Ohio

Verweste Leichen bei Sexualstraftäter entdeckt

Bei den Ermittlungen gegen einen verurteilten Vergewaltiger im US-Staat Ohio hat die Polizei erneut einen grausigen Fund gemacht. In dem Haus in Cleveland, in dem der 50-Jährige lebte, wurden vier weitere Leichen und ein Schädel entdeckt. Damit würde sich die Zahl der Opfer auf elf Frauen erhöhen.

Elf verweste Leichen und ein Schädel – und das ist vielleicht noch nicht alles. Nach der Entdeckung immer mehr menschlicher Überreste im Haus eines verurteilten Sexualstraftäters in Cleveland sucht die Polizei nach möglichen weiteren Opfern. Inzwischen wurde der Mann wegen fünffachen Mordes angeklagt - weitere Anklagen werden vermutlich folgen. „Dieser Mann hatte anscheinend einen unstillbaren Appetit, den er befriedigen musste“, sagte der Polizeichef von Cleveland.

Wie die Polizei bestätigte, gehört ein Schädel, der in einem Eimer im Keller des Hauses gefunden wurde, zu einem elften Opfer. Jetzt sollen Wände und Zwischendecken des Hauses abgeklopft und die Durchsuchung verlassener Gebäude in der Nachbarschaft ausgeweitet werden, kündigte Polizeichef Michael McGrath an.

„Ich will hoffen, dass da nicht noch etwas ist – aber das wissen wir erst, wenn wir alles durchsucht haben“, sagte er. Dem 50-jährigen Anthony Sowell wird bislang fünffacher Mord sowie unter anderem Vergewaltigung und Entführung vorgeworfen. Er war vorige Woche festgenommen worden, nachdem eine Frau ihn wegen Vergewaltigung angezeigt hatte.

Ein Richter in Cleveland verweigerte ihm die Freilassung gegen Kaution. Sowell sei eine „unglaublich große Gefahr für die Öffentlichkeit“, sagte der Richter. Der Verdächtige war bereits als Sexualstraftäter aktenkundig und musste sich regelmäßig bei der Polizei melden. Die Beamten waren nicht berechtigt, sein Haus zu betreten, sahen aber in Abständen nach, ob er noch dort wohnte.

Tote im Wohnzimmer, Schädel im Eimer

Im Zuge der Ermittlungen wegen Vergewaltigung fand die Polizei zunächst die Überreste von sechs toten Frauen – eine im Keller, zwei im Wohnzimmer im Dachgeschoss, zwei in einem Kriechboden und eine im Hinterhof verscharrt. Fünf von ihnen waren erwürgt worden, bei der sechsten war die Todesursache zunächst nicht festzustellen. Beim Umgraben des Hofs stießen die Beamten am Dienstag auf vier weitere Leichen, deren Geschlecht und Todesursache zunächst nicht bekannt war. In einem Eimer im Keller fanden sie zudem einen in Papier verpackten Schädel. Ob er einem elften Opfer zuzuordnen ist, vermochte die Polizei noch nicht zu sagen.

Die Leichen können nach Angaben der Gerichtsmedizin wochen-, monate- oder jahrelang dort gelegen haben. Durch DNA-Tests und Zahnvergleiche wird versucht, die Toten zu identifizieren. „Ich kann mir vorstellen, was Familien durchmachen, die Angehörige vermisst gemeldet haben“, sagte der Bürgermeister von Cleveland, Frank Jackson. „Wir versichern ihnen, wenn wir etwas wissen, erfahren sie es zuerst.“

Wurstmetzgerei fälschlich in Verdacht

Vor dem Haus, einem ordentlichen zweistöckigen Bau mit weißer Holzverkleidung, versammelten sich Dutzende Nachbarn, teilten ihr Entsetzen und beteten miteinander. „Was war das bloß für ein Mensch?“, sagte Anwohnerin Regina Woodland. „Das ist doch unmenschlich.“ Antoinnette Dudley wohnt ein paar Häuser weiter und hat Sowell nur ein paar Mal gesehen, meist biertrinkend auf seiner Veranda. „Ich hätte nicht gedacht, dass er so krank ist“, sagt die 29-Jährige, die den ganzen Sommer unter einem übler Verwesungsgeruch gelitten hat.

Der Gestank plagte die Nachbarschaft schon seit Jahren. Als Verursacher geriet die Wurstmetzgerei neben Sowells Haus in Verdacht. Es wurde so schlimm, dass die Besitzer von „Ray's Sausage“ ihre Abflüsse und Fettabscheider erst reinigen und dann ganz austauschen ließen.

Stadtrat Zack Reed, dessen Mutter in der Nähe wohnt, erinnert sich, dass er das Gesundheitsamt mehrfach aufmerksam gemacht hat. „Was dann passiert ist, wissen wir nicht“, erklärte er. „Der üble Gestank war kein Geheimnis. Wir möchten nicht mit dem Finger auf jemanden zeigen, aber ganz eindeutig hätte man sich anders verhalten können.“ Er und andere Kommunalpolitiker wollten geprüft sehen, ob Polizei und Gesundheitsamt vielleicht Hinweise übersehen hätten, die sie früher zu den Leichen geführt hätten. Er könne sich nicht vorstellen, wie den Polizisten der Gestank habe entgehen können.

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