"Yes we can dance"

Neue Tanz-Show von Sat.1 stolpert beim Start

Statt mit flotter Sohle für Quoten zu sorgen, gerät Sat.1 mit der neuen Tanz-Show "Yes we can dance" aus dem Takt der Abendunterhaltung. Die einstudierten Einlagen der Prominenten wirkten peinlich. Trotz wildester Verrenkungen war die Sendung kaum zu ertragen. Schuld daran hat allein RTL.

Aufgerüschte Pseudo-Prominente, die aus Filmen, Videos und Musicals bekannte Tanzszenen mehr schlecht als recht nachtanzen und dabei von einer humorfreien Jury bewertet werden. Dass die neue Show „Yes we can dance“ absolut gar nichts war, hat selbst Moderator Kai Pflaume gemerkt. Wäre ihm nach 16 Jahren der Sendung „Nur die Liebe zählt“ sein Lächeln nicht inzwischen im Gesicht festgewachsen, hätte man fast meinen können, er schäme sich dafür, was für einen Mumpitz sein Haussender Sat.1 ihn da zwang, dem Publikum anzudrehen.

„Wir laden Sie ein, vor allen Dingen mit uns gemeinsam Spaß zu haben“, sagte er deshalb lieber gleich schon zu Beginn als wäre es eine Entschuldigung, womit er von nun an zwei Stunden die Zuschauer langweilte. Pflaume betontefünf Mal, dass der Gewinner von „Yes we can dance“ am Ende der finalen Sendung die 50.000 Euro Siegerprämie für einen guten Zweck spenden werde.

Aber bis dahin ist es noch ein langer und schmerzlicher Weg, denn die Ankündigung von Kai Pflaume: „Das heute war erst der Anfang, fünf weitere Shows werden folgen!“, musste als Drohung verstanden werden. Dass sie sich als leer erweist, ist gar nicht so unwahrscheinlich.

Denn Sat.1 hat inzwischen Erfahrung damit, Sendungen mit Désirée Nick schnell wieder abzusetzen. Nick war beim ersten großen Tanzspektakel wieder dabei. Allerdings kam statt ihrer Beine einmal wieder nur ihre Zunge zum Großeinsatz. Denn die grelle Blondine saß in der Jury und verspritzte von dort aus ihr Gift auf gewohnt niedrigem Niveau. „Deine Brüste sehen wesentlich besser aus als die Möpse von Kader Loth“, bescheinigte sie beispielsweise Comedian Ingo Appelt, der im hautengen schwarzen Trikot als Jennifer Beals in „Flashdance“ über die Bühne hopste.

Und weiter: „Ich habe Angst gehabt, dass du dir in den Schritt greifst, um deine Gebärmutter zurückzuschieben.“ Das ist wirklich große Unterhaltung am Freitagabend! Zu ihrer Verteidigung kann man höchstens anführen, dass die "Traumfrau" Nick nur aus Frust so viel sexualisieren könnte, weil sie bei den „Promi-Singles“ keinen Kerl abbekommen hat. Immerhin äußerte sie sich im Gegensatz zu ihren Jury-Kollegen noch in ganzen Sätzen.

Wigald Boning, der Zweite im Bunde, blieb eher wortkarg. Denn ihm war anzusehen, dass ihn wohl nur sein Vertrag mit Sat.1 in die Sendung gezwungen hat. Als drittes Jury-Mitglied installierten die Macher der Show MTV-Moderator Joachim (Joko) Winterscheidt. Von ihm musste Kai Pflaume verschämt zugeben, dass ihn bislang noch keiner kenne, was sich jetzt aber sicher ändere.

Während es bei der Besetzung der Jury nur Schwierigkeiten gab, so war es für SAT.1 unmöglich auch nur einen echten Prominenten als Kandidat für die Tanzeinlagen zu gewinnen.

Und so musste dann wieder die vierte Garde auf die Bühne: Ein alternder Schlagersänger (Roberto Blanco), eine publicity-süchtige Exfußballer-Frau (Claudia Effenberg), ein verwirrter Chorleiter (Gotthilf Fischer) und eine neurotisch-naive Bauunternehmer-Ex-Gattin (Mausi Lugner). Möchte man all diese Menschen ohnehin schon nicht im Fernsehen sehen, sind sie tanzend eine echte Zumutung.

Und wer ist Schuld an der ganzen Misere? RTL, der Sender hat vor ein paar Wochen verkündet, seine Promi-Tanzshow „Let's dance“ in diesem Herbst nicht zu produzieren. Da konnten die ewig unterlegenen Konkurrenten von Sat.1 gar widerstehen und diese Lücke mit einem eigenen Tanz-Format zu füllen. Mit heißer Nadel gestrickt musste ein Schnellschuss her, um die Chance auf Quote wahrzunehmen.

Dass es dafür sowohl an Ideen als auch an Personal mangelte: Wen schert's? Was heraus gekommen ist, wird uns die kommenden Wochen weiter quälen.