Zugunglück von Hordorf

Im Osten sind die Bahnen teilweise auf DDR-Niveau

Nach dem Zugunglück in Sachsen-Anhalt steht die Deutsche Bahn weiter in der Kritik. Vielerorts sollen Milliarden falsch investiert worden sein.

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Nach dem Zugunglück in Sachsen-Anhalt hat ein Netzwerk privater Güterbahnen das Sicherheitsniveau im ostdeutschen Schienenverkehr scharf kritisiert. Während in den vergangenen Jahren Milliardenbeträge in Hochgeschwindigkeitsstrecken investiert wurden, sei die Infrastruktur vielerorts auf dem Stand von DDR-Zeiten verblieben, kritisierte das Netzwerk Privatbahnen, ein Zusammenschluss von rund 20 privaten und kommunalen Güterbahnen in Deutschland, in Berlin.

Während die Deutsche Bundesbahn im Westen bereits 1969 alle Hauptstrecken mit einer sogenannten Induktiven Zugsicherung versehen habe, existierten heute in den neuen Bundesländern noch mehr als 800 Kilometer Hauptstrecke ohne diese Sicherung.

Mit der Technik wird ein Zug beim Überfahren eines "Halt“ zeigenden Hauptsignals automatisch abgebremst, auch ein ignoriertes Vorsignal löst binnen vier Sekunden eine Zwangsbremsung aus. "Die Technik ist seit 1934 bewährt und hat seitdem tausenden Menschen das Leben gerettet“, erklärte das Netzwerk in seiner Mitteilung unter der Überschrift "Im Osten stirbt es sich schneller“.

Das Netzwerk forderte das Bundesverkehrsministerium auf, der Deutschen Bahn die Aufrüstung aller Hauptstrecken in Deutschland vorzuschreiben. Sonst setze sich die Bundesregierung dem Vorwurf aus, das Leben von Menschen im Osten Deutschlands weniger hoch zu achten als das von Menschen im Gebiet der alten Bundesrepublik. Der derzeitige Zustand sei auch eine Zumutung für die Lokführer, die in den neuen Ländern Dienst tun. "Die Angst fährt immer mit“, hieß es.

Nach ersten Ermittlungen des Bundesverkehrsministeriums hatte der Lokführer eines Güterzuges ein Vor- und ein Hauptsignal ignoriert. Der Betreiber des Güterzuges, die Salzgitter-Tochtergesellschaft VPS, ist nach Angaben des Verbandes nicht Mitglied des 2001 entstandenen Netzwerkes Privatbahnen. Bahnchef Rüdiger Grube hatte bereits am Montagabend angekündigt, als Konsequenz aus dem schweren Zugunglück schnellstmöglich mehr eingleisige Strecken mit moderner Sicherungstechnik auszustatten.