"Dschungelcamp", Tag 4

Sarah Knappik, der wohlkalkulierte Glücksgriff für RTL

Tag 4 im RTL-"Dschungelcamp": Nervensäge Sarah droht mit Ausstieg, tritt aber doch mit Jay Khan zum Ekel-Dinner an. Auf der Speisekarte: Kotzfrucht, Maden und Fischaugen.

Gegensätze ziehen sich an – besonders zwischen Mann und Frau. Man nehme eine zickige, hysterische Blondine und bringe sie mit einem dunkelhaarigen Macho zusammen, der sie nicht leiden kann, schon hat man Stoff mit Unterhaltungswert: Die Beiden können sich nach Herzenslust in die Haare kriegen, aber am Ende kommen sie sich vielleicht doch noch näher. Eine unschlagbare Formel – das wussten die Produzenten unzähliger romantischer Hollywoodkomödien ebenso wie die Macher der RTL-Realitysoap „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“, beziehungsweise die Zuschauer dieser Trashshow.

Letztere erwählten nämlich das ungleiche Kandidatenduo Sarah Knappik und Jay Khan zum Team für die vierte Dschungelprüfung. Doch anders als bei „Harry und Sally“ stand im TV-Camp natürlich kein romantisches Kerzenlicht-Dinner auf dem Programm, sondern eine kulinarische Herausforderung der widerwärtigsten Sorte.

Am Vortag hatte Knappik nach ihrer verpatzten Tunnel-Mutprobe noch ausführlich (und sehr zum Ärger des ohnehin von ihr genervten Mitbewohners Khan) darüber gejammert, man habe ihr die Schlimmste aller Ekel-Prüfungen zugewiesen. Da wusste sie noch nicht, was sie danach erwarten würde: Beim „Oktoberfest im Dschungel“ sollten die beiden Kandidaten ein „Stinkbier“ aus pürierter Kotzfrucht sowie gequirlte Maden, Fischaugen, Rattenhirn, eine große „Dschungelsülze“ aus Kakerlaken, Grillen und Mehlwürmern und pürierten Rattenschwanz herunterwürgen.

Zunächst sah es allerdings nicht so aus, als würde das zierliche Model überhaupt an der Tortur teilnehmen. Stattdessen verkündete Knappik, das Dschungelcamp vorzeitig verlassen zu wollen: „Bevor ich zusammenbrech‘, steige ich aus!“ Sie würde innerlich kaputt gehen und wolle nach der Show kein psychisches Wrack sein: „Ich scheiß aufs Geld, ich scheiß aufs Fernsehen, ich scheiß auf alles!“ In Zukunft wolle sie womöglich gar nicht mehr in dieser Branche arbeiten.

Ihre Mitbewohner waren größtenteils erleichtert, die allseits als Nervensäge empfundene 24-Jährige loszuwerden, sangen am Lagerfeuer fröhlich „Goodbye, ciao ciao, auf Wiedersehen“ und beschäftigten sich lieber mit der offenbar dringlichen Frage, ob die Brüste von Kandidatin Indira denn nun silikonhaltig seien oder nicht (wozu Letztere keine Stellung nahm). Katy Karrenbauer, Ex-Insassin des RTL-„Frauenknasts“, legte zur Klärung gleich auch Hand an und befand: „Das fühlt sich ja an! Anders irgendwie.“

Dann tröstete Karrenbauer noch ein bisschen das Häufchen Elend namens Knappik, die sich schließlich doch dazu entschloss, ihren etwaigen Ausstieg aus dem Camp vorerst zu verschieben: „Ich mache erst einmal die Prüfung und danach entscheide ich mich, wie es weitergeht.“ Lange Gesichter bei den übrigen Urwaldinsassen.

Bei der Ekel-Prüfung schlug sich Knappik immerhin besser als am Vortag und kippte Stinkefruchtsaft und vergorene Sojabohnen pflichtgemäß herunter. Doch die vielen tierischen Horror-Mahlzeiten gab sie mit Verweis auf ihre strikte vegetarische Einstellung an ihren Leidensgenossen Jay Khan weiter. Angeekelt stöhnend und mit entschlossenem Märtyrerblick schluckte dieser eifrig die übrigen Abscheulichkeiten, um sich wenig später ebenso vehement zu übergeben – und manchem TV-Zuschauer war spätestens an dieser Stelle des „Dschungelcamps“, jener „Schmuckschatulle der deutschen Hochkultur“ (Moderatorin Sonja Zietlow) genauso zumute.

Ein versöhnliches Happy End zwischen Boyband-Sänger und Model blieb trotz gemeinsam durchlittener Qualen aus. Dafür sorgte Knappik, indem sie auf den noch würgenden Khan einmal mehr mit der ihr eigenen Sensibilität einredete und betonte, ihr sei es insgesamt doch viel schlechter ergangen als ihm. Aus diesen Beiden werden definitiv keine Freunde mehr.

Für die RTL-Seifenoperndramaturgie ist Knappik indes ein wohlkalkulierter Glücksgriff, denn jede Herde braucht ein schwarzes Schaf. Das blonde Model fällt auf, erfüllt die ihm zugedachte Rolle der asozialen Nervensäge und sorgt für schlagzeilentauglichen Zoff und Gesprächsstoff – ganz im Gegensatz zu manchen Randgestalten des Urwaldlagers. Oder kann sich nach Tag 4 des Dschungelcamps noch irgendjemand daran erinnern, dass auch Ex-Leistungssportler Thomas Rupprath und Ex-Playmate Gitta Saxx in der tropischen TV-Kolonie einsitzen?

Folgerichtig wählten die TV-Zuschauer Sarah Knappik zur Protagonistin der nächsten Dschungelprüfung, ihrer dritten in Folge. Aller guten Dinge sind schließlich drei. Und aller schlechten auch.