Mauerfall

Udo Lindenberg ruft "Bunte Republik" aus

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Altrocker Udo Lindenberg hat mit einem Konzert an den Mauerfall vor 21 Jahren erinnert. Am Vorabend des 9. November warb der 64-Jährige in der Schinkelkirche im märkischen Neuhardenberg für die "Bunte Republik Deutschland".

Tobende Menschen auf Kirchenbänken kennt man eher aus amerikanischen Gottesdiensten. Hierzulande wird zurückhaltende Andächtigkeit praktiziert, und deshalb dauert es auch eine Weile, bis die Fans von Udo Lindenberg in der Schinkelkirche zu Neuhardenberg loslegen. „Ich wollte immer dein Mädchen aus Ost-Berlin sein“, kreischt eine Frau, als er den Titel kurz vor Schluss ankündigt. Es folgen „Sonderzug nach Pankow“ und „Andrea Doria“.

Und Udo freut sich, „dass nach 40 zarten Karrierejahren“ die „Leute wie die Zäpfchen abgehen und das Kirchendach abschrauben“, als er nach anderthalb Konzertstunden die „Bunte Republik Deutschland“ ausruft. So heißt auch das Konzert, das er am Montag, am Vorabend des 21. Jahrestages des Mauerfalls, vor etwa 350 Fans gibt.

Der 64-Jährige steht mit den Sängerinnen Nathalie Dorra und Celina Bostic sowie den Musikern Jörg Sander, Martin Ringwall und Hendrik Schaper auf der Bühne, pardon, vor dem Altar. Mit seinen Songs sowie einer Ausstellung seiner Werke und Sammlerstücke, die gleich nebenan nur am Montag und am Dienstag zu sehen sind, und der obligatorischen Einladung für alle zum Eierlikör stiehlt er Bundespräsident Christian Wulff die Schau, dem er verspricht: „Christian, für Sie ist auch ein Bild für Bellevue in Arbeit“.

Auch Wulff hatte im Juli die „bunte Republik Deutschland“ ausgerufen. Anna Loos und die Band Silly – auch am Abend bei Udo – gewinnen als authentische Band, die für ganz Deutschland steht, schnell die Sympathien der Lindenberg-Fans. Und der beweist, dass er auch ohne das geteilte Deutschland politische Botschaften loswerden kann. Christian Wulff feuert er an, die Anti-Atombewegung ernst zu nehmen: „Christian, Sie könnten einen Gichtanfall vortäuschen.“

( kad )