Bohlen-Show auf RTL

Zickig, kriminell, nervös – die Typologie für DSDS

Neue Castingrunde bei DSDS. Und wieder gab es viele Namen und Gesichter. Doch am Ende entschied sich die Jury für eine klassische Besetzung. Eine Typologie.

Namen sind Schall und Rauch. Gesichter flüchtig, schwer zu unterscheiden: Wer zufällig beim Hopping durch die TV-Kanäle auf die neue Castingrunde von „Deutschland sucht den Superstar“ trifft, der wird wohl häufig denken: Hab ich diesen Kandidaten nicht schon in der letzten Runde gesehen?

Mädchen tragen hier knappe Oberteile, gefärbte Haare und glitzernde Ohrringe, Jungs viel Gel, Goldketten und Mützen. Sie heißen Marvin, Jenny oder Dennis, gehen zur Schule oder finden keinen Ausbildungsplatz. Sie haben keine Perspektive und einen Berufswunsch, bei dem jeder Arbeitsvermittler verzweifeln würde: Deutschlands neuer Superstar zu werden.

Viele haben das vor ihnen versucht, viele sind gescheitert. Und so setzt auch RTL lang schon auf Stimmung statt Stimmen – auf die perfekte Besetzung der Popstar-Soap. Orientieren kann man sich hier längst nicht mehr an Namen, zu schnell fliegen sie vorüber, zu sehr ähneln sie sich, zu schnell verschwinden sie wieder. Aber es gibt Typen, die immer wiederkehren. Eine Auswahl:

Die Zicke. Wer den Recall überstehen will, der darf nicht nur an sich selbst denken. Mit diesem pädagogischen Gedanken werden die Kandidaten in Castingrunde zwei in Kleingruppen eingeteilt – für viele eine zwischenmenschliche Herausforderung. Während die anderen Gruppenmitglieder fleißig üben, bricht die Zicke aus, macht ihr eigenes Ding. Und versagt am Ende kläglich. Denn nur wer ein echter Team-Player ist, kann schließlich Deutschlands nächster Superstar werden.

Die Soziale. Sie weint, wenn andere gehen müssen, tröstet, wenn jemand Angst hat. Auch diesen Phänotypen braucht eine emotionale Castingrunde – ein Mädchen oder (seltener) einen Jungen, der sich selbst zurücknimmt, andere integriert. Da ist die Gruppe von drei Mädchen, die ihren Song bereits perfekt geprobt haben. Und dann kommt auf einmal eine Vierte hinzu, nur Stunden vor dem Auftritt. Sie kennt den Text nicht, schlimmer noch: Sie kann nicht mal lesen. Doch als die Nachzüglerin schließlich als einzige nicht weiterkommt, fließen bei allen Mädchen Tränen. Da wird geherzt und getröstet, vor allem aber geheult und geheult.

Der vom Schicksal gebeutelte. Ein verstorbener Vater, eine kranke Tante, ein untreuer Freund, eine Organtransplantation: Viele der Kandidaten haben ihr Päckchen zu tragen – viele tragen es auch sehr offen mit sich herum. Sie können den Text nicht, weil der Freund am Tag zuvor Schluss gemacht hat, brechen zusammen, weil ein Lied sie an den letzten Liebeskummer erinnert. Gern hat die Jury hier Erbarmen, macht eine gute Story eine schlechte Stimme wett.

Der Unzuverlässige. Die Gruppe will proben, aber einer fehlt. Er lernt auch seinen Text nicht, geht lieber saufen statt schlafen, steht schließlich beim Auftritt belämmert da und stammelt etwas von „familiären Problemen“. Nicht mit Bohlen: Wer hier nicht 150 Prozent gibt, fliegt – das lässt sich an solchen Typen gut unter Beweis stellen. Auch wenn der Poptitan da natürlich ab und zu eine Ausnahme macht: Wer glaubhaft versichert, sich bessern zu wollen, bekommt eine zweite Chance. Schließlich braucht auch der Re-Recall noch eine Prise Drama.

Der Kriminelle. Haftbefehl wegen schwerer Körperverletzung, sich aber dann ins Fernsehen stellen und singen wollen: Auch in dieser Staffel hat das mal wieder einer zu Stande gebracht. Schon nach dem Casting hatte damit geprahlt, dass er sich von Dieter Bohlen nichts sagen lassen wolle. Auch wenn dieser ihn für ein Talent hielt – am Ende machte der Haftrichter einen Strich durch die Karriereplanung.

Der Selbstüberschätzer. Große Töne spucken, aber nicht singen können: Auch von der Spezies schaffen es für gewöhnlich eine ganze Reihe in den Recall. Kein Wunder: sitzt das Vorbild dieser Lautsprecher doch seit Jahren selbst in der Jury.

Der Nervöse. Der Junge ist aufgeregt. Er hat irrsinnige Kopfschmerzen, die ganze Nacht nicht geschlafen und noch immer will sich der Text nicht in seinem Hirn festsetzen. Da können ihm die anderen Kandidaten noch so häufig Mut zusprechen – am Ende versagt das Nervenbündel, verpatzt dreimal den Einstieg. Doch DSDS wäre kein modernes Märchen, bekäme der unsichere Junge nicht noch eine zweite Chance. „Du kannst was“, vermutet Bohlen und winkt ihn weiter, ohne dass er auch nur einen geraden Ton herausbekommen hätte.

Der Außenseiter. Der Typ ist nicht das, was man sich unter einem Superstar vorstellt. Groß und breit wie ein Bär, schlecht gekleidet, unsicher. Doch er hat einen Fan: Dieter Bohlen ist davon überzeugt, aus dem großen Mann einen großen Mann machen zu können und winkt ihn durch. Das Kalkül: Spätestens auf den Malediven, wo der Recall in die nächste Runde geht, wird Marvin sicherlich für ein paar gute Szenen sorgen.

Der Unermüdliche. Immerhin einen Namen kennen DSDS-Zuschauer inzwischen nur zu gut: Menderes. Siebenmal ist er zum Casting gekommen, siebenmal ohne Recall-Zettel wieder nach Hause gefahren. In dieser Staffel hatte Bohlen schließlich Erbarmen – er schickte den Jungen mit der Fistelstimme in die zweite Runde. Um ihn dann erstaunlich freundlich zu verabschieden. „Alles andere wäre unfair. Denn da sind Leute dabei, die sind einfach besser“, sagt der Poptitan. Womit er Recht hat. Und doch ist die Aussage heuchlerisch. Schließlich geht es hier nicht um Fairness, auch nicht um guten Gesang. Es geht um Typen – und die richtige Besetzung der Castingsoap.

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