Schneechaos

Schwerster Blizzard seit 60 Jahren in den USA

Das Reisen ist in den USA lebensgefährlich geworden, warnt der Nationale Wetterdienst. Chicago erwartet mehr als 50 Zentimeter Neuschnee.

Foto: AP / AP/DAPD

Er ist weit über 3000 Kilometer lang, er sucht ein Drittel des riesigen Landes heim, er kann mehrere Tage dauern, und sein Name lässt schaudern: „Monsterstorm“ heißt in den Medien und in der Bevölkerung der gewaltige Blizzard, der mit Schnee, Hagel, Eis und Geschwindigkeiten von über 110 Kilometern über die USA hinwegfegt. Von New Mexiko und Texas aus nahm er einen Bogen bis Maine an der Atlantikgrenze zu Kanada. Er wütete durch 30 Bundesstaaten im Süden, im Mittleren Westen und im nordöstlichen New England.

Chaos, Stromausfälle für mindestens 300.000 Menschen und Verkehrsstillstand auf unzähligen Straßen waren die Folge. Pendler mussten ihren Weg zur Arbeit oder nach Hause abbrechen und den Schutz von Hotels suchen. Der Monstersturm gehört laut Nasa zu den heftigsten der vergangenen 60 Jahre. „Reisen ist gefährlich und lebensbedrohlich“, warnt der Nationale Wetterdienst. Der Bevölkerung wurde in vielen Regionen empfohlen, die Wohnungen nicht zu verlassen.

Chicago erwartete nach einer Nacht mit Blitz und Donner mehr als 50 Zentimeter Schnee. Sogar die Höchstmarke von 1967 mit 61 Zentimetern schien erreichbar. Für die Schulkinder gab es erstmals seit zwölf Jahren einen freien „Schneetag“. Viele Betriebe und Büros schlossen. Der Beginn der Bürgermeisterwahl, zu der auch Barack Obamas vormaliger Stabschef Rahm Emanuel antritt, wurde verschoben. Die beiden Flughäfen der Stadt stellten zunächst den Betrieb ein. In den gesamten USA wurden deutlich über 10.000 Flüge gestrichen.

Auf dem International Airport im texanischen Dallas-Fort Worth war der Betrieb wegen Eisregens und Windgeschwindigkeiten knapp unter 100 Stundenkilometern vorübergehend geschlossen worden – just zu dem Zeitpunkt, als die ersten Football-Fans wegen des 45. Superbowl-Finales anrückten. Auf spiegelglatten Highways bildeten sich Staus. Trucks wurden von Böen in den Straßengraben geschleudert.

Louisiana und Mississippi gaben Tornadowarnungen aus. In Oklahoma, Kansas und Missouri meldeten Farmer schwere Schäden, die die Rinder- und Schweinezucht ebenso betreffen wie den Ackerbau. Die Preise für Lebensmittel stiegen an. In Tulsa (Oklahoma) erschien die Tageszeitung erstmals seit 100 Jahren nicht.

Um die bereits eingeschneite Hauptstadt Washington machte der Monstersturm einen gnädigen Bogen. Überfrierender Regen suchte hingegen New York heim. In Boston wurde mit einer Schneehöhe von 1,70 Metern gerechnet. Für die Menschen in New England ist der „Monsterstorm“ bereits das sechste Unwetter, das die Region in den vergangenen 35 Tagen heimsuchte.