Ludolf-Fim auf Dmax

Günter sagt den Jungs zum letzten Mal "Gute Nacht"

Sein plötzlicher Tod war ein Schock: Zum Gedenken an Günter wiederholt Dmax heute Abend den Film "Die Ludolfs: Dankeschön für Italien!".

Foto: defd / defd/508809

Es beginnt mit Günter. Und es endet mit Günter. Vor eine gelbe Wand gesetzt erzählt der Mann in blauer Latzhose von seinem Traum, den er immer als Kind hatte. Er sei darin in ein schwarzes Loch gefallen, vor Schreck schweißgebadet aufgewacht und wieder eingeschlafen. Dann fragt Günter in die Kamera „Was hat das zu bedeuten?“

Vor zwei Tagen wurde Horst Günter Ludolf von seinem Bruder Uwe tot aufgefunden. Herzstillstand.

Zum Gedenken an den wortkargen Autoverwerter wiederholt dessen Heimsender Dmax heute Abend um 20.15 Uhr den Kinofilm „Die Ludolfs: Dankeschön für Italien!“ über die Italienreise der vier Schrottplatz-Brüder. „Für Dmax waren und sind die Ludolfs mehr als nur eine TV-Serie. Der Verlust schmerzt uns sehr“, teilte der Sender mit. Die aufrichtige Anteilnahme gelte den Hinterbliebenen, vor allem seinen Brüdern Peter, Uwe und Manni. Die Serie „Die Ludolfs – 4 Brüder auf’m Schrottplatz“ läuft seit 2006 auf Dmax, einem Ableger des Discovery Channels mit Männerprogramm, nachdem der Südwestrundfunk mit einem Bericht über das Dernbacher Dorfjubiläum auf die Ludolfs vom Schrottplatz in Rheinland-Pfalz aufmerksam gemacht hatte. Acht Staffeln, 92 Folgen sind mittlerweile abgedreht, 17.000 Menschen kamen 2007 zum „Tag der offenen Tür“ und im April 2009 flimmerte dann schließlich der Kinofilm über die Leinwände: die Ludolfs auf Italienreise.

In Gedanken an Muttichen und Vattichen

In diesem wird zunächst, wie in der Doku-Serie auch, der Alltag der vier Ludolfs auf dem Schrottplatz gezeigt. Günter sitzt ketterauchend am Telefon und nimmt Kundenanrufe entgegen, Peter stapft gen Lager, zieht zielsicher gewünschte Teile aus dem monströsen Schrotthaufen, den er „Schatztruhe“ nennt und schreit oft und viel nach der Hilfe seiner Brüder Uwe und Manni, die die Autos ausschlachten. Ansonsten wird viel geschlafen und ab und an auch mal gestritten. Und das machen die Brüder die ganzen 100 Spielminuten lang, die letzten 30 eben am Strand von Italien.

Man kann das ziemlich langweilig finden. Vier ölverschmierte Männer, die jeden verdammten Tag das Gleiche tun und deren Highlights aus Nudeln zum Mittag und Zoff über den perfekten Sitz der geblümten Wachstuchtischdecke auf dem Küchentisch bestehen. Manch einer mag sich auch fragen, warum man Männer wie die Ludolfs überhaupt vor die Kamera gezerrt hat und ob das nicht nur eine inszenierte Vorführung à la „Bauer sucht Frau“ ist.

Man kann sich aber auch einfach mal auf die Ludolfs einlassen. Günter zu Ehren. Und man kann versuchen, die Popularität der Brüder und die Bedeutung Günters für das Quartett zu verstehen. Dann fällt schnell auf, wie liebevoll sich die Männer um den Nachlass von „Muttichen und Vattichen“, die Autoverwertung, kümmern und wie sie nur ihnen zu Ehren deren nie erlebte Italien-Reise nachholen. Selbst „Günterchen“ entschließt sich, mitzufahren, obwohl er seinen Lebtag Dernbach nicht verlassen wollte: „Aber der Vatti wollte da immer hin.“

Manni, der jüngste, karrt seine Gartenzwerge aus einer Hütte, wenn er wütend ist und schimpft mit den Plastikpuppen, anstatt mit seinen Brüdern. Er kümmert sich um das Grab der Eltern, im Sommer fährt er jeden Tag zum Blumengießen.

Wie Günter in Italien über seine Jungs wachte

Uwe, der als einziger verheiratet ist und Kinder und Enkel hat, lässt trotz gelegentlichen Flirts nichts auf seine Frau kommen: „Wir gehören zusammen“. Peter schwingt sich trotz Übergewicht grazil auf meterhohe Schrottberge, tanzt plötzlich in der Küche zu italienischer Musik vom Plattenspieler und dann erzählt er von seiner großen Liebe Britta, die ihn vor 32 Jahren verlassen hat, der er aber jeden Tag für das, was sie ihm damals gegeben hat, dankt: „Ich habe einmal gemerkt, dass ein Mädchen etwas Besonderes ist“.

Und Günter, der immer in der Küche sitzt, raucht und Kaffee trinkt, der hört sich all die brüderlichen Sorgen an, bietet den ruhenden Pol des Hauses, der Familie. In Italien, als Uwe und Manni ins Zelt schlüpfen und Peter zum Schlafen in den Wohnwagen steigt, bleibt Günter sitzen. Draußen, mit Zigarette in der Hand und Blick aufs Meer. „Gute Nacht, Peter“, schallt es aus dem Zelt. „Gute Nacht“, tönt Peter zurück aus dem Wagen. Und „Gute Nacht, Jungs“, ruft Günter. Er bleibt noch auf. Genießt die Ruhe. Und wacht über seine Jungs.

Das ist nicht langweilig. Die Ludolfs zeigen, wie entspannt und gemütlich man in Zeiten von Social Networking, Schönheitswahn und karrieregeilen Egoisten bleiben und sich die eigene heile Welt einer Familie, die zusammen schafft und hält, erhalten kann. Entschleunigung im Westerwald, eine Wohltat für jedes stressgeplagte Auge. Vorgeführt werden die Ludolfs auch nicht, springt doch Gott sei dank keine Inka Bause ins Bild und versucht, den „gemütlichen“ Günter mit einer „herzlichen“ Herta zwanghaft glücklich zu machen. Die Ludolfs sind wie sie sind, und sie sind glücklich damit.

Der Kinofilm ist am Mittwoch, 02.02.2011, um 20.15 Uhr zu sehen.