Befangenheitsantrag

Bäcker-Prozess nach Wallraff-Recherche vertagt

Der Prozess gegen den Chef einer Hunsrücker Brotfabrik nach einer Undercover-Recherche von Günter Wallraff verzögert sich im dritten Anlauf erneut.

Das juristische Hickhack nach einer verdeckten Recherche des Journalisten Günter Wallraff in einer Hunsrücker Brotfabrik geht weiter. Der 44-jährige Firmenchef muss sich vor dem Amtsgericht Bad Kreuznach wegen fahrlässiger Körperverletzung verantworten. Arbeiter sollen sich an heißen Blechen verbrannt haben, da in der Firma laut Anklage nicht ausreichend auf die Sicherheit geachtet wurde. Allerdings hat sich der Prozess schon mehrfach verzögert. Nun ist auch der geplante Termin für Donnerstag geplatzt. Es müsse noch über einen Befangenheitsantrag entschieden werden, teilte das Amtsgericht mit.

Bereits vergangene Woche sollte Wallraff eigentlich als Zeuge in dem Prozess aussagen – er reiste unverrichteter Dinge wieder ab. Zuvor hatte der Anwalt des angeklagten Unternehmers einen Befangenheitsantrag gegen Richter Artur Müller-Wewel gestellt. Die Hauptverhandlung hatte ohnehin erst im dritten Anlauf starten können. Bei früheren geplanten Terminen war zunächst der Angeklagte krank und dann der Verteidiger.

Wallraff hatte mit seiner Undercover-Recherche in der Brotfabrik 2008 die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ins Rollen gebracht. Er hatte in einem Beitrag für die Wochenzeitung „Die Zeit“ die Zustände in der Produktion als menschenunwürdig angeprangert. In der Fabrik wurden Aufbackbrötchen für einen Discounter gefertigt, der Betrieb ist inzwischen geschlossen.

Die Staatsanwaltschaft hatte gegen den 44-jährigen Chef einen Strafbefehl über eine Verwarnung mit Strafvorbehalt oder auch „Geldstrafe auf Bewährung“ erlassen. Da der Inhaber dagegen Einspruch einlegte, wurde die Hauptverhandlung eröffnet. Am 18. November soll es weitergehen.

( dpa/sv )

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