklagten sei durchaus glaubhaft, erklärte der Richter. „Wir glauben tatsächlich, dass beim Angeklagten der Wunsch besteht, einen Schlussstrich zu ziehen – das nennt man Reue“, sagte Knaack.Auch angesichts des hohen Alters und der HIV-Infektion des Rentners sei die Rückfallwahrscheinlichkeit gering, auch wenn freilich ein kleines Restrisiko bleibe.

Oberstaatsanwalt Lars Janßen betonte in seinem Plädoyer, das Verfahren habe bewiesen, dass eine Strafverfolgung von Deutschland aus in solchen Fällen möglich sei. „Das sollte allen Sextouristen eine Warnung sein.“ Der Angeklagte habe die erbärmlichen Lebensumstände seiner jungen Opfer schamlos ausgenutzt. Eine Ansteckung habe sich in keinem Fall nachweisen lassen, erklärte der Staatsanwalt.

Der 66-jährige Mann hatte penibel Buch über seine Taten geführt. In seinem Schlusswort bat er um therapeutische Hilfe und entschuldigte sich bei den Geschädigten.