Retrorrunner

Achim Aretz schafft Bestzeit im Rückwärtslaufen

Den Halbmarathon beim Blankenneser Heldenlauf legte Achim Aretz rückwärts zurück. Im Durchschnitt ist er schneller als viele Vorwärtsläufer.

Foto: picture alliance / dpa / dpa

Als der Weltrekordhalter im Halbmarathon, Achim Aretz, das Ziel erreicht, sind die Ersten schon fast eine halbe Stunde da. Doch Aretz ist nicht enttäuscht. Denn ein Sieger ist der Athlet aus dem westfälischen Münster dennoch – zumindest im Retrorunning.

Während die rund 3200 Sportler beim Blankeneser Heldenlauf den Halbmarathon entlang der Elbe mit der Nase im Wind laufen, legt er die 21,1 Kilometer komplett rückwärts zurück. Seine persönliche Bestzeit von 1:40:26 Stunden verfehlt der Champion nur um wenige Minuten. Mit durchschnittlich 15 Stundenkilometern ist Aretz aber schneller als viele Vorwärtsläufer.

Zum Rückwärtslauf fand er nach einer durchzechten Partynacht. „Am nächsten Tag war ich zum Joggen verabredet. Ich war aber so lahm, dass mein Kumpel spaßeshalber rückwärts neben mir herlief.“ Das klappte so gut, dass auch Aretz fortan regelmäßig die Laufrichtung wechselte. An die verwunderten Blicke von Passanten hat er sich gewöhnt. „Ich wurde schon gefragt, ob ich meine Pillen nicht genommen habe.“

Anfangs litt Aretz noch unter starkem Muskelkater. „Das ist schlimmer als jeder Vorwärtslauf, da die Waden und hinteren Oberschenkel extrem beansprucht werden.“ Zudem müsse man mit Nackenschmerzen rechnen. „Das kommt vom ständigen Umschauen.“

Die Idee, die Nase in den Windschatten zu drehen, ist nicht neu. Bestzeiten sind seit 1930 dokumentiert. Mittlerweile ist Retrorunning zum weltweiten Trendsport geworden. Selbst Spitzenprofis wie der jamaikanische Sprinter und Ex-Rekordhalter über 100 Meter, Asafa Powell, wechseln fürs Training die Laufrichtung.

Normalem Vorwärtslaufen kann Aretz nicht mehr viel abgewinnen. „Man sieht dabei immer, was man noch bewältigen muss. Dagegen kann man beim Retrorunning darauf stolz sein, was man bereits alles geschafft hat. Und das ist, wenn man will, eine Lebenseinstellung.“