Prozessbeginn

Kinderfotografen als Kinderschänder-Ring entlarvt

| Lesedauer: 2 Minuten
Norbert Demuth

In Baden-Baden hat der Prozess gegen zwei mutmaßliche Kinderschänder begonnen. Sie sollen für Pornofilme gar den Tod von Opfern in Kauf genommen haben.

Im Prozess gegen einen mutmaßlichen Kinderschänder vor dem Landgericht Baden-Baden hat der Verteidiger ein Geständnis des Angeklagten angekündigt. „Mein Mandant will reinen Tisch machen. Ich gehe davon aus, dass er alle Vorwürfe einräumen wird“, sagte Rechtsanwalt Ingo Henkel zum Prozessauftakt. Dem angeklagten 38-jährigen Beamten der Arbeitsagentur in Erfurt, der sich als Kindermodel-Fotograf ausgegeben hatte, wird unter anderem schwerer sexueller Missbrauch eines Kindes in einem Fall sowie Beihilfe hierzu in einem weiteren Fall vorgeworfen.

Kurz nach Prozessauftakt wurde die Öffentlichkeit auf Antrag der Verteidigung ausgeschlossen. Rechtsanwalt Henkel begründete den Antrag damit, dass der Angeklagte in seiner Vernehmung Angaben machen werde, „die auch seinen Intimbereich betreffen“.

Ein ursprünglich mitangeklagter 59-jähriger freier Fotograf aus Rastatt, dem hundertfacher sexueller Missbrauch seiner Stieftochter vorgeworfen wird, hatte in der Nacht zum Montag einen Selbstmordversuch unternommen. Dabei verletzte er sich schwer. Wegen fehlender Verhandlungsfähigkeit wurde das Verfahren gegen ihn abgetrennt.

Der 38-Jährige soll im Jahr 2009 zunächst Aufnahmen gemacht haben, als der 59-Jährige seine Stieftochter missbrauchte, und sich anschließend selbst an dem damals elfjährigen Mädchen vergangen haben. Dafür zahlte er laut Anklage 300 Euro an den 59-jährigen Stiefvater.

Kontakt über vermeintliche Modelagentur-Internetseite

Kontakt hätten die beiden Männer über das Internet auf einer vermeintlichen Kindermodelagentur-Seite gefunden, auf der der 59-Jährige Bilder vom Missbrauch seiner Stieftochter eingestellt hatte.

Der 38-Jährige soll zudem als Mittelsmann bei dem Versuch mitgewirkt haben, in Thailand ein kinderpornografisches Video zu bestellen, bei dem ein Mädchen erst missbraucht und dann vorgeblich erdrosselt werden sollte. Letztlich waren dem Besteller die dafür verlangten 600 Euro aber „zu teuer“, so die Staatsanwaltschaft. Der Angeklagte habe daraufhin ein kostengünstigeres Video für 270 Euro vermittelt. Ob darin ebenfalls sexueller Missbrauch gezeigt wurde, sei noch nicht geklärt.

Außerdem wird dem 38-jährigen die Herstellung und Verbreitung von Kinderpornos in vier Fällen zur Last gelegt. Zudem soll er einen Kontakt zu einem weiteren Pädophilen hergestellt haben, der dann ebenfalls Digitalfotos vom Missbrauch der Stieftochter durch den Stiefvater machte und an den 59-Jährigen dafür 300 Euro zahlte.

Auf die Spur der Männer, die einem Pädophilen-Ring angehört haben sollen, kam das Bundeskriminalamt durch Bilder auf dem Rechner des 38-jährigen Angeklagten. Sein Computer war bei der Durchsuchung seiner Wohnung durch das Landeskriminalamt Thüringen sichergestellt worden. Ihm droht eine Haftstrafe zwischen zwei und 15 Jahren.

Der Prozess soll voraussichtlich am 10. März fortgesetzt werden. Das Urteil wird Mitte März erwartet.

( dapd )

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