Gesellschaftlicher Wandel

Castings lösen Kult permanenter Selbstdarstellung aus

Selbstinszenierung und Öffentlichkeitsdrang: Die Casting-Mentalität hat Berufs- und Privatleben erreicht, sagt Medienwissenschaftler Pörksen.

Foto: pa/dpa (3), ProSieben / pa/dpa (3), ProSieben/Jörg Carstensen (2), Alina Novopashina, Bene Müller

Castingshows wie „Dschungelcamp“ oder „Deutschland sucht den Superstar“ sind nach Ansicht des Tübinger Medienwissenschaftlers Bernhard Pörksen ein wichtiges Signal für einen gesellschaftlichen Wandel.

Die Aufforderung „Liefere eine Show!“ habe auch das Privat- und das Berufsleben erreicht, schreibt der 41-Jährige in einem Artikel für das „Hamburger Abendblatt“. Pörksen ist Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen.

Casting sei mittlerweile zur Lebensform geworden, in der sich der Einzelne ständig selbst in Szene setzen müsse. Der Kampf um öffentliche Aufmerksamkeit sei längst nicht mehr beschränkt auf Prominente und Medienprofis, sagte Pörksen weiter. Selbst der Bayerische Bauindustrieverband nutze bei seiner Stellensuche ein „BauCamp“, in dem sich – wie in der ProSieben-Show „Deine Chance“ drei Kandidaten um einen Job streiten.

Entstanden sei mittlerweile „ein Kult permanenter Selbstdarstellung“, der durch das Fernsehen und das Internet angetrieben werde. Tausende würden ihre Fotos und Videos in soziale Netzwerke und auf die eigene Homepage stellen.

Die Vorstellung von Prominenz ändere sich: Der Superstar gelte nicht mehr als unerreichbar, sondern sei lediglich ein Konkurrent in einem Spiel, an dem jeder teilnehmen möchte.

Als Folge sieht Pörksen eine Entwicklung, in der jeder verdächtigt wird, sich selbst nur noch zu inszenieren. Damit werde zugleich das Bedürfnis nach Glaubwürdigkeit immer größer. Der große Leitwert sei daher heute die „Authentizität“.

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