Prostitution

"Freier" im Westerwald-Missbrauchsdrama angeklagt

Weitere Männer sind im Missbrauchsdrama vom Westerwald angeklagt. Ein 60- und ein 63-Jähriger sollen für Geld Sex mit den Töchtern von Detlef S. gehabt haben.

Im Missbrauchsprozess gegen einen 48-Jährigen Vater aus dem Westerwald hat die Staatsanwaltschaft zwei Männer angeklagt, die die beiden Töchter des Hauptangeklagten gegen Geld missbraucht haben sollen. Sie sollen als "Freier" aufgetreten sein.

Wie das Nachrichtenmagazin „Focus“ berichtete, soll der Hauptangeklagte Detlef S. den inzwischen 60 und 63 Jahre alten Männern seine Stieftochter und seine Tochter regelmäßig als Prostituierte zugeführt haben. Anderen Berichten zufolge soll S. bei den Übergriffen auch zugesehen haben.

Dem 60-Jährigen wird Missbrauch der heute 18-jährigen leiblichen Tochter von S. und der 28-jährigen Stieftochter, mit der S. insgesamt acht Kinder gezeugt hat, in 53 Fällen zwischen 1995 und 2009 vorgeworfen. Der 63-Jährige wird beschuldigt, 2009 die damals 16-jährige leibliche Tochter von Detlef S. „in fünf Fällen gegen Entgelt sexuell missbraucht zu haben“. Vor Beginn ihrer eigenen Verfahren sind beide Beschuldigte im Prozess gegen Detlef S. als Zeugen geladen.

Der angeklagte Familienvater hat zugegeben, seine Tochter jahrelang missbraucht und für Sex an andere Männer verkauft zu haben. Diese Vorwürfe der Anklage träfen zu, sagte der Verteidiger des 48-Jährigen nach Rücksprache mit seinem Mandanten vor dem Koblenzer Landgericht.

Damit hat er einen Großteil – wohl um die 300 – der 350 angeklagten Taten eingeräumt. Zuvor war die 18-jährige Tochter als Zeugin wiederholt bei ihrer Aussage in Tränen ausgebrochen. Richter und Anwälte zeigten sich nach ihren Aussagen tief bewegt. Dem 48-Jährigen aus Fluterschen im Westerwald drohen bei einer Verurteilung bis zu 15 Jahre Haft – auch Sicherungsverwahrung ist beantragt.

Von einem jahrelangen Martyrium berichtete der Stiefsohn in seiner Befragung vor Gericht. Er erinnerte sich laut Gericht daran, dass ihn der Stiefvater einmal Ende der 1980er Jahre missbraucht habe – in der Anklage beziehen sich zwei Taten auf den Stiefsohn. Der junge Mann berichtete, wie der Stiefvater immer wieder zu Teppichklopfer oder auch einem Holzstiel mit Lederriemen griff, der 20 Zentimeter lange Striemen hinterließ. Der Anwalt des Stiefsohnes, Bernd Lindlein, betonte: „Für meinen Mandanten war dieser Tag unheimlich schwer.“ Er habe Angst gehabt, dass die Befragung abgebrochen werden müsste.

Die Zwillingsschwester hatte bereits am ersten Verhandlungstag die Anklagevorwürfe im Wesentlichen bestätigt. Sie war auch am Mittwoch ins Gericht gekommen, um ihrer Stiefschwester beizustehen. Lindlein betonte mit Blick auf den Angeklagten: „Dass er verurteilt wird, ist klar – die Frage ist weswegen.“ Er ergänzte: „Der Mann ist unberechenbar.“ Ein Ende des Verfahrens sei noch nicht abzusehen. Derweil berichteten die Halbschwestern der Illustrierten „Bunte“, künftig ein möglichst normales Leben führen zu wollen.

Sie träume von einem Leben „ohne Gewalt. Ohne Schläge. Ohne Fremdbestimmung“, sagte die 27-jährige Stieftochter. Die 18-jährige leibliche Tochter des Mannes beginnt den Angaben zufolge im Sommer eine Ausbildung zur Hotelfachfrau. „Papa wollte nicht, dass wir Mädchen zur Schule gehen. Dort hatte er ja keine Kontrolle über uns.“ Über ihren Vater sagt sie: „Wenn er aus dem Gefängnis freikommen würde, würde ich weglaufen.“ Doch die junge Frau scheint tief zerrissen. Nach der Vernehmung äußerte sie den Wunsch, sich noch von ihrem Vater zu verabschieden. Vater und Tochter hätten sich dabei in den Arm genommen, berichtete Anwältin Buhr.