Goldene Kamera

Monica Lierhaus - Ihr Heiratsantrag rührt Millionen

Es war der emotionale Höhepunkt der Gala: Bei der Verleihung der Goldenen Kamera in Berlin hat sich „Sportschau"-Moderatorin Monica Lierhaus nach zweijähriger Krankheitspause wieder in der Öffentlichkeit gezeigt. Und wie.

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Der Auftritt der ehemaligen Sportschau-Moderatorin machte die Preisverleihung in Berlin fast zur Nebensache.

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Wie so vielen im Saal liefen Nina Ruge Tränen die Wangen hinunter. Herbert Knaup schlug sich ergriffen die Hände vors Gesicht und Simone Thomalla ließ ihren Gefühlen freien Lauf. Als Monica Lierhaus zum Ende der 46. Verleihung der Goldenen Kamera mit ihrem Lebensgefährten Rolf Hellgardt die Bühne betritt, geht ein Raunen durch die Reihen.

Die einst so lebenslustige Moderatorin bekommt den Ehrenpreis der Goldenen Kamera. Er gilt ihrer Tapferkeit und Zuversicht. Nach schwerer Krankheit infolge einer Hirn-OP vor zwei Jahren hatte sich die bis dahin erfolgreichste Sportmoderatorin im deutschen Fernsehen komplett zurückgezogen. In den Bewegungen noch eingeschränkt, ihre Sätze mühevoll formulierend, wagt sie sich wieder in die Öffentlichkeit. "Das ist ein sehr emotionaler Moment für mich", sagt sie. "Es ist tatsächlich lange her, dass ich auf einer Bühne stand. Unter diesen Voraussetzungen ohnehin schon mal gar nicht", fährt sie in ihrer berührenden Dankesrede fort. "Jetzt kann ich es selbst kaum fassen - da bin ich."

Es sei nicht einfach, das alltägliche Leben wieder neu zu lernen. "Das wichtigste ist, an meiner Eigenständigkeit und Unabhängigkeit zu arbeiten, um wieder vor der Kamera stehen zu können."

Bewegt dankt sie ihren Eltern, ihrer Schwester Eva, ihrer Krankenschwester Jacqueline, ihren Ärzten und Therapeuten. Der größte Dank aber gilt ihrem Lebensgefährten Rolf Hellgardt. "Ohne dich würde ich hier sicher nicht stehen. Du bist mein Held." Am Ende ihrer Rede dann die ganz große Überraschung. Die 40-Jährige bittet ihren Partner zu sich. "Ich möchte dich fragen, ob du mich heiraten möchtest", sagt sie vor laufenden Kameras. "Ja, ja, ja und ja" - nimmt der zu Tränen gerührte Bräutigam den Antrag an und geht vor ihr auf die Knie.

Mit diesem Moment löst sich ein wenig die Anspannung unter den 800 Zuschauern. Sie hatten eine außergewöhnlich emotionale Preisverleihung erlebt. Zuvor hatte Thomas Kretschmann an den großen Beweger des deutschen Kinos, Bernd Eichinger, erinnert. "Seine Filme machen ihn unsterblich. Er war der Mann am Drücker. Ihm konnte man vertrauen. Er war der Mann, der immer wusste, wie es geht, der alle Widerstände überwand", sagte Kretschmann sichtlich ergriffen. "Er war eine Naturgewalt, unvergesslich." Kretschmann erinnerte sich: "Bernd stand vor ein paar Wochen vor seiner Vitrine und hat gesagt, die Goldene Kamera ist die einzige, die noch fehlt." Jetzt bekam er sie: "Bernd, die ist für dich."

Nicht weniger emotional hielt Iris Berben ihre Laudatio auf Armin Mueller-Stahl, der für sein Lebenswerk geehrt wurde. "Er ist ein Kompass für mich, jemand, der mit Ruhe zeigt, wohin die Reise gehen soll", sagte sie. "Das große M haftet ihm an, er ist Maler, Musiker, Meister der Feder, Mann - und was für einer." Standing Ovations für den erfolgreichen Schauspieler. Und diesmal war er derjenige, der Tränen in den Augen hatte. Er sagte, er habe wegen der Auszeichnung sein Leben Revue passieren lassen und letztlich an einen Moment gedacht. Der Tag, an dem die Mauer fiel, den er im fernen Baltimore erlebte. "Ich sah merkwürdige Bilder, Menschen auf der Mauer und davor und dachte zunächst, Hollywood gehen die Stoffe aus." Doch das war kein Traum.

Die Goldene Kamera für das Lebenswerk International ging an Hollywoodschauspieler Michael J. Fox. Für die Laudatio auf den seit 20 Jahren an Parkinson erkrankten Star war Vorjahrespreisträger Danny DeVito eingeflogen. "Andere wären bei der Diagnose am Boden zerstört gewesen. Michael nahm es als Herausforderung." Die deutschen Stars zeigten sich zutiefst beeindruckt von dessen Lebenseinstellung: "Dass er so öffentlich mit seiner Krankheit umgeht, hilft vielen, die selbst an Parkinson erkrankt sind", sagte Schauspielerin Susanne Lothar stellvertretend für viele. Wieder erhoben sich die Gäste. Als Fox seinen Preis in Empfang nahm, bekam er begeisterten Applaus. "Ich danke ihnen allen sehr herzlich." Und dann bewies er den für ihn so typischen Humor: "Wenn ich mir den Preis ansehe, fühle ich mich fast schon alt."

Auch seine Kollegin Renée Zellweger war aus Hollywood nach Berlin gekommen. Sie wurde in der Kategorie Beste Schauspielerin International geehrt. "Ich bin sehr bewegt und inspiriert und unheimlich beeindruckt vom Talent der Künstler, die die Goldene Kamera schon bekommen haben", sagte sie.

Auch die deutschen Künstler hatten Grund zu feiern. Anna Loos und Ulrich Tukur wurden mit der Goldenen Kamera als beste nationale Schauspieler ausgezeichnet. Anna Loos jubelte: "Ich habe nichts aufgeschrieben. Ich bin ziemlich gut erzogen, und weiß, wem ich zu danken habe", sagte sie. An ihre Tochter gewandt, fügte sie hinzu: "Liebe Lilly, Du musst jetzt ein halbes Jahr Röcke und Kleider tragen, Du hast verloren." Bei Anna Loos zu Hause werden ab sofort sogar zwei Goldene Kameras stehen. Ihr Mann Jan Josef Liefers wurde in der Kategorie Bestes Ermittler-Team gemeinsam mit seinem Kollegen Axel Prahl für den "Tatort" Münster ausgezeichnet. "Ich muss ein Abendessen mit Danny DeVito arrangieren, weil meine Kollegin Chris Tine Urspruch gern mit ihm ausgehen will", sagte Liefers. Preisträger Ulrich Tukur bedankte sich für seinen Preis: "Ich bin überwältigt, ich hätte nicht damit gerechnet, dass ich gewinne."

Andere Preisträger standen vorab schon fest. Wie immer mit etwas piepsig-aufgeregter Stimme hatte Lena Meyer-Landrut ihre Trophäe entgegen genommen. "Die Goldene Kamera ist wunder-wunderschön. Das ist eine große Anerkennung für mich. Das ist so krass und das ist so wahnsinnig berührend", sagte sie. Und gab im Anschluss an ihre Dankesrede ihren Hit "Satellite" a cappela zum Besten. Mit Band trat hingegen Soul-Legende Gloria Gaynor (Lebenswerk Musik) auf. Bei ihrem Evergreen "I Will Survive" brachte sie die Gäste zum Tanzen - als allen noch zum Feiern zumute war. Der Saal tobte und das Publikum verlangte eine Zugabe. Da ließ es sich der Moderator des Abends, Hape Kerkeling, nicht nehmen, mit Gaynor zusammen "I Am What I Am" zu schmettern.

Auf Deutsch bedankte sich John Travolta, der als bester Schauspieler international geehrt wurde. "Ich bin glücklich und stolz. Ich liebe euch alle. Gute Nacht und auf Wiedersehen." Der wegen seiner Scientology-Mitgliedschaft nicht unumstrittene Schauspieler sah die Preisverleihung auch von der wirtschaftlichen Seite: "Es ist gut fürs Geschäft", sagte er auf die Frage, was ihm der Preis bedeute. "Ich fliege direkt zurück in die USA. Ich darf das Superbowl-Finale nicht verpassen."

Dafür verzichtete er im Anschluss an die Preisverleihung auf die Dinnerparty. Stimmung wollte im reich dekorierten Saal zunächst aber nicht aufkommen. Der vollkommen überraschende Auftritt von Monica Lierhaus hatte alle tief berührt: Ulrich Wickert sprach vielen aus dem Herzen: "Es ist schön zu sehen, wie gut es ihr geht. Ihr Ziel, wieder vor der Kamera zu stehen, ist wichtig. Es treibt sie an."

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