Nachruf

WM-Orakel Krake Paul ist tot

| Lesedauer: 3 Minuten

Ein Weichtier-Leben für den Fußball. Mit acht richtigen WM-Tipps in Folge stieg Paul der Oktopus zum Star auf. Er wurde Ehrenbürger und hatte einen eigenen Wikipedia-Eintrag. Nun ist der berühmteste Krake der Welt tot.

Das wohl berühmteste Tierorakel der Welt ist tot. Der Krake Paul aus Oberhausen starb in der Nacht zu Dienstag, wie das Aquarium Sea Life in Oberhausenmitteilte. Der Kopffüßer wurde zweieinhalb Jahre alt.

"Er starb in der Nacht friedlich und eines natürlichen Todes“, teilte General-Manager Stefan Porwoll mit: „Er ist uns allen sehr ans Herz gewachsen, und wir werden ihn schmerzlich vermissen.“ Pauls sterbliche Überreste sollen in den kommenden Tagen eingeäschert und danach in einer Urne den Besuchern des Aquariums präsentiert werden. Pauls Nachfolger im Sea Life soll denselben Namen erhalten.

Weltweite Bekanntheit erlangte der Oktopus, als er während der Fußball-Weltmeisterschaft in diesem Sommer in Südafrika den Ausgang aller Spiele mit deutscher Beteiligung sowie des Finales zwischen Spanien und den Niederlanden richtig vorhersagte. Paul konnte aus zwei gleichen Plastikbehältern mit Nationalflagge eine Muschel fischen und so den Sieger der Partie ermitteln. Nach der WM ging das Tier aufs Orakel-Altenteil, obwohl aus aller Welt Anfragen mit Vorhersagewünschen kamen.

Der Oktopus hatte körbeweise Fanpost, Kaufangebote von angeblich bis zu 500.000 Euro und schließlich die Ehrenbürgerschaft der Stadt Carballiño in Spanien erhalten. Selbst zu einem Eintrag im Internet-Lexikon Wikipedia hatte es das wirbellose Tier gebracht. Und auch auf dem Video-Portal Youitube avancierte der Krake zum Filmstar. Die Tiefkühlkost-Firma Iglo warb sogar mit "Wo ist Paul?“ für seine frittierten Tintenfischringe.

Paul hatte den spanischen WM-Sieg richtig getippt – und damit die Herzen der Spanier im Sturm erobert. „Lieblingsfreund von Carballiño“ konnte er sich seitdem nennen. Sogar eine Silbertafel wurde vor seinem Aquarium angeschraubt, im Wasser eine Nachbildung des WM-Pokals deponiert.

Am liebsten hätten die Spanier Paul nach der WM in Südafrika gleich mitgenommen. 35.000 Euro hatten örtliche Unternehmen geboten, sie wollten ihn bei einem Pulpo- (Tintenfisch)-Fest ausstellen. Das Sea Life rückte seinen Star-Mollusken aber nicht heraus. „Paul reist nicht, für kein Geld der Welt“, bekräftigte damals eine Firmensprecherin.

„Kein Geld der Welt“ war dabei nicht nur so dahingeredet – nach der WM überschlugen sich die Kaufangebote fast so wie die Kommentarspalten im Internet. Laut einer Moskauer Boulevardzeitung sollte der Krake sogar den künftigen russischen Präsidenten vorhergesagt haben. Der Name des Siegers bleibt aber bis 2012 im Tresor verschlossen.

Dafür hatte im abergläubischen Russland ein Oligarch 500.000 Euro für das Tier geboten. Dazu die Sea Life- Sprecherin damals: „Paul kann nur Fußballergebnisse.“

Obwohl enttäuschte Anhänger der unterlegenen Teams das unerbittliche Kraken-Orakel lieber tot als lebendig gesehen hätten, hatte Paul die WM unbeschadet überlebt. Kursierten doch im Internet unzählige Rezepte für Pulpen-Gerichte: Gedünstet, gegrillt, gekocht, gebraten, sautiert - die Liste war schier unendlich.

Trotz allen Ruhmes musste Paul auf traute Zweisamkeit verzichten: Als einziger Krake im Oberhausener Aquarium lebte er allein und ohne Liebe. „Kraken sind auch eher Einzelgänger“, sagte ein Sea-Life-Sprecherin. Dennoch ließ sich das Weichtier gerne von seinen Pflegern kraulen, blieb aber stets Junggeselle.

Daran änderte auch der schmissige Kraken-Liebes-Song „Paul the octopus, we love you“ nichts, den ein US- Musiker extra für Paul komponiert hatte.

( dapd/SID/mim )