Anzeige in der "taz"

Holofernes macht unfreiwillig "Bild"-Werbung

| Lesedauer: 3 Minuten
Lars Friedrich

Es begann mit Judith Holofernes' öffentlicher Ablehnung unter dem Titel "Ich glaub, es hackt". Wie die Wir-sind-Helden-Sängerin nun doch für "Bild" wirbt.

Die Berliner Sängerin Judith Holofernes machte am Montag in einer ganzseitigen Anzeige in der "taz" Werbung für die "Bild"-Zeitung (erscheint wie Morgenpost Online im Verlag Axel Springer). Und zwar unfreiwillig. Holofernes ist Mitglied der Band "Wir sind Helden", die der Zeitung offensichtlich kritisch gegenübersteht. Prompt brachte die "taz" in derselben Ausgabe - ebenfalls auf einer ganzen Seite - ein ausführliches Interview mit Holofernes, in dem sie erklärte, wie sie dazu steht, ihren Namen als Teil eines Werbefeldzugs für "Bild" wiederzufinden.

Alles begann damit, dass eine Werbeagentur im Auftrag des Boulevard-Blatts bei Holofernes anfragte, ob sie an der aktuellen Kampagne für "Bild" teilnehmen möchte. Die Sängerin machte ihre Ablehnung in einem Brief unter dem Titel "Ich glaub, es hackt" deutlich. Sie wolle ihren Kopf nicht für eine Kampagne hinhalten, bei der Prominente ihre Meinung zu "Bild" veröffentlichen (die Zeitung spendet dafür 10.000 Euro für einen wohltätigen Zweck nach Wahl des Promis).

Diese Kampagne erreiche eh nur "saudumme" Rezipienten. Das Schreiben an die für die Kampagne verantwortliche Werbeagentur Jung von Matt veröffentlichte sie auf dem Netzauftritt ihrer Band - der prompt unter der Last des Ansturms zusammenbrach. Die "Bild-Zeitung" reagierte und druckte Holofernes' Ablehnungsschreiben – und zwar als ganzseitige Anzeige in der "taz" und unter dem Titel: "Ihre Meinung zu BILD, Judith Holofernes?"

Im Interview mit der "taz" erklärt Holofernes, dass sie die Ablehnung um ihres eigenen "Amüsements und Seelenheils willen" veröffentlicht habe. Sie glaube, viele Leute seien verärgert und genervt über die Kampagne der "Bild"-Zeitung. Die Reaktion der "Bild" bezeichnet sie als "das Berechenbarste, was sie machen konnten". Oft laufe sie an den Werbeplakaten für "Bild" vorbei und denke sich: "Oh nein, der nicht auch noch!" Wobei sie sich selbst nicht so ganz sicher sei, ob sie nicht mit ihrer Reaktion letztlich auch Werbung für "Bild" gemachte habe.

Rechtliche Schritte wolle sie nach der Werbeanzeige allerdings keine einleiten. Sie sehe sich als Siegerin und wolle nicht eingehen auf den "ziemlich lahmen Versuch" der "Bild", "ein Rückspiel zu erzwingen."

Im Hausblog der "taz" streiten sich derweil die Nutzer, ob Holofernes tatsächlich siegreich aus dem Streit hervorgeht oder ob sie doch ein Eigentor geschossen hat . Auch die "taz" bekommt einigen Ärger ab. So schrieb der Nutzer "Pusemukkel": "Von der ,taz' hätte ich eher erwartet zum Anzünden des Springerhauses aufzurufen, als sich von denen für diese schmutzige Schmierenkampagne kaufen zu lassen" Und: "Mein ,taz'-Abo werde ich nicht verlängern!"

"taz"-Redakteur Sebastian Heiser erklärte in dem Blog unterdessen die Motivation für den Abdruck der Anzeige: "Weil die ,Bild'-Zeitung uns dafür bezahlt. Laut unserer Anzeigenpreisliste kostet eine ganzseitige, vierfarbige Anzeige unter der Woche 12.555 Euro. Das sind schon ein paar Monatsgehälter für einen ,taz'-Mitarbeiter. Daher drucken wir auch Anzeigen von Atomkraftunternehmen wie Vattenfall oder von Ölkonzernen wie BP."

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