Hamburg

Behinderten fast totgeprügelt – Täter verurteilt

Zwei junge Männer hatten einen Behinderten im Juni 2010 fast totgeprügelt. Einer von ihnen erhielt eine Jugend-, der andere eine Bewährungsstrafe.

Foto: picture alliance / dpa / picture alliance / dpa/dpa

Grundlos schlugen zwei junge Männer in Hamburg-Harburg im Juni 2010 auf einen halbseitig gelähmten Mann ein, prügelten ihr am Boden liegendes Opfer mit Tritten und Schlägen fast tot.

Für die lebensgefährliche Prügelattacke auf einen 43-Jährigen hat das Hamburger Landgericht die 18 und 19 Jahre alten Angeklagten zu Haftstrafen verurteilt. Der ältere Angeklagte muss wegen versuchten Totschlags vier Jahre Jugendstrafe verbüßen. Der jüngere Angeklagte wurde wegen gefährlicher Körperverletzung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass das Duo am Tatabend bereits zwei andere Männer angegriffen hatte, bevor sie auf ihr behindertes Opfer trafen. Ohne Vorwarnung schlug ihm der 19-Jährige ins Gesicht, woraufhin der 43-Jährige „zu Boden ging wie ein Baum“, hieß es in der Urteilsbegründung. Ihr wehrloses Opfer traktierten die jungen Männer weiter mit Tritten und Schlägen.

Opfer hatte sich fast von Schlaganfall erholt

Der 18-Jährige räumte vor Gericht bereits ein, dem 43-Jährigen dabei gezielt mit der Hacke auf den Kopf getreten zu haben. Als er Polizeisirenen hörte, floh er. Der ältere Mittäter setzte das Martyrium jedoch fort, hielt den 43-Jährigen mit der einen Hand fest und schlug ihm mit der zweiten Faust weiter ins Gesicht. Passanten konnten ihn schließlich überwältigen.

Das Opfer der Attacke ist seit einem Schlaganfall vor sieben Jahren halbseitig gelähmt. Nach langer Zeit befand er sich wieder auf dem Weg der Besserung, war kurz davor, wieder einer Arbeit nachgehen zu können.

Die Pläne machte der Angriff der jungen Männer jedoch zunichte: Seitdem ist er dauerhaft arbeitsunfähig, ist jetzt sogar auf fremde Hilfe im Haushalt angewiesen. Zudem sei er durch die Tritte im Gesicht asymmetrisch entstellt und leide unter Angstzuständen, erklärte seine Verteidigerin zum Prozessauftakt.

Jüngerer Täter zeigt "ernsthaft Reue"

Der jüngere Angeklagte hatte sich im Verlauf der Verhandlung mehrfach bei seinem Opfer entschuldigt, was der 43-Jährige schließlich auch annahm. „Sie haben ernsthaft Reue gezeigt“, rechnete ihm auch die Vorsitzende positiv an.

Er habe sich nicht aus der Verantwortung stehlen wollen und sogar die folgenschweren Kopftritte vor Gericht gestanden. Zudem sei seine Steuerungsfähigkeit durch einen Alkoholwert von 2,4 Promille stark eingeschränkt gewesen.

Der 18-Jährige hatte sich schon vor dem Urteil zu einer Schmerzensgeldzahlung bereit erklärt und eine Therapie begonnen.

Opfer mit dem Urteil "sehr zufrieden"

Die mildernden Umstände sah das Gericht bei seinem Mitangeklagten jedoch nicht: „Sie haben erkannt, dass ihr Opfer zu Tode kommen könnte“, sagte die Richterin. „Das haben Sie billigend in Kauf genommen.“ Er habe sich nach den Kopftritten nicht distanziert, sondern habe weiter auf das Opfer eingeschlagen. Zudem ist er einschlägig vorbestraft.

„Was soll das? Das ist doch unglaublich“, protestierte der 19-Jährige kopfschüttelnd während der Urteilsverkündung. Neben der Haftstrafe ordnete die Richterin seine Unterbringung in einer Erziehungsanstalt an und verurteilte ihn zur Zahlung von 10.000 Euro Schmerzensgeld.

Ihr Mandant sei mit dem Urteil sehr zufrieden, sagte die Verteidigerin der Nebenklage im Anschluss an die Verkündung. „Er wollte dem jüngeren Angeklagten nicht sein Leben verbauen. Er hat gesehen, dass er die Tat sehr bereut.“ Dass er die Entschuldigung angenommen hat, habe auch ihm geholfen, die Sache zu bewältigen.

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