Festnahme in München

Vermisster Tankstellenpächter ist wieder aufgetaucht

Der verschwundene Tankstellenpächter aus München ist wieder da. Der Polizei tischt er eine "abenteuerliche Geschichte" auf.

So plötzlich, aus heiterem Himmel, wie er am Montag vergangener Woche verschwand, so selbstverständlich tauchte der Münchner Unternehmer Peter Moosheimer, 48, am Samstag wieder auf. Die Polizei hatte tagelang nach ihm gesucht, von Entführung oder gar einem möglichen Gewaltverbrechen war die Rede. Doch die Münchner Polizei hatte von Anfang an auch in andere Richtungen ermittelt. Es könnte auch sein, dass Moosheimer, ein Frauentyp mit aufwendigem Lebensstil und einer Vorliebe für schnelle Autos, wegen einer „finanziellen Notlage“ versucht haben könnte, sich abzusetzen.

Fünf Tage lang hielt der Fall Moosheimer die Ermittler in Atem. Man fand Blutspuren an seinem weißem Porsche, in dem er zuletzt vor seiner Hausbank am Herkomerplatz in München gesehen worden – 750 Meter von der Tankstelle in der Richard-Strauss-Straße entfernt, die Moosheimer gehört.

Doch Markus Kraus, Chefermittler der Münchner Mordkommission, glaubte immer weniger an eine Entführung. Wenn Moosheimer tatsächlich Opfer eines Gewaltverbrechens geworden wäre, müsste es mehr Spuren geben, sagte Kraus. Das ist auch der Grund, warum er jetzt, nachdem Moosheimer vor seiner Tankstelle erkannt und in Gewahrsam genommen worden ist, nicht an die Räuberpistole glaubt, die das angebliche Opfer in der Vernehmung vor dem Ermittlungsrichter zum Besten gab.

Nach Moosheimers Schilderung wurde er am Herkomerplatz von zwei Unbekannten abgepasst, von denen einer ihn mit dem Messer bedrohte und an der Hand verletzte – was das Blut an seinem Porsche erklären würde. Die „Entführer“ hätten ihn dann in ihrem Wagen irgendwohin aufs Land gebracht, in eine Pension, die Moosheimer aber nicht benennen kann. Mehrmals hätten die Täter den Unterschlupf gewechselt und ihn gezwungen, mitzukommen, bis sie ihn schließlich irgendwo aus dem Wagen warfen. Daraufhin sei zur Fuß nach München heim gegangen.

Eine „abenteuerliche Geschichte“ nennt das Markus Kranz. Und der Chef der Mordkommission bekommt dabei Schützenhilfe von Staatsanwältin Nicole Selzman: „So eine Geschichte“, erklärte Selzman in München vor der Presse, „lass ich mir von dem nicht erzählen.“ Der Grund ist nicht nur, dass Entführer normalerweise irgendwann Lösegeld fordern, was im Fall Moosheimer nicht geschah. Es hat auch damit zu tun, dass die Schulden Moosheimers – die Rede ist von rund einer halben Million Euro – ein brauchbares Motiv für eine Flucht abgeben.

Irgendwas, so haben die Ermittler herausgefunden, stimmt auch an den Geschäftszahlen seiner Tankstelle nicht. Als vor dem Ermittlungsrichter die Sprache auf etwaige Manipulationen kam, zeigte Moosheimer sich unerwartet schnell geständig. Betrug und Untreue ja, nur was die Entführung angeht, mauerte er.

Der Ermittlungsrichter freilich machte sich all das seinen eigenen Reim – es erging Haftbefehl wegen Betrugs, Untreue und Vortäuschen einer Straftat. Moosheimer sitzt jetzt in Untersuchungshaft.