Fahrlässige Tötung

Polizist wegen Brechmittel-Einsatz vor Gericht

Mit Brechmittel wollte ein Bremer Polizist an verschluckte Drogen kommen. Doch der Verdächtige starb. Der Beamte muss sich vor Gericht verantworten – wieder.

Gut sechs Jahre nach dem tödlichen Einsatz von Brechmitteln bei einem mutmaßlichen Drogendealer im Bremer Polizeigewahrsam wird der Prozess neu aufgerollt. Ein 46 Jahre alter Arzt muss sich vom 11. März an erneut vor dem Landgericht Bremen verantworten, wie ein Gerichtssprecher sagte. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte den Freispruch für den Polizeiarzt vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung im April 2010 aufgehoben.

Der Angeklagte muss sich nun wegen Körperverletzung mit Todesfolge verantworten. Ihm wird vorgeworfen, dem mutmaßlichen Drogenhändler aus Sierra Leone im Dezember 2004 zwangsweise Brechmittel sowie einige Liter Wasser eingeflößt zu haben. So wollte die Polizei an die verschluckten Drogen gelangen.

Der Afrikaner hatte sich vehement gegen den Würgereiz gewehrt. In der Folge war er ins Koma gefallen und einige Tage später gestorben. Die genaue Todesursache konnte im Prozess nicht geklärt werden.

Das Landgericht Bremen war im Dezember 2008 mit seinem Freispruch der Forderung von Staatsanwaltschaft und Verteidigung gefolgt. Dem Angeklagten sei nicht nachzuweisen gewesen, fahrlässig gehandelt zu haben, hieß es zur Begründung. Der aus Kasachstan stammende Mann sei wegen mangelnder Berufspraxis mit der Situation überfordert gewesen.

Die Nebenklage hatte Revision eingelegt und damit Erfolg gehabt. Nach Ansicht des BGH besteht eine mögliche Schuld des Angeklagten darin, dass er den Brechmittel-Einsatz nach einer ersten Ohnmacht des Opfers unter „menschenunwürdigen Umständen“ fortgesetzt habe. Für die neue Verhandlung wurden zunächst 18 Termine anberaumt.

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