Australische Airline

Auch Boeing-Maschine von Qantas muss notlanden

Ist es Pech – oder Schlamperei bei der Wartung? Nach dem A380-Triebwerksausfall musste nun auch eine Boeing-Maschine von Qantas notlanden.

Foto: AFP

Nach dem Beinahe-Absturz eines Qantas-A380 am Donnerstag mit einem erheblichen Triebwerkschaden musste gestern eine Boeing 747 nach dem Start in Singapur mit Triebwerksproblemen zum Flughafen zurückkehren. Nährere Informationen gab es zunächst nicht.

Bei der Suche nach der Ursache für das explodierte Triebwerk am A380 gerät aber der britische Triebwerkhersteller Rolls-Royce zunehmend in die Kritik. Qantas vermutet einen Materialfehler oder eine fehlerhafte Konstruktion des für den A380 neu entwickelten Triebwerks. Alan Joyce, Chef der Fluggesellschaft, sagte, die genaue Ursache für den Brand eines Triebwerks sei zwar noch nicht bekannt. Joyce wies aber Zweifel an seiner Wartung der Flugzeuge zurück. „Rolls-Royce hat mehrere Möglichkeiten ausgemacht“, sagte er. „Mit der Wartung hat das Problem nichts zu tun.“ Qantas glaube, es handele sich „wahrscheinlich um einen Materialfehler oder ein Konstruktions-Problem.“

Wie jetzt bekannt wurde, waren bei dem notgelandeten Qantas-A380 schon vier Minuten nach dem Start in Singapur Probleme mit dem Triebwerk angezeigt worden. Das berichtete die australische Transportsicherheitsbehörde ATSB. Die Behörde stellte einen ersten Bericht über die Ursachen bis zum 3. Dezember in Aussicht.

Louis Gallois, Chef des Airbus-Mutterkonzerns EADS, sagte am Freitag, die jüngste Notlandung des A380 von Qantas stelle einen bedeutenden Zwischenfall dar, der ernst genommen werden müsste: „Aber er stellt nicht die Sicherheit des Flugzeugs in Frage.“ Die für die flugtechnische Zulassung in Europa zuständige EU-Agentur EASA hat bereits am 4. August 2010 Fluggesellschaften zu zusätzlichen Kontrollen der Rolls-Royce-Triebwerke „Trent 900“ aufgefordert. Hintergrund sei eine ungewöhnliche Abnutzung bestimmter Bauteile, hieß es in der Direktive. Ein solches Triebwerk war in der Qantas-Maschine ausgefallen.

Laut EASA steht die Notlandung des A380 in Singapur allerdings nicht im Zusammenhang mit einer schon vor Monaten ausgesprochenen Warnung der Behörde. Die Aufsicht ordne regelmäßig Sicherheitschecks an, sagte ein Sprecher. Die Behörde sehe keine Verbindung zu dem Unfall in Singapur.

Rolls Royce hat unterdessen die Überprüfung aller Motoren des gleichen Typs angekündigt. „Die Gruppe fühlt sich verantwortlich zu empfehlen, dass einige grundlegende Kontrollen durchgeführt werden“, hieß es in einer Mitteilung von Rolls-Royce. Die Serie der bisher eingesetzten Triebwerke mit dem Namen Trent 900, die bei dem Unglücks-Airbus eingebaut waren, sei klein und relativ neu, hieß es beim Hersteller.

An der Börse geriet die Rolls-Royce-Aktie weiter unter Druck. Die Titel der Airbus-Muttergesellschaft EADS erholten sich dagegen. Rolls-Royce versicherte, eng mit Kunden zusammenzuarbeiten, während die Untersuchung des Triebwerkausfalls weitergehe. „Diese ist jedoch noch in einem sehr frühen Stadium, und es wäre unangebracht, zum jetzigen Zeitpunkt schon Rückschlüsse zu ziehen“, hieß es.

Qantas will den Flugbetrieb mit seinen sechs A380-Flugzeugen nach einer Überprüfung bis zum Sonntag wieder aufnehmen. Die elf Maschinen der Singapore Airlines und die drei der Lufthansa sollten alle am Freitag wieder fliegen. Jeder Tag, den die im Schnitt 350 Mio. Euro teuren Riesenflieger nicht in der Luft sind, kostet die A380 fliegenden Airlines viel Geld: Tausende Passagiere müssen dann am Flughafen versorgt, umgebucht oder in Hotels untergebracht werden.

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