Hessen

Größter Schlag gegen Dopingszene in Deutschland

Anabolika und Aufputschmittel im Wert von zehn Millionen Euro sind in Hessen beschlagnahmt worden. Der Zoll hat ein ganzes Dopingnetzwerk gesprengt.

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Fahnder des Zollamtes Frankfurt haben in Hessen verbotene Dopingmittel im Wert von mehreren Millionen Euro beschlagnahmt. Es sei der größte Fund an illegalen Wachstumshormonen und Aufbaupräparaten der jemals in Deutschland sichergestellt wurde, sagte ein Sprecher des Zollkriminalamtes in Köln. Er bestätigte einen Bericht des „Spiegel“.

Dem Nachrichtenmagazin zufolge wurden bei einer Razzia im mittelhessischen Nidda im vergangen September illegale Arzneimittel im Wert von rund zehn Millionen Euro entdeckt. Nach Angaben des Sprechers gab es seitdem weitere Durchsuchungen.

In einer groß angelegten Aktion wurde unter anderem ein illegales Lager in einer ländlichen Gegend in Mittelhessen ausgehoben, in dem sich rund fünf Millionen Ampullen und Tabletten mit Anabolika, Hormonpräparaten, Aufputsch- und Potenzmitteln befanden. Sie waren zuvor in Untergrundlaboren in Europa, Indien, China und Pakistan produziert worden.

Ein Dopingnetzwerk gesprengt

Der deutsche Zoll zerschlug zudem gemeinsam mit österreichischen Ermittlern ein seit Jahren agierendes Doping-Netzwerk, das die Substanzen über mehrere Internet-Plattformen vertrieb. In Österreich wurden drei Lagerstätten durchsucht. Insgesamt nahmen die Fahnder bei den grenzüberschreitenden Razzien mehrere Dutzend Personen fest.

Ermittler bestätigten, dass die nunmehr sichergestellten Substanzen „mit Abstand eine Rekordmenge“ darstellen. Dies sei „die bislang größte Sicherstellungsmenge“ gewesen und dieser Rekordfall verdeutliche, dass das Problem der Doping- und Arzneimittelkriminalität „erheblich größer“ sei als in der Öffentlichkeit zumeist angenommen werde. In Deutschland werden nach Expertenschätzungen in diesem Bereich mehrere 100 Millionen Euro jährlich umgesetzt.

Der Dopinghandel ist nach Angaben der Zollfahndung mittlerweile für manche Kriminelle attraktiver als der Drogenhandel. Er verspreche eine „extreme Gewinnspanne, es würden weder Zwischenlager noch Kuriere benötigt, und die Präparate seien ohne großen Aufwand in Kellerlaboren in Tabletten- oder Ampullenform zu pressen.

Der Versand erfolge häufig unauffällig an den Behörden vorbei über Postsendungen oder Paketdienste. Die Abnehmer der illegalen Mixturen sind vor allem Freizeitsportler aus dem Kraftsport- und Ausdauerbereich.