Urteil

14 Jahre für Mord nach Streit um Fußballergebnis

Wegen der tödlichen Kopfschüsse auf zwei Italiener im Streit um Fußball muss Holger B. 14 Jahre in Haft. Er ist des zweifachen Mordes schuldig.

Mit tieftraurigem Blick fixiert der Italiener den Mörder seines Bruders. Das versteinerte Gesicht hält die Tränen zurück – aber die Enttäuschung über das Urteil ist dennoch sichtbar.

Der Frührentner, der während der Fußball-Weltmeisterschaft im vergangenen Sommer in Hannover zwei Menschen wegen eines trivialen Streits erschossen hat, muss für 14 Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Das Landgericht Hannover bewertet am Dienstag die Taten zwar als Mord.

Die Höchststrafe, wie von der Staatsanwaltschaft und der Nebenklage gefordert, verhängt es jedoch nicht. „Der Täter ist nach Aussage von zwei Gutachtern durch Medikamente, zu viel Alkohol und Übermüdung in seiner Steuerungsfähigkeit erheblich eingeschränkt gewesen“, begründet Richter Wolfgang Rosenbusch das Urteil. Zudem sei der Schütze seit Jahren psychisch krank. Das Gericht ist außerdem überzeugt, dass der heute 43-Jährige noch zu therapieren ist. Nach etwas mehr als fünf Jahren geht er für mindestens zwei Jahre in eine Entziehungsanstalt.

Danach muss er den Rest der Haftstrafe hinter Gittern verbüßen. „Für meine Mandanten ist das Urteil nicht akzeptabel. Sie müssen die Begründungen aber erstmal verarbeiten, sie sind zutiefst erschüttert“, sagt Rechtsanwältin Tanja Brettschneider, die die Familien der beiden Opfer vertritt. In Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft müsse eine Revision geprüft werden. Die Angehörigen selbst verlassen schweigend den Gerichtssaal.

Es scheint, als sei der Verlust ihres Vaters, Bruders und Ehemannes noch zu groß. Einige von ihnen waren extra aus Italien angereist. Der Täter hatte zugegeben, im vergangenen Juli in einer Kneipe im Rotlichtviertel von Hannover die beiden Männer – einen Pizzabäcker und einen Koch – erschossen zu haben. Er war mit ihnen darüber in Streit geraten, ob Deutschland oder Italien mehr Weltmeistertitel errungen hatte.

Die Schüsse in den Kopf und Nacken der Männer waren aufgesetzt, also aus unmittelbarer Nähe abgefeuert. Das zweite Opfer hatte auf Knien um sein Leben gefleht; der Staatsanwalt sprach deshalb von einer regelrechten Hinrichtung. „Wer so schießt wie Sie, der will töten“, betont der Richter. Die beiden Männer, die in der durchgehend geöffneten Kneipe ihren Feierabend ausklingen lassen wollten, hätten keine Abwehrchance gehabt.

Den ersten Mann hatte der Verurteilte mit den Worten „Hier hast du deine vier Sterne!“ erschossen. Die vier Sterne stehen für die Anzahl der errungenen WM-Titel Italiens – Deutschland hat drei. „Beide Opfer mussten sterben wegen eines lächerlichen Streits um eine Fußballfrage“, sagt der Vorsitzende des Schwurgerichts. Nach den Schüssen hatte der Doppelmörder in einem Reisebüro ein Flugticket nach Mallorca gebucht und war vor dem Abflug noch zum Friseur gegangen. Auf der Ferieninsel konnte ihn dann sein Stiefvater überreden, sich der Polizei zu stellen.

In seinem letzten Wort vor der Urteilsverkündung bat der Täter die Familien nochmals um Verzeihung. Dies konnte den Mann aus Italien aber nicht über den Verlust seines Bruders hinwegtrösten. Geschützt von seinen Anwälten und abgeschirmt von den Kameras, verlässt er als sichtbar gebrochener Mann das Gericht..