Hannah Montana

Die neue Britney Spears heißt Miley Cyrus

Mit 15 Jahren hat es die US-Sängerin und Schauspielerin Miley Cyrus schon zum Superstar gebracht. Auch in Deutschland grassiert das Miley-Fieber, seit Super RTL ihre Sitcom "Hannah Montana" zeigt. Es erzählt die Geschichte eines Teenagers, der tagsüber brav in die Schule geht und nachts zum Rockstar wird.

Die neue Britney Spears wohnt noch bei Mama und Papa. Miley Cyrus ist verrückt nach Ketchup – wenn es sein muss, trinkt sie ihn sogar aus der Flasche. Fragt man sie, wovor sie sich am meisten fürchtet, sagt sie, dass ihre kleine Schwester auf die Idee kommen könnte, persönliche Gegenstände aus ihrem Kinderzimmer bei Ebay zu verticken.


Bedenkt man, dass Karten für ein Konzert mit Amerikas neuem Popsternchen bis zu 3000 Dollar auf dem Schwarzmarkt kosten, dann ist diese Sorge nicht unbegründet. Mit 15 Jahren ist die Tochter des bekannten amerikanischen Countrysängers Billy Ray Cyrus schon das, was man einen Superstar nennt. Die Hauptrolle in der TV-Sitcom "Hannah Montana" katapultierte sie 2006 in die Liga der Topverdiener.


Weltweit neun Millionen verkaufter Alben, ein 3D-Konzertfilm, der allein in den USA mehr als 70 Millionen Dollar einspielte, einen Emmy und eine Handvoll weiterer TV-Preise, eine Büste im Wachsfigurenkabinett von Madame Tussaud – Miley hat das geschafft, wovon die Kandidaten der Castingshows nur träumen können. Es gibt Menschen, die sehen in ihr schon die neue Britney Spears.

Tatsächlich verbindet die beiden mehr, als Mileys Managern lieb sein kann. Beide begannen ihre Karriere beim Disney-Channel. Hier Britney Spears, die im Erwachsenenalter gestrauchelte Pop-Prinzessin, über die die „New York Post“ nach ihren jüngsten Eskapaden schrieb, sie sei eine "schamlose, Kaugummi kauende, Drogen schluckende Pop-Schlampe ohne Unterwäsche, die nicht einmal in der Lage wäre, ein Meerschweinchen zu betreuen, geschweige denn ihre Kinder." Dort Mylie Cyrus, die Unschuld vom Lande, der PR-Strategen offenbar eingeflüstert haben, sie solle auf die Frage nach ihren Hobbys antworten, sie relaxe am liebsten auf der elterlichen Farm – beim Schweinefüttern.

Inzwischen hat das Miley-Fieber auch Deutschland erreicht. Seit 2007 läuft die Sitcom bei Super RTL. Am Vorabend bringen es die 30-minütigen Folgen der 1. und 2. Staffel noch in der Wiederholung auf einen stolzen Marktanteil von beinahe 30 Prozent. Es sind vor allem die Mädchen zwischen sechs und 14 Jahren, die die deutsche Tochter des Disney-Channels in München mit Fanpost bombardieren.

Gerade schrieb eine Klasse: "Wir würden gerne bei "Hannah Montana" mitspielen. Können Sie vielleicht in unsere Schule kommen und uns alle casten? BITTE, BITTE,BITTE."

Projektionsfläche für Teenagerträume

Der Hype um Mylie verwundert nicht. Er ist das Produkt einer raffinierten PR-Kampagne. Die beginnt schon mit dem Drehbuch: Mylie führt ein Doppelleben.

Tagsüber ist sie das "all american girl", das unter Pickel-Phobie leidet und sich konsequent in die falschen Jungs verliebt ("er liebt mich, er liebt mich nicht, er liebt mich immer noch nicht – und jetzt habe ich keine Blätter mehr!"). Nachts verwandelt sie sich mit blonder Perücke und knappen Kleidchen in die gefeierte Rocksängerin Hannah Montana. Gemanagt wird sie von ihrem alleinerziehenden Vater, einem Country-Sänger. Es entbehrte nicht der Ironie, dass diese Rolle von ihrem eigenen Dad gespielt wird. Das richtige Leben, es hat Hollywood eingeholt. Ein bisschen spielt die 15-Jährige sich selber.

Das macht sie auch hierzulande zur idealen Projektionsfläche für Teenagerträume. Mit Miley können sich die Mädchen identifizieren. Sie hat einen kleinen nervigen Bruder (Jason Earles) und einen Schrank voller cooler Klamotten, so groß wie eine Turnhalle. Kein Wunder also, dass die „Bravo“ im Begriff ist, sich in ein Mylie-Fan-Magazin zu verwandeln, dass im Internet neue Fanblogs aus dem Boden schießen. Das Geheimnis ihres Erfolges? Neben dieser Frage verblasst sogar die Sorge, dass Bill von Tokio Hotel nach seiner Stimmbandoperation nicht wieder richtig singen könnte. "Sie ist halt nicht so ein Star, dem alles in die Wiege gelegen worden ist", sinniert ein Fan mit dem Pseudonym Kstar de Luxe. "Sie muss selber wie jeder andere auch, hart arbeiten."

Die Highschool hat Mylie Cyrus allerdings vorzeitig verlassen. Privatlehrer bereiten sie auf den Ernst des Lebens vor. Schlittert da, im Schatten von Britney Spears, der nächste Teenie-Star in sein Unglück?

Die Biografie des 15-jährigen Frolleinwunders liest sich, als hätte sie sie ein Karriereplaner auf dem Reißbrett entworfen. Am 23. November 1992 kommt sie als Destiny Hope Cyrus in Tennessee zur Welt. Miley (abgeleitet von Smiley), wie das angeblich immer gut gelaunte Mädchen von seinen Eltern genannt wird, hat das musikalische Talent von Vater Billy Ray Cyrus geerbt.

Der hält sich als Countrysänger mehr schlecht als recht über Wasser, bis er 1992 mit "Achy Breaky Heart" einen internationalen Nummer-Eins-Hit landet, der ihm die Tür nach Hollywood öffnet. In der TV-Serie "Doc" spielt er einen Landarzt, den es nach New York verschlägt.

Mit Vitamin-B-Spritzen kennt sich Papa Billy also aus. Er verschafft seinem Töchterchen einen Gastauftritt in seiner Serie. Und als der Disney-Channel Miley mit zwölf für die Rolle der Hannah Montana castet, da wittert er für sich selber die Chance seines Lebens.

Er übernimmt die TV-Rolle von Mileys Papa und Manager. Und in dieser Funktion komponiert er für die Tochter auch gleich noch eine Reihe von Rocksongs. Nicht ahnend, dass es schon ihr erstes Album 2006 bis auf Platz eins der amerikanischen Charts schaffen würde.

Ein Teenie-Star schlüpft aus dem Ei

Das nennt sich Cross-Promotion. Ein Rockstar schlüpft aus den Eierschalen des Fernsehens. So ähnlich hat die Karriere der Britney Spears auch begonnen: Britney ist gerade acht, als sie ihre ehrgeizige Mutter zum Vorsprechen beim Disney-Channel schleppt. Die Caster schicken sie wieder nach Hause. Für eine Rolle ist Britney da noch zu jung. Sie bekommt aber einen New Yorker Agenten. Der vermittelt ihr erste Rollen in Musicals – und vier Jahre später schließlich auch den begehrten Job beim Disney-Channel. Britney darf den Mickey Mouse Club moderieren.

Als die Sendung eingestellt wird, ist sie in den USA schon ein Star. Sie braucht nur noch ein Demotape bei einer Plattenfirma einreichen. Der Rest ist Legende.

Heute distanziert sich sogar der Disney-Channel von dem einstigen Teenie-Star: In einer anderen erfolgreichen Sitcom des Senders, "Hotel Zac & Cody", dürfen schon zehnjährige Schauspieler nach Herzenslust über die ehrgeizige, aber untalentierte "Popschlampe" lästern.

Bleibt zu hoffen, dass Miley Cyrus ein ähnliches Schicksal erspart bleibt. Fragt man Miriam Hoffbauer vom deutschen Disney-Channel, wie der Sender seinen Kinderstar vor einem späteren Absturz bewahren will, kann sie keine günstigere Sozialprognose abgeben: "Die Eltern Cyrus achten darauf, dass Mileys Termine genügend freie Zeit erlauben und sie nicht zu viel arbeitet. Bei offiziellen Terminen und Drehs ist immer ein Elternteil mit dabei." Heute startet in den deutschen Kinos der amerikanische 3-D-Konzertfilm von Hannah Montanas (Miley Cyrus) jüngster US-Tournee, Titel: "Best of Both Worlds".

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