+++ Wetter-Ticker +++

Auf Flughäfen wird wieder Enteisungsmittel knapp

| Lesedauer: 9 Minuten

Gerade hat sich der Verkehr wieder etwas entspannt. Doch jetzt drohen erneut Reisende zu stranden. Bleiben Sie hier auf dem Laufenden über das Winterwetter.

+++ Schneeschaufeln werden knapp +++

Schneeschaufeln sind in den vergangenen Tagen schon mehrfach zum begehrten Diebesgut geworden. Schippen-Flaute in deutschen Baumärkten? Tatsächlich: „Schneeschieber und – schippen sind bei uns weitestgehend ausverkauft“, sagte ein Sprecher der Krikeler Baumarktkette Praktiker. „Wir haben bis Mitte Dezember mehr als das Zehnfache an Schneeschippen verkauft als im Vorjahr, da sind die Lager einfach leer“, erklärte er.

Hornbach hat vor kurzem zwar mehrere 1000 Schippen geliefert bekommen, aber die seien alle schon wieder verkauft, wie eine Sprecherin des Baumarktes mitteilte. Eine schon vor Weihnachten erwartete Lieferung aus Polen sei noch offen. „Aber bei den schlechten Straßenverhältnissen dort kommt sie einfach nicht durch.“

Nur Bauhaus hat positive Nachrichten: Noch seien nicht alle Räumwerkzeuge verkauft. „Außerdem bekommen wir immer wieder kleinere Lieferungen“, sagte ein Sprecher. Er riet, zunächst in der jeweiligen Niederlassung anzurufen und nachzufragen. „Wenn dann noch ein Vorrat da ist, setzt man sich am besten gleich ins Auto und fährt so schnell man kann.“

+++ Hochhaus-Lift eingefroren +++

Weil nach einem Rohrbruch die Lifte eines 19-stöckigen Hochhauses in Osnabrück zugefroren sind, müssen die Bewohner wochenlang Treppen steigen. In den oberen Etagen wohnen auch mehrere Behinderte und Kranke, die ihre Wohnungen nun gar nicht mehr verlassen können.

„Sie werden von Pflegepersonal oder der Hausmeisterin versorgt“, sagte Katja Bunselmeyer, Geschäftsführerin der Wohnungsverwaltungsgesellschaft Petersson, am Donnerstag und bestätigte damit Medienberichte. Bereits zu Weihnachten war im 18. Stock wegen der Kälte ein Rohr gebrochen. Das Wasser floss in den Fahrstuhlschacht und legte beide Lifte lahm. Spätestens am 10. Januar sollen sie repariert sein. Das Hochhaus hat mehr als 300 Treppenstufen.

+++ Engpässe an Flughäfen befürchtet +++

Den deutschen und europäischen Flughäfen drohen in der kommende Woche massive Engpässe bei Enteisungsmitteln. Der Schweizer Spezialchemiekonzern Clariant wird voraussichtlich vom 1. bis 4. Januar die Produktion unterbrechen müssen, wie ein Unternehmenssprecher sagte.

Grund seien Lieferschwierigkeiten der Hersteller von Glykol, einem Grundstoff der Enteisungsmittel, wegen der derzeit hohen Nachfrage. Der Produktionsstopp könne „je nach Wetterlage und Vorratsmengen der Flughäfen zu erneuten Beeinträchtigungen im europäischen Flugverkehr führen“, hieß es.

Clariant ist nach eigenen Angaben Marktführer in Europa. Seit Oktober 2010 produziere das Unternehmen für rund 100 Flughäfen in Europa rund um die Uhr. Allein im Dezember sei die Produktion von Enteisungsmitteln gegenüber dem Vorjahr um die Hälfte gesteigert worden.

+++ Der ADAC warnt vor Gefahr durch Dachlawinen +++

Der ADAC hat vor der Gefahr von Dachlawinen gewarnt. Insbesondere bei Tauwetter könnten Eiszapfen und Schneemassen herabfallen und erhebliche Schäden verursachen, erklärte der Verband am Mittwoch in München. ADAC-Jurist Markus Schäpe verwies zudem darauf, das Hausbesitzer grundsätzlich für Schäden durch Dachlawinen haftbar gemacht werden könnten. Sie müssten dafür sorgen, dass Straße und Gehweg gefahrlos passiert werden könnten, „soweit dies mit zumutbaren Mitteln möglich ist.“

Der Hausbesitzer muss deshalb aber nicht aufs Dach klettern. Er muss laut ADAC aber nach heftigen Schneefällen oder bei Tauwetter das Hausdach auf Gefahren überprüfen. Dies gelte besonders, wenn keine Schneefanggitter angebracht seien. Bei großen Mengen müssten gut sichtbare Warnschilder auf die Gefahr aufmerksam machen.

+++ Hermes im Rückstau bei Weihnachtspaketen +++

Wegen zugeschneiter Straßen hat der Paketzusteller Hermes einige Weihnachtsgeschenke erst nach dem Fest ausliefern können. 90 Prozent der vom 18. bis 24. Dezember übergebenen Sendungen wurden aber bis Heiligabend zugestellt, teilte die Hermes Europe GmbH mit. Dafür wurden täglich etwa 14.300 Touren gefahren. Hermes ging davon aus, die „Überbestände“ bis Silvester ausgeliefert zu haben, wenn das Wetter mitspielt.

+++ Bahnverkehr noch immer mit Einschränkungen +++

Trotz vorerst beruhigter Wetterlage rollt der Bahnverkehr bei eisigen Temperaturen immer noch mit Einschränkungen durch Sachsen. Gemessen an Weihnachten habe sich die Lage etwas entspannt, sagte eine Bahnsprecherin der Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag. Alle Strecken seien wieder befahrbar. Es gebe keine Sperrungen mehr, aber weiterhin Zugausfälle und Verspätungen. Wegen des derzeit hohen Wartungsaufwandes seien mehr Fahrzeuge als sonst bei der Instandhaltung. Deshalb würden auf einigen Strecken Busse fahren. Betroffen seien etwa in Dresden die S-Bahnen 1 zwischen Meißen und Triebischtal und die S3 Dresden-Tharandt.

+++ Blitzeis im Norden erwartet +++

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat vor Blitzeis in Norddeutschland gewarnt, das ab Donnerstagabend Straßen gefährlich glatt machen dürfte. Der Grund dafür ist milde Luft, die von der Nordsee kommend Regen bringt, sagte ein DWD-Sprecher. Weil die warme Luft weiter im Landesinneren abkühlt, geht dort der Regen dann in Schnee über.

Da eine genauere Prognose erst am späten Nachmittag möglich sein wird, sollten sich Reisende dann auf der Internetseite www.dwd.de über die aktuelle Warnlage informieren. Unterdessen kam es bei der Deutschen Bahn erneut zu wetterbedingten Zugausfällen und Verspätungen.

Bei der Bahn fielen vor allem Züge von Frankfurt am Main nach Paris aus. Die Situation werde noch bis 3. Januar anhalten, sagte eine Bahnsprecherin und begründete dies mit einer „eingeschränkten Fahrzeugverfügbarkeit“. Auch im Großraum Berlin gab es am Morgen wieder erhebliche Störungen.

Unterdessen sicherte Bahnsprecher Achim Stauß im Radiosender WDR5 zu, dass sich die Bahn im kommenden Winter besser auf Eis und Schnee vorbereiten werde. Bereits in diesem Jahr habe die Bahn Züge im Ausland angemietet, allerdings sei das Angebot jetzt erschöpft. Die Bahn werde nun Fehler analysieren und Konsequenzen ziehen.

+++ Am kältesten war es in Sachsen+++

Die tiefste Temperatur ist in der Nacht zum Donnerstag in Sohland an der Spree in Sachsen gemessen worden. Dort fiel das Thermometer auf minus 23,9 Grad, wie Meteorologe Helmut Malewski vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach sagte. Besonders kalt war es auch im Bayerischen Wald. An zahlreichen DWD-Messstationen wurden Werte unter minus 22 Grad gemessen.

In Berlin und Brandenburg wurde zudem die bisher kälteste Nacht des Winters gemessen. In der Hauptstadt wurden bis zu minus 14 Grad, in der Mark bis minus 15,4 Grad in Müncheberg (Märkisch-Oderland) gemessen. Nicht ganz so kalt soll es in der Silvesternacht werden. Erwartet werden Werte um null Grad, es kann allerdings Schnee, Schneeregen und Glatteis geben. Außerdem wird es laut DWD windiger. Wer einen Neujahrsspaziergang plant, kann mit Temperaturen zwischen zwei und vier Grad in Brandenburg sowie drei Grad in Berlin rechnen.

+++ Bei Schneeschmelze droht Schlaglochgefahr +++

Autofahrer müssen sich nach der Schmelze von Schnee und Eis auf gefährliche Schlaglöcher gefasst machen. Das berichtete die „Bild“-Zeitung am Donnerstag unter Berufung auf Autofahrerverbände. Demnach erwartet der Auto Club Europa (ACE) bis zum Frühjahr einen „Schlagloch-Rekord“.

Die ADAC-Expertin Wiebke Thormann wurde mit der Einschätzung zitiert, dass bundesweit „im Frühjahr jede zweite kommunale Straße kaputt sein dürfte“. Eine gründliche Generalsanierung der Straßen würde nach ACE-Angaben auf der Basis einer aktuellen Studie der TU Aachen rund 25 Milliarden Euro kosten.

+++ Schifffahrt auf dem Main-Donau-Kanal behindert +++

Nach wochenlangem Dauerfrost droht auf dem Main-Donau-Kanal in Nordbayern in den nächsten Tagen das vorübergehende Aus für die Schifffahrt. Vor allem die extremen Nachtfröste machten es immer schwieriger, eine ausreichend breite Fahrrinne freizuhalten. „In der vergangenen Nacht hatten wir hier minus 18 Grad. Das setzt dem Kanal ziemlich zu“, sagte ein Behördenmitarbeiter.

Da auch für die kommenden Tage Minustemperaturen erwartet werden, drohe wahrscheinlich zu Beginn des neuen Jahres eine Eissperre auf der 171 Kilometer langen Wasserstraße. „Da muss es gar nicht sehr kalt sein. Schon wenige Grad unter Null reichen aus, um den Kanal unpassierbar zu machen“, erläuterte der Behördenmitarbeiter. Schiffe könnten derzeit nur mit erheblichen Behinderungen den Kanal passieren. „In den vergangenen Tagen hatten sich mehrfach Schiffe im Eis verkeilt“, berichtete er.

( dapd/dpa/AFP/kami )

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