Hirschrufer-Wettbewerb

Wenn eine Frau nach dem Hirsch röhrt

Bei dem Wettbewerb des besten Hirschrufers hat erstmals eine Frau mitgemacht. Hildegard Zervos erklärt, wie man mit den Tieren spricht.

Foto: dpa

Morgenpost Online: Röhren Sie doch mal bitte für uns.

Hildegard Zervos: bkchchchch, bkchchch, bkchchch, bkch bkch bkch, bkchchch

Morgenpost Online: Was war denn das?

Hildegard Zervos: Ich hab zu meinem Horn gegriffen und ihnen den alten Hirsch gemacht.

Morgenpost Online: Sie röhren mit Hilfswerkzeug?

Hildegard Zervos: Ja, mit meinem Ochsenhorn, alle Teilnehmer haben so ein Hilfswerkzeug.

Morgenpost Online: Wie sieht das aus?

Hildegard Zervos: 60 Zentimeter lang, an der Öffnung schmal und hinten wieder breit. Wie ein Kuhhorn, so ähnlich, nur größer.

Morgenpost Online: Sind Sie enttäuscht über den letzten Platz beim Wettbewerb?

Hildegard Zervos: Nein. Einmal unter großen Meistern zu sitzen – Berufsjäger, die das schon 30 Jahre lang machen – das war schon was. Ich bin sehr zufrieden.

Morgenpost Online: Röhrt ein alter Hirsch anders als ein junger Beihirsch oder zwei Hirsche im Rufduell? Das waren doch die anderen Kategorien des Wettbewerbs, oder?

Hildegard Zervos: Ein junger Hirsch hat eine hellere Stimme und im Rufduell sind zwei verschiedene Stimmen gegeneinander.

Morgenpost Online: Wo haben Sie dieses große Hirsch-Repertoire her – sprechen Sie „Hirschisch“?

Hildegard Zervos: Nein. Ich bin zum zehnten Mal hier bei der Messe und war immer fasziniert vom Hirschruf. Und dann hört man das oft und trainiert sich das selbst an. Mit dem Ochsenhorn, das ich mir dann besorgt habe.

Morgenpost Online: Und wie röhrt man wie ein Hirsch?

Hildegard Zervos: Indem man so ruft, wie der Hirsch auch ruft. Man muss sich in den Hirsch hinein versetzen.

Morgenpost Online: Sie fühlen sich dann wie ein Hirsch?

Hildegard Zervos: Nein, ich höre den Ruf und ahme ihn einfach nach.

Morgenpost Online: Wie oft muss man röhren, um gut zu sein?

Hildegard Zervos: Was ich gehört habe, muss man das ganze Jahr üben. In der freien Natur. Da muss man schon dem Hirsch sehr nah sein.

Morgenpost Online: Machen Sie denn noch einen Jägerschein?

Hildegard Zervos: Nein. Wenn ich 20 Jahre jünger wäre, bestimmt.

Morgenpost Online: Was machen Sie sonst so, außer Hirsche zu rufen?

Hildegard Zervos: Ich komme aus der Nähe von Köln, aus Oberzier. Ich bin Hausfrau, habe einen Mann, der seit elf Jahren im Rollstuhl sitzt, weil er an MS erkrankt ist und drei Pferde und einen Hund. Wir haben ein Haus ein bisschen abseits.

Morgenpost Online: Mit Zugang zum Wald?

Hildegard Zervos: Ja, drei Kilometer. Ich bin jeden Tag mit den Hunden im Wald.

Morgenpost Online: Und wie oft stand schon ein Hirsch zuhause auf der Matte?

Hildegard Zervos: Bei uns gibt es keine Hirsche. Nur in der Eifel.

Morgenpost Online: Dann haben Sie ja immer umsonst gerufen...

Hildegard Zervos: Sie können sich nicht einfach in den Wald stellen und den Hirsch rufen, was glauben Sie, was der zuständige Förster oder Jäger sagen würde? Der würde Sie erschießen!

Morgenpost Online: Oh Gott. Sie haben also mehr Angst vorm Jäger als vorm Hirsch?

Hildegard Zervos: Nein. Man muss jeden respektieren. Ich kann nicht einfach in den Wald gehen und den Hirsch rufen!

Morgenpost Online: Also haben Sie den Hirsch im Wohnzimmer gerufen? Wie hat Ihr Mann reagiert?

Hildegard Zervos: (lacht) Ja, mein Mann hat Spaß.

Morgenpost Online: Wie würde denn ein Hirsch auf einen Ruf reagieren, wenn es einen bei Ihnen gäbe?

Hildegard Zervos: Wenn man den Hirschruf richtig macht und in der Brunftzeit, würde der Hirsch sich zeigen. Weil er glaubt, es wäre ein Nebenbuhler da.

Morgenpost Online: Er würde Sie dann aber als Mensch erkennen, oder?

Hildegard Zervos: Das ist eine gefährliche Sache. Wenn man den Hirsch provoziert in der Brunft, das darf man nicht so einfach so leicht nehmen.

Morgenpost Online: Ist da mal was passiert?

Hildegard Zervos: Nein, ich hab das nur mal gelesen, dass man da aufpassen muss.

Morgenpost Online: Im Wald haben Sie ja auch noch nicht gerufen, wie Sie sagten, aber vielleicht mal woanders?

Hildegard Zervos: Einmal an einem Wildgehege. Da ist der Hirsch bis zum Zaun gekommen und hat so Imponiergehabe gezeigt, sich umgeschaut.

Morgenpost Online: Hatten Sie da Angst?

Hildegard Zervos: Nein, da war ja ein Zaun dazwischen.

Morgenpost Online: Machen Sie nächstes Jahr wieder mit?

Hildegard Zervos: Vielleicht.

Morgenpost Online: Nicht mal für die Quote? Wäre doch ziemlich aktuell.

Hildegard Zervos: Nein.

Morgenpost Online: Was haben denn die männlichen Kollegen gesagt?

Hildegard Zervos: Manche haben gesagt, sie finden das ganz toll. Und dass sie auch klein angefangen hätten.

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