Blutbad

Drogenbande massakriert 72 Einwanderer in Mexiko

Nach dem Leichenfund berichtet der einzige Überlebende von dem Massaker. Die Opfer sind offenbar von einer Drogenbande ermordetet worden.

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Bei den im Nordosten Mexikos auf einem Bauernhof gefundenen 72 Leichen handelt es sich möglicherweise um Einwanderer aus Brasilien, Ecuador, Honduras und El Salvador. Das hätten erste Untersuchungen ergeben, eine endgültige Bestätigung stehe jedoch aus, sagte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats, Alejandro Poire, vor Journalisten. Die Leichen, darunter 14 Frauen, waren am Dienstag von der Armee entdeckt worden, nachdem sich die Soldaten Gefechte mit in dem Bauernhof verschanzten mutmaßlichen Drogenhändlern geliefert hatten. Die Leichen wurden auf einer Farm entdeckt nahe der Stadt San Fernando im Bundesstaat Tamaulipas, der an den US-Bundesstaat Texas grenzt.

Ein Sprecher des brasilianischen Außenministeriums sagte der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch, unter den Leichen seien mindestens vier brasilianische Staatsbürger. Dies habe das mexikanische Außenministerium der brasilianischen Botschaft in Mexiko-Stadt mitgeteilt. Über Geschlecht und Identität der Opfer liegen der brasilianischen Regierung demnach bislang keine Informationen vor. Dem Sprecher zufolge soll am Donnerstag in Mexiko-Stadt ein Flugzeug nach Tamaulipas fliegen mit Vertretern der Länder an Bord, aus denen die Opfer vermutlich kommen.

Der Außenminister von El Salvador, Hugo Martínez, verurteilte das Massaker. Die Ergebnisse der Untersuchung müssten nun abgewartet werden, er hoffe aber, dass die Täter gefasst würden, sagte er AFP. Er habe der Botschaft seines Landes in Mexiko bereits aufgetragen, den möglichen Tod salvadorianischer Staatsbürger zu prüfen.

Einziger Überlebender des Massakers ist den mexikanischen Angaben zufolge ein Mann aus Ecuador, der sich durch Schüsse verletzt an einen Kontrollpunkt des Militärs geschleppt, den Soldaten von dem Massaker berichtet und um medizinische Versorgung gebeten hatte. Daraufhin griffen die Soldaten die Farm an. Dabei wurden ein Soldat und drei Verdächtige getötet. Ein Jugendlicher sei festgenommen worden, die übrigen Bewaffneten entkamen demnach.

Nach ersten Erkenntnissen waren die Einwanderer Gruppe auf ihrem Weg in die USA von einer bewaffneten Bande abgefangen worden, die ihnen eine Tätigkeit als Handlanger angeboten habe. Als die illegalen Einwanderer dies abgelehnt hätten, seien sie von der Bande ermordet worden, berichteten die mexikanischen Behörden unter Berufung auf den Überlebenden. Der Ecuadorianer gab demnach an, dass die Kriminellen der Drogenbande „Zetas“ angehörten. Die Gruppe ist eine Abspaltung des in Tamaulipas dominierenden Golf-Kartells, die ihrem früheren Arbeitgeber seit einigen Jahren die Schmuggelrouten für Drogen streitig machen.